WASHINGTON: Versöhnlich und betont harmonisch

Donald Trump und der kanadische Premier Justin Trudeau könnten nicht unterschiedlicher sein. Ein erstes Treffen deutet jedoch darauf hin, dass die beiden Nachbarn sich bemühen, gute Beziehungen zu pflegen.

Renzo Ruf, Washington
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Der US-Präsident und der kanadische Premier beim Betreten des Weissen Hauses. (Bild: Andrew Harnik/Keystone (Washington, 13. Februar 2017))

Der US-Präsident und der kanadische Premier beim Betreten des Weissen Hauses. (Bild: Andrew Harnik/Keystone (Washington, 13. Februar 2017))

Renzo Ruf, Washington

Zweifelsohne haben die beiden Politiker das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Während Donald Trump (70) den kantigen, grossspurigen Rechtspopulisten gibt, positioniert sich Justin Trudeau (45) als Wohlfühl-Linker und als unerschrockener Feminist. Und dennoch suchten der US-Präsident und der kanadische Premierminister gestern in Washington, die Gemeinsamkeiten hervorzuheben.

Beim ersten Treffen der Regierungschefs, die aufgrund der grossen Verbundenheit zwischen den USA und Kanada zur Zusammenarbeit verdonnert sind, nahmen sich Trump und Trudeau deshalb Zeit, über ihre Passion zu sprechen. Sie wohnten der Gründungsversammlung einer bilateralen Vereinigung bei, die sich der Förderung weiblicher Unternehmerinnen widmen solle. Im «Cabinet Room» des Weissen Hauses begrüssten Trump und Trudeau neun hochrangige Vertreterinnen amerikanischer und kanadischer Firmen, die von der Präsidententochter Ivanka eingeladen worden waren. «Sie spielen eine unglaublich wichtige Rolle in unserer Volkswirtschaft», sagte Trump den unternehmerisch tätigen Frauen – obwohl sich Frauen immer wieder mit gesellschaftlichen Schranken konfrontiert sähen, die sie am Weiterkommen hinderten. Eines seiner Ziele als Präsident der USA sei es, diese Schranken abzubauen.

Justin Trudeau stiess ins gleiche Horn. Er wies darauf hin, dass er bei seinen Reisen rund um die Welt immer wieder auf die zentrale Rolle aufmerksam mache, die weibliche Manager an der Spitze kanadischer Firmen spielten. Er schätze den Gedankenaustausch mit Unternehmerinnen, da er immer Neues erfahre und die Hartnäckigkeit der weiblichen Manager bewundere.

Mit solchen Nettigkeiten begann dann auch die erste gemeinsame Pressekonferenz des Präsidenten und des Premierministers. «Wir teilen weit mehr als eine gemeinsame Grenze», sagte Trump und sprach in fast schon luftigen Worten von den Freiheitsidealen, die in den USA und in Kanada hochgehalten würden. «Keine anderen Nachbarn auf der ganzen Welt sind derart stark miteinander verbunden», sagte Trudeau. «Wir sind Teil einer gemeinsamen Geschichte, und unsere Bürger sind aufeinander angewiesen. Unsere Familien leben gemeinsam und arbeiten gemeinsam.» Schon Winston Churchill habe dies erkannt – eine Reverenz, die Trump mit einer (zustimmenden?) Grimasse quittierte.

Trudeau betont die hohe Bedeutung des Freihandels

Aber natürlich unterliess es der kanadische Regierungschef nicht, sein Gegenüber im milden Tonfall darauf hinzuweisen, dass beide Staaten von diesen engen Beziehungen profitierten. So überqueren jeden Tag Güter im Wert von 2 Milliarden US-Dollar die Grenze zwischen den USA und Kanada, wobei sich Exporte und Importe jeweils fast die Waage halten. Und: für 35 der 50 US-Bundesstaaten ist Kanada der wichtigste Handelspartner, wie Trudeau sagte. Dieser Hinweis auf die Handelsstatistik war natürlich auch eine indirekte ­Antwort auf die Forderung des US-Präsidenten, das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta (zu dem die USA, Kanada und Mexiko gehören) neu zu verhandeln – weil Amerika angeblich von seinen zwei Partnernationen über den Tisch gezogen werde.

Von dieser Forderung nahm Trump gestern zwar keinen Abstand, sie blieb aber in den öffentlichen Stellungnahmen weitgehend unerwähnt. «Wir wollen auch weiterhin gute Arbeitsplätze für unsere Bürger schaffen», sagte Trudeau. Und Trump verkündete, dass er «gewisse Optimierungen» an den gemeinsamen Handelsbeziehungen anstrebe, von denen aber sowohl die USA als auch Kanada profitieren würden. «Unsere Beziehungen sind ausserordentlich gut, und wir arbeiten daran, sie noch besser zu machen», sagte Trump.

Immerhin: Als die Rede auf die Sicherheitspolitik kam, öffnete sich dann doch ein Graben zwischen dem Amerikaner und dem Kanadier. Trudeau deutete an, dass er mit der harten Haltung Trumps gegenüber Flüchtlingen nicht einverstanden sei. Er sehe es aber nicht als seine Aufgabe an, den südlichen Nachbarn Kanadas zu belehren, sagte der Premierminister. Trump wiederum nutzte die Gelegenheit, vor der Gefahr zu warnen, die von Terroristen ausgehe.