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WASHINGTON/RIAD: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman lässt sich feiern

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hat in den USA eine Charmeoffensive begonnen, die von Werbeagenturen hervorragend orchestriert wird. Kritische Nachfragen bleiben aus.
Kronprinz Mohammed bin Salman erörtert mit US-Präsident Donald Trump Rüstungsgeschäfte. (Bild: Kevin Dietsch/EPA (Washington, 20. März 2018))

Kronprinz Mohammed bin Salman erörtert mit US-Präsident Donald Trump Rüstungsgeschäfte. (Bild: Kevin Dietsch/EPA (Washington, 20. März 2018))

Wer dieser Tage in London oder Washington in ein Taxi einsteigt, weiss sofort Bescheid: «Der Mann, der Saudi-Arabien verändert, ein neues Saudi-Arabien erschaffen wird», heisst Mohammed bin Salman.

Der vollbärtige saudische Kronprinz lächelt nicht nur von Taxitüren oder winkt, in Siegerpose, auf Hochglanzporträts, welche im Zentrum der US-amerikanischen Hauptstadt aufgehängt wurden. MBS, wie der Hoffnungsträger überall genannt wird, wagte sich auch in amerikanische Talkshows, in denen es der ungelenke 32-Jährige nicht immer leicht hatte.

«Brückenbauer zwischen Europa und Fernost»

Seine primäre Botschaft scheint jedoch angekommen zu sein. Mit ihm an der Spitze von Saudi-Arabien werden die Frauen Saudi-Arabiens nicht nur gleichberechtigt sein. Sie können in Zukunft auch selbst entscheiden, ob und wie sie sich verhüllen. «Eine respektvolle und zurückhaltende Kleidung» müsse gewählt werden, keinesfalls aber die zusammen mit dem Gesichtsschleier Nikab angelegte schwarze Aba­ya, die noch immer 90 Prozent der saudischen Frauen tragen.

Dass das von MBS angeschlagene Reformtempo die konservativen Kleriker in seinem Heimatland überfordern, vielleicht sogar gegen ihn aufbringen könnte, ist in den USA kein Thema. «Mit mir gibt es kein Zurück mehr», erklärt der Sohn des angeblich dementen Saudi-Königs Salman der CBS-Moderatorin, und aufhalten könne ihn ohnehin «nur der Tod». Über zwei Wochen wird der aus Grossbritannien angereiste Saudi-Kronprinz die Vereinigten Staaten bereisen. Seine Charmeoffensive wird von renommierten PR-Agenturen perfekt orche­striert. Sie haben doppelseitige Anzeigen in den grossen amerikanischen Tageszeitungen platziert, in denen das Saudi-Arabien des MBS als «Brückenbauer zwischen Europa und Fernost» gepriesen wird, ein modernes Königreich, das für «Stabilität und Kontinuität» stehe.

Die dunklen Flecken der jüngeren Vergangenheit blendet man aus. Nicht Saudi-Arabien unterstützte Al-Kaida, behauptet MBS, ohne rot zu werden, «sondern der Iran». Vergessen scheint, dass fast alle 9/11-Attentäter saudische Staatsbürger und auch deren Mentor Osama bin Laden der Sohn einer noch immer prominenten saudischen Familie war. Noch während seines Wahlkampfes hatte US-Präsident Donald Trump den Angehörigen der 9/11-Opfer versprochen, von Riad Schmerzensgelder in Milliardenhöhe zu ­fordern. Zur Kasse, und zwar kräftig, werden die Saudis dennoch gebeten. 200 Milliarden Dollar werden sie für amerikanisches Kriegsgerät überweisen müssen. «Am Ende wird es sogar doppelt so viel sein», sagte MBS, als er am Dienstagabend von Trump im Oval Office empfangen wurde. Das sei gut für die USA, freute sich der US-Präsident, der sich im Beisein der Medien auf Gemeinplätze beschränkte.

Spitze gegen Erzfeind Iran

Heikle Themen wollte auch der junge Saudi nicht in der Öffentlichkeit erörtern. Aus seiner Überzeugung, dass er den iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei für den «neuen Hitler» halte, dem man nicht, «wie damals», mit einer Beschwichtigungspolitik gegenübertreten könne, machte MBS allerdings erneut kein Geheimnis. Damit war auch ohne öffentliche Debatte klar, dass der in den USA durchaus umstrittene Krieg der Saudis gegen Huthis im Jemen weitergehen wird. Schliesslich seien es die schiitischen Milizen, die für die entsetzlichen Leiden der Zivilbevölkerung verantwortlich seien, ­hatte MBS in der CBS-Show verkündet und dabei freundlich gelächelt, nachdem kritische Nachfragen ausblieben.

Michael Wrase, Limassol

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