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«Weckruf» des Weltklimarats: Sofort handeln gegen die Katastrophe

Missernten, Dürren, steigende Meeresspiegel: Die Begrenzung des Klimawandels und seiner Folgen wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Der Weltklimarat der Vereinten Nationen fordert in einem Sonderbericht rasches Handel in allen Bereichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Eine Pflanze wächst aus der rissigen Erde eines abgeernteten Maisfelds östlich der ungarischen Hauptstadt. (Bild: Zsolt Czegledi/EPA (Budapest, 23. August 2018))

Eine Pflanze wächst aus der rissigen Erde eines abgeernteten Maisfelds östlich der ungarischen Hauptstadt. (Bild: Zsolt Czegledi/EPA (Budapest, 23. August 2018))

(sda dpa reu) Der Weltklimarat der Vereinten Nationen fordert in einem Sonderbericht rasches Handel in allen Bereichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Zwar seien die Folgen für die Weltbevölkerung dann immer noch dramatisch. Eine Erwärmung um zwei Grad würde die Lebensgrundlagen für Hunderte Millionen Menschen aber noch viel stärker bedrohen, warnen die Experten.

Im Pariser Klimaabkommen hat die Weltgemeinschaft sich darauf verständigt, den Klimawandel bei "deutlich unter zwei Grad" zu bremsen, möglichst aber schon bei 1,5 Grad. Wissenschaftler wurden beauftragt, auszuarbeiten, ob und wie das machbar ist. In der Nacht zum Montag legten sie ihre Ergebnisse in Südkorea vor.

Sollte die Erwärmung auf 1,5 Grad statt 2 Grad eingedämmt werden, würden Fluten und Dürren erheblich seltener auftreten und mehrere Hundert Millionen Menschen weniger von Armut bedroht sein, heisst es im Bericht. Der Unterschied von 0,5 Grad sei gewaltig. Demnach wären zehn Millionen weniger Menschen vom Anstieg der Meere bedroht, 50 Prozent weniger Menschen würden unter Wassermangel leiden und die Erträge von Getreide wie Reis, Mais und Weizen würden erheblich weniger zurückgehen.

Bei einer Erwärmung um zwei Grad würden die Korallenriffen weltweit verschwinden. Steige die Temperatur um 0,5 Grad weniger, könne zumindest ein Teil gerettet werden.

Beispiellose Veränderungen nötig

Klar sei, dass dafür der Anstieg des Kohlendioxid(CO2)-Ausstosses weltweit vor 2030 gestoppt werden müsse. Zur Jahrhundertmitte müsse er unter dem Strich bei Null liegen. Gelänge dies nicht, müsse der Atmosphäre aufwendig CO2 entzogen werden - etwa durch die Aufforstung neuer Waldflächen.

"Die globale Erwärmung auf 1,5-Grad zu begrenzen, erfordert rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft", erklärte der Klimarat IPCC im Anschluss an eine mehrtägige Sitzung in der Küstenstadt Incheon.

Das 1,5-Grad-Ziel bezieht sich nicht auf die derzeitige Temperatur, sondern auf die vor der Industrialisierung - denn seitdem hat die Erde sich bereits um etwa ein Grad erwärmt. Es bleiben also nur 0,5 Grad.

Konsequenzen bereits sichtbar

"Eine der Kernaussagen des Berichts ist: Wir sehen derzeit bereits die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung wie mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel, schwindendes arktisches Meereis und andere Veränderungen", sagte der Co-Vorsitzende einer IPCC-Arbeitsgruppe, Panmao Zhai.

Einig sind sich die meisten Forscher, dass die Welt ohne zusätzliche Anstrengungen derzeit sogar auf drei bis vier Grad Erwärmung zusteuert. Das Pariser Klimaabkommen sieht vor, dass die Staaten ihre Ziele regelmässig nachschärfen. Genaue Regeln dafür sollen auf der nächstem Uno-Klimakonferenz im Dezember im polnischen Kattowitz beschlossen werden.

Schweizer Ziele überprüfen

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) teilte mit, um das Ziel zu erreichen, dürfte ab 2050 die CO2-Menge in der Atmosphäre nicht mehr steigen. Das Amt werde zusammen mit den anderen zuständigen Bundesämtern die Konsequenzen aus dem Bericht prüfen und bis im Herbst 2019 ein gegebenenfalls revidiertes Reduktionsziel vorschlagen. Der Bundesrat hat derzeit ein Reduktionsziel von 70 bis 85 Prozent bis 2050 im Visier.

Die Botschaft des Weltklimarates müsse ein Weckruf für die Schweizer Klimapolitik sein, teilte die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz mit. Das Land sei weit davon entfernt, die Pariser Klimaziele zu erreichen, hiess es weiter.

Falls der Bundesrat und das Schweizer Parlament mit zusätzlichen Klimaschutzmassnahmen weiter zuwarteten, handelten sie unverantwortlich und würden untragbare Folgen in Kauf nehmen, warnten die Umweltschützer.

Auch der WWF fordert in einer Stellungnahme mehr Tempo. Der Bericht zeige, wie "dramatisch schon der Unterschied zwischen 1,5 und 2 Grad globaler Erwärmung" sei. In der Schweiz müsse der Treibhausgas-Ausstoss mindestens doppelt so schnell sinken wie heute.

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