Weder Sarkozy noch Hollande

Die Vorsitzende des französischen Front National, Marine Le Pen, hat ihre Anhänger indirekt zu einem Protestvotum gegen beide Kandidaten in der Präsidentschaftswahl am nächsten Sonntag aufgerufen. Um ihre Wähler bemüht sich vor allem Präsident Sarkozy.

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(sda/afp)

Sie werde einen «weissen» Stimmzettel in der Stichwahl abgeben, kündigte Marine Le Pen bei einer Kundgebung ihrer rechtsextremen Front National (FN) zum 1. Mai in Paris an. Ihre Wähler sollten zwar «frei» nach ihrem «Gewissen» entscheiden, sagte sie. Weder der konservative Präsident Nicolas Sarkozy noch der Sozialist François Hollande hätten aber «Vertrauen» oder «Mandat» verdient.

Vorwurf des Verrats

Le Pen, die in der ersten Wahlrunde fast 18 Prozent erreicht hatte, forderte ihre Anhänger damit indirekt auf, weder für Sarkozy noch für Hollande zu stimmen. Sie kritisierte die beiden Kandidaten in ihrer rund einstündigen Ansprache vor mehreren tausend Anhängern scharf und warf ihnen vor, «das Volk» und Frankreich zu verraten. Beide würden ihre Versprechen nach der Wahl nicht halten.

Die FN-Kandidatin Marine Le Pen hatte in der ersten Wahlrunde am 22. April ein überraschend starkes Resultat erreicht und mit 17,9 Prozent der Stimmen das bisher beste Ergebnis für ihre Partei erzielt.

Um ihre Wähler bemüht sich nun vor allem Sarkozy, der in allen Umfragen für die Stichwahl am 6. Mai deutlich hinter dem Sozialisten Hollande liegt. Der Präsident hatte bereits vor der ersten Runde mit Themen wie der Kontrolle der Einwanderung versucht, die Wähler am rechten Rand anzusprechen.

Grosskundgebungen zum 1. Mai

Wenige Tage vor der Stichwahl in Frankreich verwandelt sich die Hauptstadt Paris am 1. Mai in eine grosse Bühne: Der amtierende Präsident Nicolas Sarkozy wird am Nachmittag am Place Trocadéro eine Rede halten, die Sozialisten wollen sich an den traditionellen Demonstrationen der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit einreihen.