Streik
Wegen den vielen Taschendieben: Der Eiffelturm hat geschlossen

Die rund 40 Mitarbeiter des Empfangspersonals haben die Arbeit niedergelegt. Der Grund: Die vielen Taschendiebe. Die Angestellten fühlen sich bedroht. Und sie beklagen sich, dass die Polizei zu wenig unternehme.

Stefan Brändle, Paris
Merken
Drucken
Teilen
Rien ne va plus: Weil die Angestellten streiken hat de Eiffelturm in Paris zur Zeit zu.

Rien ne va plus: Weil die Angestellten streiken hat de Eiffelturm in Paris zur Zeit zu.

Keystone

Sie sind auf der berühmtesten Sehenswürdigkeit der Lichterstadt eine wahre Plage. Meist kämen die Taschendiebe zu viert oder fünft, erzählte ein Streikender. Manchmal wilderten bis zu dreissig von ihnen auf den verschiedenen Stockwerken des 324 Meter hohen Monumentes.

Da sie alle zumindest den Eintrittspreis von 15,50 Euro amortisieren wollen, lässt sich leicht vorstellen, wie energisch sie sich hinter die Brief-, Hosen- und anderen Taschen der Besucher machen.

Aber offenbar nicht nur das: Die Streikenden berichten, dass sich die oft minderjährigen «pickpockets» oft untereinander in die Haare geraten. Das geschehe öfters, wenn die Neuen das Jagdrevier der Angestammten missachteten.

Ab und zu legen sie sich auch mit dem Personal an, wobei sie auch vor Drohungen nicht zurückscheuen. «Einer sagte mir, als ihn runterbringen wollte: Warum lässt du mich nicht arbeiten?», berichtete ein Streikender. Der Dieb habe ihm sogar bedroht: «Wir haben dich schon beim Verlassen des Turms gesehen. Wenn du so weitermachst, kriegst du ein Problem.»

Viel ist bisher nicht passiert. Aus Imagegründen schalten die Direktionen die Polizei ungern ein; und selbst wenn diese rasch eintrifft, muss sie die raffinierten Diebe in flagranti erwischen. Also nehmen die Angestellten ihr gesetzliches Recht in Anspruch, sich zurückziehen zu dürfen, «wenn sie sich bedroht fühlen».