Brasilien
Weichen gestellt für Zeit nach Lula

Brasilien wählt: Nach zwei Amtszeiten gibt Luiz Inácio Lula da Silva das Amt des Präsidenten ab. Seine Nachfolgerin wird aller Voraussicht nach die Linke Dilma Rousseff.

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Keystone

Das Ende der «Ära Lula» in Brasilien ist eingeläutet. Der 64-jährige Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Präsidentschaftswahl antreten und versicherte dem Wahlvolk, dass er dies in Zukunft auch nicht mehr plane.

Sein politisches Erbe will er in die Hände seiner Wunschnachfolgerin Dilma Rousseff legen. Die Brasilianer entschieden gestern darüber, ob Lulas Nachfolge schon im ersten Wahlgang geregelt wird oder der Wahlkampf im fünftgrössten Land der Erde bis zur Stichwahl am 31. Oktober fortdauert.

Umfragen hielten eine Verlängerung zuletzt für möglich. Rousseff konnte danach mit 51 Prozent der gültigen Stimmen rechnen, ihr konservativer Herausforderer José Serra mit 31 Prozent. Entscheidend war deshalb das Abschneiden der grünen Ex-Umweltministerin Marina Silva, die bei 17 Prozent lag. Rousseff brauchte mehr als 50 Prozent für einen Sieg.

«Ich werde nicht mehr kandidieren»

Selbst Lula kamen am Wahltag offensichtlich leise Zweifel, ob die Tochter eines bulgarischen Einwanderers den Sprung in den Präsidentenpalast in Brasília schon im ersten Anlauf schafft. «Ich habe auch nicht im ersten Wahlgang gewonnen, weder 2002 noch 2006», sagte er. «Ich werde kein Kandidat mehr sein», stellte Lula gestern klar. In Brasilien war in den vergangenen Monaten immer wieder spekuliert worden, ob Lula 2014 im Jahr der Fussball-WM in Brasilien noch einmal antritt. Seine Regierung geniesst derzeit Rekordzustimmungswerte von rund 80 Prozent. Rousseff konnte davon sichtlich profitieren.

Käme es zum zweiten Wahlgang, würde er zwischen ihr und Serra ausgetragen. Doch könnte Serra laut Umfragen nicht mit den Stimmen der grünen Kandidatin Marina Silva rechnen. Sie hatte zum Schluss auch Serra attackiert und gehörte schon vor Schliessung der Wahllokale zu den Gewinnern. Während des Wahlkampfes konnte sie deutlich zulegen. Die Entscheidung der brasilianischen Wähler sollte noch in der Nacht auf heute bekannt gegeben werden. (dpa)