Grossbritannien
Wenn aus dem Lieblingssohn ein möglicher Vergewaltiger wird – die Position von Queen Elizabeth II. wird zunehmend schwächer

Prince Andrew reitet sich mit einem unvorteilhaften Interview selber in die Misere, Prince Charles wird dafür zur treibenden Kraft im Hintergrund. So kommt die Frage auf, wie viel Macht die Queen selber überhaupt noch hat.

Kevin Capellini
Merken
Drucken
Teilen
Das Leben von Queen Elizabeth in Bildern.
123 Bilder
Elizabeth kommt am 21. April 1926 zur Welt. Am Tag der Taufe posiert die Familie für ein Foto: Elizabeth' Grosseltern (links), die Königinmutter und Vater Albert (rechts), der spätere König George VI.
Margaret (Mitte) wird vier Jahre nach ihrer Schwester Elizabeth (links) geboren.
Hier begrüsst Elizabeth als 7-Jährige, begleitet von ihrer Mutter, versehrte Soldaten in London.
Mai 1935: Die Prinzessin winkt vom Balkon des Buckingham-Palasts, beobachtet von ihren Grosseltern.
Elizabeth entwickelt früh eine Liebe für Hunde. Im Februar 1936 führt sie ihr Haustier im Hyde Park Gassi.
Auch Pinguine mag Elizabeth. 1938 kommen sie und ein Freund namens Shaun Plunket den Tieren im Londoner Zoo erstaunlich nahe.
Die royale Familie nach der Krönung Alberts zu König George VI. 1937.
Welchen Witz mag George seiner Tochter hier erzählt haben? Der König und die 20-jährige Elizabeth lachen gemeinsam in Windsor.
Ein wenig Farbe zur Abwechslung: Ihren 21. Geburtstag verbringt die Prinzessin in Südafrika.
Auch die Royals üben sich in Nothilfe: Elizabeth verbindet ihrer Schwester den Arm.
Die bildhübsche Prinzessin wenige Monate vor ihrer Hochzeit.
Frisch verheiratet: Elizabeth und ihr Mann Prinz Philip verlassen Westminster Abbey...
... nach der Trauung am 20. November 1947.
Ein Jahr nach der Hochzeit bringt sie ihr erstes Kind zur Welt: Prinz Charles. Es folgen drei weitere Kinder..
... Anne (1950)...
... Andrew (1960) und Edward (1964, im Wagen).
1949: Die Prinzessin posiert in einem silbernen Kleid mit Tiara und Perlenkette.
Familienplausch mit Charles und Anne im Sommer 1951. Wenige Monate später betrauert Elizabeth einen Todesfall...
Ihr Vater stirbt am 6. Februar 1952, während die Prinzessin mit ihrem Gatten durch ehemals britische Kolonien und Commonwealth-Staaten reist. So steigt sie in der Thronfolge automatisch zur Queen auf.
Elizabeth wird über ein Jahr später, am 2. Juni 1953, gekrönt. In der Westminster Abbey erhält sie vom Erzbischof von Canterbury Krone und Zepter.
Die Krönung ist die erste, die im Fernsehen gezeigt wird. Das Ereignis soll viele Menschen dazu animieren, ein TV-Gerät zu kaufen.
Die Queen und Japans Prinz Akihito verbringen vier Tage nach der Krönung gemütliche Stunden an einem Pferderennen.
In der konstitutionellen britischen Monarchie obliegen der Queen vor allem repräsentative Aufgaben. Die Macht liegt bei Regierung und Parlament. Hier trifft Elizabeth Premierminister Winston Churchill und dessen Gattin Clementine.
Gleichwohl ist Elizabeth damals Staatsoberhaupt von 16 UNO-Mitgliedern. Am 21. Oktober 1957 plädiert sie vor der UN-Versammlung in New York für Weltfrieden und Menschenrechte.
1961 sind US-Präsident John Kennedy und dessen Frau Jacqueline zu Gast im Buckingham-Palast.
Auf ihren zahlreichen Reisen bekommt die Queen einiges zu sehen. Zum Beispiel diesen riesigen Schirm 1961 in Ghana.
Manchmal geht es nicht ohne Helm: Besuch in den Werken der Industriefirma Mannesmann in Duisburg (1965).
Selbst ist die Queen: Auf einer Kautschuk-Plantage in Malaysia greift sie 1972 zum Werkzeug.
Philip und Elizabeth feiern 1972 ihren 25. Hochzeitstag mit ihren Kindern Andrew (hinten), Edward, Anne und Charles.
Beim Besuch des deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt (links) und dessen Frau Rut 1972 auf Schloss Windsor erheitert der Welsh Corgi der Queen die Stimmung.
Zur Eröffnung des Opernhauses in Sydney reist die Queen 1973 nach Australien.
1977 wird die Queen erstmals Grossmutter. Ihre Tochter Prinzessin Anne und deren damaliger Mann Mark Phillips werden Eltern von Peter. (Bild von 1980)
Die Queen hat acht Enkelkinder. Prinz William kommt 1982 zur Welt, Prinz Harry 1984.
1980 reist sie mit Ehemann Philip für einen offiziellen Besuch die Schweiz. Es bleibt der einzige.
Elizabeth schreitet die Ehrenformation am 29. April 1980 auf dem Flughafen Zürich mit Bundesrat Georges-André Chevallaz ab.
Bundesrat Kurt Furgler (links) unterhält sich mit der Queen. Sie hält im Bundeshaus eine Ansprache, nennt die Schweiz ein "Vorbild für Frieden".
Die Queen reist unter anderem nach Basel. Dort kommt es am Rande ihres Besuchs zu Demonstrationen gegen den britischen Militäreinsatz im Nordirlandkonflikt.
Unterwegs ist sie im Rolls-Royce...
... aber auch im SBB-Extrazug. Nach vier Tagen geht ihr Besuch am 2. Mai 1980 zu Ende.
Am 29. Juli 1981 heiratet ihr Sohn Charles die damals 19-jährige Kindergartenhilfe Diana Frances Spencer, künftig Princess of Wales. Das Bild entstand vor der Hochzeit.
Elizabeth soll anfänglich begeistert sein von Diana. Das Verhältnis kühlt sich aber schnell ab. Diana findet keinen Draht zu ihrer Schwiegermutter, die ihr wiederum in ihrer kriselnden Ehe mit Charles nicht zu helfen weiss.
Johannes Paul II. besucht 1982 als erster Papst seit der Abspaltung der anglikanischen Kirche 1534 Grossbritannien. Elizabeth empfängt ihn im Buckingham-Palast.
Ausritt mit US-Präsident Ronald Reagan 1982. Die Queen reitet ihr Pferd Burmese während 18 Jahren an der alljährlichen Militärparade zu Ehren des Geburtstags des britischen Monarchen.
So kennt man die Queen: freundlich lächelnd und winkend.
Sie kann aber auch anders. An diesem Pferdesport-Turnier im Mai 1997 scheint sie gar nicht zufrieden zu sein.
Ein Jahr zum Vergessen: In einer Rede am 24. November 1992 bezeichnet die Queen das zu Ende gehende Jahr als "annus horribilis" ("Schreckensjahr").
Was war passiert? Auf Schloss Windsor hatte ein Brand gewütet, dessen Folgen die Queen hier besichtigt. Sohn Andrew trennte sich von seiner Frau, Tochter Anne liess sich scheiden und in Dresden wurde Elizabeth mit Eiern beworfen.
Damit nicht genug der Negativnachrichten: Im Dezember 1992 gibt Premierminister John Major die Trennung von Charles und Diana bekannt.
Das Königshaus trauert: Diana kommt am 31. August 1997 bei einem Autounfall in Paris 36-jährig ums Leben. Elizabeth und Philip schreiten durch ein Blumenmeer vor dem Buckingham-Palast.
Charles, Harry, Dianas Bruder Earl Spencer, William und Philip (von links) beobachten den Einzug des Sargs in der Westminster-Kathedrale.
Ein Gläschen auf 50 Jahre Ehe: Elizabeth und Philip feiern 1997 die goldene Hochzeit.
Die Queen zeigt öffentlich selten Emotionen. Am 11. Dezember 1997 vergiesst sie Tränen, als ihre Yacht Britannia, mit der sie und ihre Familie während Jahren um die Welt reisten, in Portsmouth letztmals vor Anker geht.
Lachend mögen wir die Queen lieber. Der Grund für ihre Freude am 19. Juni 1999 ist ...
... die Hochzeit ihres jüngsten Sohns Edward mit Sophie Rhys-Jones.
Elizabeth besucht als Oberhaupt des Staatenbundes Commonwealth in ihrer Amtszeit alle 54 angeschlossenen Länder (heute 53). Hier weilt sie im März 2000 bei traditionell geschmückten Ngemba-Muranari-Tänzern in Bourke, Australien.
Am 4. August 2000 feiert Elizabeth' Mutter – Queen Elizabeth The Queen Mother wird sie genannt – ihren 100. Geburtstag.
Die Queen eröffnet jedes Jahr das britische Parlament mit der Imperial State Crown auf ihrem Haupt. Die Krone wiegt knapp ein Kilo und muss mit Bedacht getragen werden, wie die Queen sagt: ...
"Man kann während der Rede nicht nach unten schauen. Sonst würde man sich den Hals brechen, die Krone würde herunterfallen."
2001 sieht die Queen einem Jahr voller Höhen und Tiefen entgegen.
Am 9. Februar 2002 stirbt ihre Schwester Margaret 71-jährig. Sie war nicht mehr aus ihrem Schlaf erwacht.
Wenig später muss sie auch für immer Abschied von ihrer Mutter nehmen: Die Königinmutter stirbt am 30. März 2002 im Alter von 101 Jahren.
Im selben Jahr feiert die Queen das goldene Thronjubiläum: Sie ist seit 50 Jahren Monarchin. Aus diesem Anlass reist sie in diverse Commonwealth-Staaten und durch das Vereinigte Königreich.
Die Feiern kulminieren im Golden Jubilee Weekend vom 1. bis 4. Juni in London. Dazu gehören unter anderem Konzerte, Gottesdienste, eine Jubiläumsprozession und eine Flugparade.
Rund eine Million Zuschauer verfolgen das Konzert am 3. Juni auf der Prachtstrasse The Mall vor dem Buckingham-Palast. Die Besetzung ist hochkarätig:
Rod Stewart, Ozzy Osborne, Cliff Richard, Paul McCartney (von links)...
... Ricky Martin...
...Bryan Adams...
... Atomic Kitten und weitere Stars wie Eric Clapton, Joe Cocker und Phil Collins rocken für die Queen.
Einen speziellen Auftritt hat Queen-Gitarrist Brian May: Er spielt auf dem Dach des Buckingham-Palasts die Nationalhymne.
Das gefällt den Prinzen William (links) und Harry.
Queen an Krücke: Elizabeth muss sich 2003 einer Knieoperation unterziehen. Sie gilt generell als rüstig und gesund.
Diesen Ball stoppt sie mit Leichtigkeit.
Im Juni 2003 ist Wladimir Putin mit seiner damaligen Ehefrau Lyudmila Putina zu Besuch in London. Die Queen und der russische Präsident sagen beide, man müsse Differenzen in Fragen über den Irak-Krieg beseitigen.
Einer ihren umstrittensten Gäste: Im November 2003 empfängt Elizabeth George Bush und dessen Gattin Laura. Zehntausende Menschen protestieren in London gegen den US-Präsidenten und den Irakkrieg.
Zwischen Putin und Bush empfängt sie Nelson Mandela. Mit dem Ex-Präsidenten Südafrikas feiert sie das Hundertjahrjubiläum eines Fonds, der Stipendien an Studenten aus aller Welt vergibt, die in Oxford studieren wollen.
Darüber ist Elizabeth bestimmt «not amused»: 2005 gerät ein Bild von Harry in einem Nazi-Outfit an einer Kostümparty an die Öffentlichkeit. Er entschuldigt sich später für den Ausrutscher.
Am 9. Januar 2005 empfängt die Queen im Buckingham-Palast Bundespräsident Samuel Schmid.
Im selben Jahr heiratet Charles seine Jugendliebe Camilla Parker-Bowles, die ebenfalls geschieden ist.
Das Verhältnis zwischen Camilla und der Queen ist kühl. Elizabeth war ihr bisher konsequent aus dem Weg gegangen. Sie erklärt, sie freue sich über die Hochzeit, soll dem Brautpaar aber eine grosse Feier untersagt haben.
Auch im Alter von 79 Jahren packt die Queen an: Bei einem Besuch in der australischen Hauptstadt Canberra pflanzt sie einen Eukalyptus-Baum.
Wie viele Militärparaden Elizabeth auf der ganzen Welt inspiziert, zählt wohl niemand. Diese im April 2006 dürfte ihr besonders gefallen: Ihr Enkel Harry steht stramm und kann sich das Grinsen nur schwer verkneifen.
Zu ihrem 80. Geburtstag am 21. April 2006 erhält die Queen über 20'000 Glückwunschkarten und 17'000 E-Mails.
Auch auf dem roten Teppich macht die Queen eine gute Figur. Hier besucht sie die Premiere des...
... neusten James-Bond-Films "Casino Royale" am 14. November 2006 und begrüsst Hauptdarsteller Daniel Craig.
Die Queen und die neuen Medien: Bei einem Besuch im Google-Quartier 2008 in London zeigt sie sich erfreut, als sie ein Video auf den Youtube-Kanal des Königshauses hochlädt.
Elizabeth im Museum: Eine Wachsfigur der Queen im Madame Tussauds in London wird hergerichtet. Im Hintergrund Barack Obama.
Am 1. April 2009 empfängt sie den US-Präsidenten und dessen Gemahlin Michelle im Buckingham-Palast.
Derweil führt ein Mitarbeiter ihre Corgis Gassi.
Die Queen am Steuer: Sie ist die einzige Person des Landes, die ohne Führerausweis Auto fahren darf. Erst 2019 wird sich die Queen dazu entscheiden, künftig nicht mehr auf öffentlichen Strassen zu fahren – nachdem ihr Mann einen Unfall verursacht.
Erstmals seit 33 Jahren besucht die Queen 2010 das Grand-Slam-Turnier in Wimbeldon. Hier schüttelt sie Roger Federer die Hand, bringt ihm aber kein Glück: Er fliegt bereits im Viertelfinal aus dem Turnier.
Im selben Jahr kommt auch die erste Urenkelin der Queen zur Welt: Savannah (3. von rechts). Rechts von ihr steht Prinz George, Williams ältester Sohn. Auf dem Schoss der Queen sitzt dessen Schwester Prinzessin Charlotte. (Bild von 2016)
Die Nummer 2 der Thronfolge unter der Haube: William und Kate heiraten am 29. April 2011.
Historisch: Die Queen reist 2011 als erste britische Monarchin zu einem Besuch in die Republik Irland. In Dublin wird sie von Präsidentin Mary McAleese begrüsst.
Nicht alle heissen sie willkommen: Während des Besuchs kommt es zu Ausschreitungen und Festnahmen.
Das diamantene Thronjubiläum (60 Jahre) verbringt die Queen 2012 mit Reisen durch Grossbritannien. Harry ist stattdessen Teil der Jubiläumstour durch Commonwealth-Staaten. In Jamaika vergnügt er sich bei einem Rennen gegen Sprint-Star Usain Bolt.
Die Queen am Fallschirm? Nicht ganz. Zur Olympia-Eröffnung 2012 in London springt ein als Queen verkleideter Mann aus dem Helikopter über dem Olympiastadion.
Wenig später erscheint die Queen herself im Stadion und hält eine Eröffnungsrede.
Die Queen und ihre Corgis – eine Liebe, die seit Jahrzehnten hält.
Am 9. September 2015 holt sich die Queen den Rekord als britische Monarchin mit der längsten Amtszeit. Sie übertrifft Königin Viktoria mit einer mit einer Regierungszeit von 63 Jahren und 7 Monaten.
Die Queen reist an diesem Tag mit dem Zug nach Schottland.
Die Queen gilt als korrekt und unnahbar. Privat sei sie jedoch anders, schreibt William in einem Buch, das 2015 erscheint: «Die Güte der Königin, ihr Humor, ihre angeborene Ruhe und Weitsicht und ihre Liebe für ihre Familie und das Zuhause sind Eigenschaften, die ich selber erlebe.»
Alles Gute zum 90. Geburtstag, liebe Elizabeth! Dieser Geburtstagskuchen entlockt der Queen am 21. April 2016 einen kritischen Blick. Wie er geschmeckt hat, ist unklar.
Im selben Jahr erschüttert die Brexit-Abstimmung Grossbritannien. Die Queen ernennt Theresa May am 13. Juli zur neuen Premierministerin.
Wie der Brexit verlaufen wäre, wenn er Premierminister geworden wäre?
70 Jahre Ehe: Zu diesem Anlass veröffentlicht die britische Post 2017 Sondermarken.
Das königliche Reitturnier in Windsor lässt sich die Queen auch 2018 nicht entgehen. Sie besucht es im Alltags-Tenü.
Schlechtes Wetter? Es gibt nur schlechte Kleidung! Die Queen besucht das Turnier ein Jahr später bei Regen.
Am 19. Mai 2018 kommt Elizabeth wieder einmal in den Genuss einer royalen Hochzeit: Ihr Enkel Harry heiratet die US-amerikanische Schauspielerin Meghan Markle.
2018 ist Meghan erstmals auch bei der jährlichen Militärparade "Trooping the Colour" dabei.
Die Queen und die Herzogin von Sussex sprechen hier bestimmt nicht über die neue Brücke, deren Eröffnung sie in Nordwestengland beiwohnen.
Am 13. Juli 2018 empfängt Elizabeth US-Präsident Donald Trump in Windsor.
Fröhliche Weihnachten mit der Queen.
Die Queen begrüsst am 8. Mai 2019 Archie Harrison Mountbatten-Windsor, Harry und Meghans Sohn, der zwei Tage zuvor zur Welt kam.
Trump ist erneut auf Staatsvisite in England. Beim Bankett stösst er mit der Queen an. Bei ihrer Rede fallen ihm die Augen zu.
Gegen das Vergessen: Elizabeth und Trump mit Ehegatte und -gattin besuchen eine Gedenkfeier anlässlich des 75. Jahrestags des D-Day.
Die Queen hat in ihrem Leben wohl einen ganzen Wald gepflanzt. Auch im Alter von 93 Jahren greift sie medienwirksam zur Schaufel.
Brexit-Hardliner Boris Johnson hat es geschafft, er ist neuer Premierminister. Die Queen beauftragt ihn im Juli 2019 formell mit der Bildung einer neuen Regierung.
Schwierige Zeiten für die Queen Anfang 2020: Ihr Enkel Prinz Harry und seine Gattin Meghan ziehen sich vom royalen Leben zurück. Ihr Lächeln hat sie nicht verloren.
Am 5. April 2020 hält die Queen eine historische TV-Ansprache. Sie ruft die Briten auf, in der Coronakrise durchzuhalten. Abgesehen von den traditionellen Weihnachtsansprachen ist es erst die vierte Rede dieser Art der Queen seit 1952.
Ein seltener Auftritt in der Coronakrise: Elizabeth schlägt den 100 Jahre alten Rekord-Spendensammler Tom Moore am 17. Juli 2020 persönlich zum Ritter. Er hatte mit einem Spendenlauf am Rollator in der Coronakrise knapp 33 Millionen Pfund (etwa 36 Millionen Euro) gesammelt und es damit ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.
Am 9. April 2021 stirbt Prinz Philip, der Ehegatte von Queen Elizabeth II. Acht Tage findet der Trauergottesdienst statt.
Grosse Trauer bei der Königin während des Abschiedsgottesdienstes für Prinz Philip: Die Queen und ihr Ehemann waren 73 Jahre lang verheiratet.

Das Leben von Queen Elizabeth in Bildern.

Das Interview, das Prince Andrew, der Duke of York, der BBC zu seiner Verteidigung gegeben hat, ist schon jetzt legendär und wird in die Geschichte eingehen. Doch nicht im positiven Sinne. Denn mit seinen unvorteilhaften und teils stümperhaft geplanten Äusserungen rückte sich der Royal so ungünstig ins Rampenlicht, dass er plötzlich der Mittelpunkt des Skandals war.

Weit verheerender war, dass weder der königliche Haushalt noch die Queen selber über das Vorgehen und das Interview des Prinzen in der BBC-Sendung Newsnight informiert waren. Die schlechte Vorbereitung und die Aussagen Andrews schlugen ein wie eine Bombe.

Und die einzig logische Konsequenz war, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen musste – auf unbestimmte Zeit. Auf eigenen Wunsch, wie er mitteilen liess. Doch das stimmte nicht. Es war der Buckingham Palace, der Andrew dazu zwang, seine Ämter niederzulegen, wie britische Medien kurz darauf aufzeigten.

Die Rücktrittserklärung des Duke of York – in Original und ungekürzt

It has become clear to me over the last few days that the circumstances relating to my former association with Jeffrey Epstein has become a major disruption to my family’s work and the valuable work going on in the many organisations and charities that I am proud to support.

Therefore, I have asked Her Majesty if I may step back from public duties for the foreseeable future, and she has given her permission.

I continue to unequivocally regret my ill-judged association with Jeffrey Epstein. His suicide has left many unanswered questions, particularly for his victims, and I deeply sympathise with everyone who has been affected and wants some form of closure. I can only hope that, in time, they will be able to rebuild their lives. Of course, I am willing to help any appropriate law enforcement agency with their investigations, if required. (20.11.19)

Doch was versteht man unter dem Buckingham Palace? Früher war es klar, dass solche Dinge die Queen und nur die Queen entscheidet. Doch heute wird ihre Position zunehmend als schwächer betrachtet. Die königliche Familie scheine schwach und führungslos, titelte etwa der Guardian in der letzten Woche. Die Mitglieder der «Firma», wie die Familie Windsor gerne genannt wird, würden tun, was sie wollten, nicht jedoch was die Queen wolle und was somit gut für das Königreich sei.

Die Spekulationen und Gerüchte, die Hinterfragungen und die Enttäuschung über die königliche Handhabe der Situation reichen soweit, dass darüber spekuliert wird, dass die Königin mit 95 Jahren, also in rund 18 Monaten in den Ruhestand treten und die Geschäfte an Prince Charles übergeben werde. Und diese Spekulationen mehrten sich während der vergangenen Tage zunehmend.

Der Brexit, ein Familienstreit und der Skandal um Andrew

Denn der Skandal und die – bisher noch nicht bewiesenen – Anschuldigungen um Andrew sind nicht das einzige Problemfeld, auf dem die königliche Familie momentan immer wieder auf mediale Mienenfelder zu treffen scheint, die in einer negativen Berichterstattungswelle hochgehen.

So machte auch der Brexit und der britische Premierminister Boris Johnson der Queen abermals zu schaffen, als dieser die Königin mutmasslich absichtlich über seine genauen Motive und Brexit-Pläne im Dunkeln liess und die Queen einwilligte, das Parlament für mehr als fünf Wochen in einen Zwangsurlaub zu schicken.

Kaum unterzeichnete sie diesen Entscheid, kam die Frage nach ihrer Rolle im Staat auf. Denn – so ironisch das klingen mag – der Monarch wird in Grossbritannien gerne in der Position gesehen, in welcher er eine rechtsstaatliche Demokratie ermöglicht und auch kontrolliert. Doch dieses Mal habe sie vollständig versagt, lautete die gängige Meinung. Und auf Twitter machte die Forderung «abolish the Monarchy» die Runde: Schafft die Monarchie ab!

Damals hatte er noch Grund zu lachen: Prince Andrew, der Duke of York, und Queen Elizabeth II zusammen.

Damals hatte er noch Grund zu lachen: Prince Andrew, der Duke of York, und Queen Elizabeth II zusammen.

CH Media

In diesem Zusammenhang wurde die Königin als führungsschwach und als wenig entscheidungsfreudig tituliert. Krisen wie diese würden nach einer harten Hand verlangen, die eisern führe. Doch die Queen, so lautete das Urteil vor allem von Boulevard-Zeitungen, sei mit ihren 93 Jahren dafür mittlerweile zu alt und zu wenig engagiert.

Immer mehr rückte dadurch Prinz Charles in den Mittelpunkt, der seit jeher als politisch aktiv gilt, sich für Klimaschutz- und Umweltbelange einsetzt, und dafür bekannt ist, britischen Ministern und Staatssekretären Empfehlungen und Korrekturvorschläge per Brief zukommen zu lassen. Britische Medien stellten immer öfters die Frage, ob denn nun die Zeit von Charles gekommen sei und er die Queen, seine Mutter, ablösen werde.

Ein Rücktritt der Queen? «Niemals», sagte sie einst selber

Wie jedes Amt kann auch das der Queen abgegeben werden. Theoretisch hätte sie die Möglichkeit, abzudanken und die Krone an Charles zu übergeben. Während dies bei anderen Monarchien ohne allzu grosses Aufsehen möglich ist, ist eine Abdankung eines amtierenden Monarchen in Grossbritannien jedoch höchst selten.

Als König Edward VIII. im Jahre 1936 abdankte, ging ein regelrechter Schock durch die Nation. Seitdem ist es nie mehr vorgekommen. Und die Queen selber, damals mit 21 Jahren noch eine junge Prinzessin, verkündete 1947 in TV-Ansprache, dass sie niemals abdanken und ihr Leben lang die Krone tragen werde.

Dass die Queen also abdanken wird, gilt als höchst unwahrscheinlich. Viel grösser jedoch ist die Möglichkeit, dass die Monarchin zwar weiterhin Königin bleiben werde, das Amt des Staatsoberhauptes jedoch an Charles abgeben werde, der dann zum sogenannten Prinzregenten würde. Also ein Prinz, der die Führung der Familie und die royalen Pflichten anstelle des eigentlichen Staatsoberhauptes übernimmt.

Denn während Charles früher einen schlechten Ruf in der britischen Gesellschaft genoss und als schlechter und unsicherer Nachfolger der Queen galt, besserten sich seine Beliebtheitswerte während der vergangenen Jahre drastisch. Sosehr, dass ihn viele mittlerweile als geeigneten und gut aufgestellten Nachfolger der Königin handeln, der Politik und, viel wichtiger, die königliche Familie in der richtigen Dosis managen und zusammenhalten kann.

Drei Generationen vereint auf einem Bild: Queen Elizabeth II zusammen mit ihrem Sohn Prince Charles, dem Prinzen von Wales und Prince William, dem Herzog von Cambridge.

Drei Generationen vereint auf einem Bild: Queen Elizabeth II zusammen mit ihrem Sohn Prince Charles, dem Prinzen von Wales und Prince William, dem Herzog von Cambridge.

CH Media

Trotz all dem Trubel, der medial um die Sache mit Andrew, dem Brexit oder anderen Belangen aufgebauscht wird, so ist es nicht die erste Krise, welche die Queen durchstehen muss und womöglich auch überstehen wird. Denn immer wieder gab es Rücktrittsforderungen oder Bewegungen zur Abschaffung der Monarchie während der letzten Jahrzehnte.

Meist nicht wegen ihr selber, sondern wegen der Eskapaden und Entgleisungen ihrer Familienmitglieder. Und auch wenn es dieses Mal wieder Menschen gibt, die dazu aufrufen, dass die Queen die Krone abgeben solle und «abolish the Monarchy» schreien, so gibt es gleichzeitig mindestens genau so viele Menschen, welche «God save the Queen» rufen und die Monarchie beibehalten wollen.

Denn für viele gilt Queen Elizabeth II. nicht ohne Grund als «die ewige Königin». Also abwarten und Tee trinken.

Immer wieder wird Prince Andrew momentan in den Medien der Vergewaltigung beschuldigt. Zum aktuellen Zeitpunkt jedoch gilt erstens die Unschuldsvermutung und zweitens hat keine Strafverfolgungsbehörde Anklage erhoben oder eine Untersuchung eingeleitet. Auch werde dem Royal kein Fehlverhalten vorgeworfen, teilten britische Behörden mit.