Kommentar

Wenn schon Drogen, dann bitte umweltverträgliche

Redakteur Stefan Welzel zu den Aussagen eines holländischen Politikers zum Thema Drogen.

Stefan Welzel
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Stefan Welzel.

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Neulich liess sich der holländische Politiker Ferdinand Grapperhaus zu einem amüsanten Statement hinreissen. Eines, das man von einem Justizminister nicht erwarten würde. Der 58-jährige Christ­demokrat zeigte sich besorgt über die Ergebnisse einer Polizeistudie, die besagt, dass sein Land in Sachen Herstellung und Vertrieb von synthetischen Drogen weltweit an der Spitze liegt. Er wolle nun deutlich konsequenter gegen die Drogenmafia vorgehen. So weit so gut und im Rahmen des zu Erwartenden.

Bizarr war aber, was danach folgte: Grapperhaus appellierte eindringlich an das Umweltgewissen seiner ecstasykonsumierenden Mitbürger. «Wenn sie solche Rauschmittel konsumieren, muss ihnen bewusst sein, dass pro Kilo Ecstasy acht Kilo chemischen Abfalls entstehen.» Was will uns Grapperhaus damit genau sagen? Sicher hat er in der Sache recht. Ich glaube ihm zumindest. Aber hat jemand schon einmal etwas vom weit verbreiteten ökologischen Problem der Abfallentsorgung nach illegalem Drogenherstellen gehört? Die Fans der US-Kultserie «Breaking Bad», in der ein krebskranker Chemielehrer aus Geldnot zum Drogen-«Koch» wird, seien hier ausgenommen. Doch unsere Gesellschaft plagen zweifels­ohne andere, drängendere Umweltsorgen. Zudem: Von einem konservativen Minister würde man eher erwarten, die Jugend gänzlich zum Drogenverzicht aufzurufen oder mehr Prävention zu fordern. Grapperhaus spricht aber lieber das grüne Gewissen an. Das erscheint auf den ersten Blick seltsam – ist vielleicht aber einfach nur schlau. Ein drogenkonsumierender Hipster lässt sich von Moralpredigten über Ecstasy kaum beeindrucken. Als veganer Mülltrenner, der nur Bio-Sojamilch in den Latte Macchiato schüttet, kann er ein solch derbes Produkt- Abfall-Verhältnis aber kaum gutheissen.

Vielleicht ist Grapperhaus aber auch ein heimlicher Fan des Kiffens. Das ist ja – für einen Justizminister nicht ganz unwichtig – in Holland erlaubt. Und die Cannabisproduktion tut Mutter Erde ganz und gar nicht weh. Aus diesem Verdacht heraus lässt sich Grapperhaus’ Appell auch anders interpretieren: Wenn ihr schon Drogen konsumiert, dann doch bitte umweltverträgliche (und somit besser kiffend). Dazu passt, dass man sich in Holland gerade daran macht, den Hanfanbau staatlich kontrolliert zuzulassen. Die Idee stammt vom sozialliberalen Koalitionspartner D66 und nicht von Grapperhaus’ Christdemokraten. Ausdrücklich grün sind diese nicht, vermutlich befinden sich in ihren Reihen aber viele Fans von «Breaking Bad».