Geheimtreffen
Wer hat Angst vor den Bilderbergern?

Pascal Couchepin hält es für richtig, dass Bundesräte am Bilderberg-Treffen dabei sind. Politiker von links und rechts kritisieren die Geheimniskrämerei.

Benno Tuchschmid
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Vorträge, Diskussionen, Mittagessen, Vorträge, Diskussionen, Abendessen, Schlafen. So sieht laut alt Bundesrat Pascal Couchepin der Tagesablauf eines typischen Bilderberg-Tages aus. Reichlich unspektakulär für den geheimnisvollsten Machtzirkel der Welt. Doch Couchepin muss es wissen: Er war als Bundesrat an vier Bilderberg-Treffen und ist damit mit Flavio Cotti der Bilderberg-König unter den Schweizer Politikern.

Doch die wahren Stammgäste kommen aus der Wirtschaft: Novartis (12-mal), Josef Ackermann, Deutsche Bank (7-mal). Doch von einer Geheimregierung aus Wirtschaft und Politik will Couchepin nichts wissen: «Ich hatte nie den Eindruck, dass Pläne geschmiedet oder Entscheidungen getroffen wurden. Es ging immer um den Austausch», sagt Couchepin gegenüber der az.

Diskussionen bleiben geheim

Doch auch wenn die Teilnehmerliste der Bilderberg-Gruppe nicht mehr geheim ist: Worüber die mächtigen Männer und Frauen diskutieren, bleibt auch in St. Moritz innerhalb des Sitzungszimmers. Das müsse auch so sein, sagt Couchepin. «Nur in einem solchen Rahmen kann auch kontrovers diskutiert werden.» Doch genau daran stören sich Schweizer Politiker - und zwar vor allem Jungpolitiker. «Mich stört diese Geheimniskrämerei. Das WEF publiziert ihre Teilnehmerliste, die Podien werden ins Internet übertragen. Bei den Bilderbergern geschieht nichts von dem», sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann.

Auch SP-Vizepräsident Cédric Wermuth kritisiert das Treffen scharf. Ihm missfällt vor allem, dass die öffentliche Hand Sicherheitskosten begleichen soll. Es sei kein Zufall, dass besonders junge Menschen misstrauisch reagierten: «Das ist die Generation, die mit der Finanzkrise aufgewachsen ist. Die Jungen wissen, dass das System von wirtschaftlichen Interessen geleitet wird. Davon haben sie die Schnauze voll.» Die Bilderberg-Gruppe zieht auch die Kritik von Aktivisten auf sich. Insider erwarten gegen 1000 Demonstranten in St. Moritz.

Sicherheitskosten unbekannt

Pascal Couchepin versteht diese Kritik nicht: «Wenn die Schweiz an solchen Treffen nicht mehr auftaucht, dann verschwinden wir vom internationalen Radar. Genau das wollen gewisse Leute in der Schweiz.» Die Kosten würden sich rechnen. Nur, wie hoch genau die Kosten sind, ist unklar. Die Bündner Kantonspolizei will dazu keine detaillierten Angaben machen.

Doch nicht nur der Staat muss das Portemonnaie öffnen. Gemäss der offiziellen Bilderberg-Homepage muss der zuständige Gastgeber im Lenkungsausschuss die Logierkosten für die Bilderberg-Gäste übernehmen. Dieses Jahr ist das Daniel Vasella. Ein Einzelzimmer im «Suvretta House» kostet zwischen 300 und 860 Franken. Bei 130 Gästen sind das bis zu 111 000 Franken.