USA
Wer in Los Angeles den Rasen zu oft sprengt, zahlt eine Busse

Kalifornien stöhnt unter einer historischen Dürre. Die Regierung des bevölkerungsreichsten Bundesstaates verknurrt die Bewohner zum Wasser sparen.

Renzo Ruf, Washington
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So grün ist der Rasen dieser Villa in Beverly Hills bald nicht mehr: Er darf nur noch zweimal pro Woche gewässert werden.

So grün ist der Rasen dieser Villa in Beverly Hills bald nicht mehr: Er darf nur noch zweimal pro Woche gewässert werden.

KEYSTONE

Nun geht es sogar den Schönen und Reichen an den Kragen. Weil Kalifornien unter einer historischen Dürre leidet, dreht auch die Stadt Beverly Hills, wo ein Haus schnell einmal 10 Millionen Dollar und mehr kostet, den Wasserhahn zu.

Bis im Februar 2016 muss die Kommune am Rande von Los Angeles den Wasserverbrauch um 36 Prozent (gemessen am Verbrauch 2013) drosseln. Sonst drohen happige Strafen und Sanktionen durch das State Water Resources Control Board von Kalifornien. Diese staatliche Behörde wacht seit den 1960er-Jahren über das kostbare Nass im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA.

25 Prozent einsparen

25 Proezten weniger Wasser sollen die Kalifornier verbrauchen. Das ist das Ziel von Gouverneur Jerry Brwon. Im vergangenen Sommer ging der Wasserverbrauch aber nur um 8,6 Prozent zurück.

Beverly Hills ist damit eine von 85 Ortschaften im «Golden State», die als grösste Wasserverschwender gebrandmarkt wurden und deshalb am schärfsten beaufsichtigt werden. In der Praxis bedeutet dies: Ab sofort ist es verboten, das grosszügige Schwimmbad vollständig zu leeren und neu aufzufüllen. Und der Golfrasen im Garten der Villa, der selbst bei strahlendem Sonnenschein ein sattes Grün aufweist?

Der darf künftig nur noch zweimal die Woche gewässert werden. Wer sich diesen Anordnungen widersetzt, wird mit einer Busse von 1000 Dollar bestraft und muss im Wiederholungsfall damit rechnen, von der öffentlichen Wasserversorgung abgeschnitten zu werden, gab die Stadtverwaltung von Beverly Hills kürzlich bekannt. «Wir stecken mitten in einer Krise», sagte Bürgermeister Julian Gold.

Zu wenig Wasser für die Feuerwehr

Auslöser dieser Krise ist die anhaltende Trockenheit, die seit 2011 massive Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Lebensart Kaliforniens hat. So sorgen sich lokale Feuerwehren bereits, dass ihnen bei der Bekämpfung der Waldbrände in Südkalifornien nicht genügend Wasser zur Verfügung stehen werde.

Bereits im April gab der demokratische Gouverneur Jerry Brown deshalb den Ukas heraus, dass die Kalifornier ihren Wasserverbrauch drastisch drosseln müssen. Allerdings dürfte es den staatlichen Ämtern schwerfallen, diese Anordnung in die Praxis umzusetzen. Zahlen des State Water Resources Control Board zeigen, dass der Wasserverbrauch seit dem vergangenen Sommer bloss um 8,6 Prozent zurückgegangen ist – weit entfernt von Browns Ziel, 25 Prozent weniger Wasser zu verbrauchen. «Wir müssen mehr tun», kommentierte jetzt ein Mitarbeiter das State Water Board. Auch weil die Monate, in denen Kalifornien am durstigsten ist, erst noch bevorstehen.

«Water School» statt Busse

Weil die lokalen Wasserversorgungen kein Interesse daran haben, den tiefen Wasserpreis zu erhöhen, werden sie wohl früher oder später Bussen gegen Wasserverschwender verhängen müssen. Bisher sieht es aber nicht danach aus. Obwohl bei den rund 400 Versorgungsunternehmen in Kalifornien in den vergangenen Monaten mehr als 10 000 Hinweise auf angebliche Verschwender eingingen, wurden bloss 682 Bussen verhängt, meldete die «Los Angeles Times» gestern Mittwoch.

Einen recht innovativen Weg geht das Touristenstädtchen Santa Cruz, am legendären Pacific Coast Highway gelegen. Wasserverschwender können jeweils am Montagabend in der «Water School» die Schulbank drücken, um den verantwortungsvollen Umgang mit dem kühlen Nass zu lernen. Wer den Test am Ende des mehrstündigen Unterrichts besteht, dem wird die Busse erlassen. 2014 war der Ansturm auf die «Water School» derart gross, dass Santa Cruz statt 1,6 Millionen Dollar bloss rund die Hälfte einnahm.