Präsidentschaftswahl
Wer ist Brigitte Macron, die «première dame» in spe?

Sie wäre wohl die ungewöhnlichste «First Lady» Frankreichs: Brigitte Macron, Gattin des chancenreichsten Präsidentschaftskandidaten, ist 24 Jahre älter als Emmanuel. Was die energische Lehrerin kein bisschen stört.

Stefan Brändle aus Paris
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Sie wäre wohl die ungewöhnlichste «First Lady» Frankreichs: Brigitte Macron (hier mit ihrem Gatten, dem Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron).
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Sie ist 24 Jahre älter als Emmanuel – was die energische Lehrerin kein bisschen stört.
Emmanuel Macron und seine Brigitte
Das Ehepaar Brigitte und Emmanuel Macron
Man konnt es spüren: Zwischen den beiden herrscht eine unausgesprochene, fast fusionelle Komplizenschaft.

Sie wäre wohl die ungewöhnlichste «First Lady» Frankreichs: Brigitte Macron (hier mit ihrem Gatten, dem Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron).

AP/EPA

Brigitte ist unübersehbar. Am Sonntagabend, als Emmanuel Macron den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gewann und vor seine begeisterten Fans trat, hatte die Nation nur Augen für seine elegante Frau, die er an der Hand auf die Bühne führte. Unbefangen küsste sie ihn, spornte die Fans an und verschickte Handküsschen ins Publikum, als hätte sie zeitlebens nichts anderes getan. Man konnt es spüren: Zwischen den beiden herrscht eine unausgesprochene, fast fusionelle Komplizenschaft.

Das Ehepaar Brigitte und Emmanuel Macron

Das Ehepaar Brigitte und Emmanuel Macron

AP/EPA

Die Lehrerin und der Schüler

Mit diesem Wort umschreibt jedenfalls Emmanuel seit langem seine Beziehung zu Brigitte. Alles passierte im Theaterkurs der Mittelschule von Amiens (Nordfrankreich). Sie leitete die Inszenierung, er spielte eine Vogelscheuche. Sie war 39, er 15. Zuerst war da eine „intellektuelle Komplizenschaft“, wie er sagte. Die Beziehung wurde rasch intensiver, so intensiv, dass es Brigitte unheimlich wurde. Schliesslich war die beliebte, stadtbekannte Lehrerin mit einem Banker verheiratet, mit dem sie drei Kinder hatte.

Sie veranlasste, dass ihr brillanter Schüler an eine Schule in Paris verlegt wurde. Es half nichts: „Sie werden mich nicht los, ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten“, soll Emmanuel ihr beim Abschied gesagt haben. Und so geschah es auch: Im Jahr 2007 heiratete die mittlerweile geschiedene Lehrerin den Eliteschul-Absolventen vor einer illustren Gästeschar – sogar ein früherer Premierminister war dabei.

Emmanuel muss sich beeilen

Heute leben die Macrons im mondänen Badeort Le Touquet am Ärmelkanal. In dem Haus, das Brigitte gehört, kommen häufig ihre drei Kinder vorbei, darunter Tiphaine, die gleich alt ist wie ihr neuer Stiefvater Macron und ihm in die Politik folgen will. Der Altersunterschied des Ehepaares ist kein Thema, Brigitte lacht nur darüber: Emmanuel müsse sich beeilen, die Präsidentenwahl schon 2017 zu gewinnen, meinte die 63-Jährige – „denn wer weiss, welches Gesicht ich bei der Kampagne 2022 haben werde!“

Brigitte Macron ist nun einmal frank und frei, spontan und ohne falsche Komplexe. Zu Home-Storys der Illustrierten Paris-Match bietet sie bereitwillig Hand, und Reportern sagt sie Dinge wie: „Mein Gatte ist ein Kavalier, ein Mensch von einem anderen Planeten, ein Philosoph, ein Schauspieler, ein Schriftsteller, der noch nichts veröffentlicht hat“. Um schelmisch anzufügen: „Und ich, ich verwahre die Manuskripte.“

Der Schick besserer Kreise

Am liebsten flicht Brigitte englische Ausdrücke in ihre sehr forsche Rede ein, was in Frankreich nicht üblich ist und in besseren Kreisen einen gewissen Schick hat. Andernorts ergiesst sich Häme über die vife Präsidentengattin in spe: Die siebenfache Grossmuter übertreibe es, trage zu kurze Röcke, zu teure Designerroben von LVMH, liest man in den sozialen Medien; sie rede ihrem Mann ständig drein und sonne sich im Blitzlichtgewitter.

Den bösen Zungen hört das unkonventionelle Paar längst nicht mehr zu. „Bibi“, wie er sie nennt, ist durchaus präsent - hinter und vor den Kulissen. Sie nimmt an Strategietreffen ihres Mannes aktiv teil, geht seine Reden durch und regelt die Details seiner Auftritte, die sie stets aus der ersten Sitzreihe verfolgt. Bei seinen Kampagneausflügen ist sie zuvorderst dabei. Brigitte Macron beteiligt sich als einzige Kandidatengattin aktiv am Wahlkampf. Soll niemand sagen, die zukünftige First Lady Frankreichs sei nur ein Anhängsel des grossen Präsidenten.