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Wer ist in der Lage, Donald Trump zu schlagen?

Die nächste Präsidentenwahl findet zwar erst im November 2020 statt. Doch die Herausforderer des Amtsinhabers stehen bereits in den Start­löchern – weil sie wissen, dass sie es mit einem starken Gegner zu tun bekommen.
Renzo Ruf, Washington
US-Präsident Donald Trump. Bild: Jeff Roberson/AP (St. Charles, 29. November 2017)

US-Präsident Donald Trump. Bild: Jeff Roberson/AP (St. Charles, 29. November 2017)

John Delaney ist ein rastloser Mann. Gleich in vier Ortschaften trat der demokratische Politiker auf, um grosse Reden über den Zustand des Politbetriebes in der amerikanischen Hauptstadt zu schwingen und potenziellen Wählerinnen und Wählern die Hände zu schütteln. An und für sich sind solche Auftritte nicht aussergewöhnlich, findet doch in drei Monaten die nächste Parlamentswahl statt.

Doch der 55-jährige Delaney betrieb nicht etwa Wahlkampf in der Agglomeration Washingtons, im 6. Wahlbezirk des Staates Maryland, den er seit 2013 im Repräsentantenhaus vertritt. Vielmehr tingelte er durch die entlegensten Dörfer des Bundesstaates Iowa, 1700 Kilometer von seinem Wohnort entfernt. Denn der Multimillionär ist nicht nur rastlos – John Delaney ist auch äusserst ehrgeizig. Er will Präsident werden und am 3. November 2020 Donald Trump (72) besiegen.

Trump wird für Krawall sorgen

Richtig gelesen. Obwohl es noch mehr als zwei Jahre dauert, bis in den USA die nächste Präsidentenwahl stattfindet, ­stehen die potenziellen Kandidaten der Demokraten bereits in den Startlöchern. Und es zeichnet sich ab, dass der Wahlkampf 2020 wohl selbst das epische Ringen des Jahres 2016 in den Schatten stellen wird – und zwar nicht nur, weil völlig offen ist, wen die Demokraten ins Rennen schicken werden, sondern auch weil Trump sich zweifelsohne um eine zweite Amtszeit bewerben und für Krawall sorgen wird.

Der Journalist Pat Rynard, der über die politische Grosswetterlage in seiner Heimat auf dem Blog «Iowa Starting Line» berichtet, spricht in diesem Zusammenhang vom «Faktor Trump». Er ist überzeugt davon, dass der Präsident alles daransetzen werde, auch dem Vorwahlkampf der Opposition seinen Stempel aufzudrücken, sagt der ehemalige demokratische Wahlkampfstratege – indem er zum Beispiel virtuelle Giftpfeile über den Kurznachrichtendienst Twitter absondere und Unwahrheiten verbreite.

Bereits lässt sich erkennen, dass einige potenzielle Präsidentschaftskandidaten diese Konfrontation mit dem Präsidenten bewusst suchen. Gerade in der demokratischen Senatsfraktion in Washington bilden die möglichen Anwärter auf das Oval Office im Weissen Haus ­bereits eine ansehnliche Gruppe – die Anhörungen und Parlamentsdebatten dazu nutzt, öffentlichkeitswirksam die Politik der Regierung Trump an den Pranger zu stellen.

Einige Senatoren gehen dabei eher theatralisch vor – Cory Booker (49) aus New Jersey etwa ist berüchtigt für seine einstudierten Wutausbrüche. (Trumps Kommentar: «Falls Cory Booker die Zukunft der Demokraten darstellt, dann hat die Partei keine Zukunft.») Andere greifen zum rhetorischen Skalpell und versuchen, die Argumente der Trump-Adlaten auseinanderzunehmen.

Joe Biden: Erfahren, volksnah, aber ein schlechter Wahlkämpfer

Eigentlich könnte sich Joe Biden (75) zur Ruhe setzen, nach einer Karriere als Berufspolitiker, die 1972 mit seiner Wahl in den Senat begann und 2017 mit seinem Rücktritt als Vizepräsident endete. Doch Biden scheint fest davon überzeugt zu sein, dass er nicht zu alt ist, seinen Traum zu verwirklichen und endlich als Präsident ins Weisse Haus einzuziehen. Für das alte Schlachtross spricht, dass er redet, wie ihm der Schnabel ­gewachsen ist. Und dass er den Kontakt zur ehemaligen Stammwählerschaft der Demokraten nicht verloren hat – zu den weissen Arbeiterinnen und Arbeitern, die sich von der aktuellen Führungsriege der Oppositionspartei nicht mehr vertreten fühlen und die sich deshalb vor zwei Jahren in Scharen dazu entschieden haben, Donald Trump zu unterstützen. Oft spricht Biden deshalb über seine Kindheit in der russgeschwärzten Industriestadt Scranton (Pennsylvania) – und irgendwie gelingt es «Joey» dabei, auf der emotionalen Schiene, auch jüngere Wähler auf seine Seite zu ziehen. Andererseits gibt es Stimmen, die sagen: Bidens Zeit sei vorbei, verkörpere er doch eine Partei und eine Politik, die nicht mehr mehrheitsfähig sei. Auch sei er ein schlechter Wahlkämpfer. Das stimmt. Bidens Solokampagnen um das Weisse Haus scheiterten kläglich.

Bernie Sanders: Knorriger Sozialist mit Spielverderberpotenzial

Kürzlich publizierte ein langjähriger Weggefährte von Bernie Sanders (76) ein Buch mit dem Titel: «How Bernie won» – als sei der knorrige Senator aus Vermont im Jahr 2016 im Ringen um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten als Erster durchs Ziel gegangen. (Bekanntlich verlor Sanders den Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton.) Für die Politbeobachter in Washington war die Veröffentlichung des Buches ein weiterer Beweis dafür, dass Sanders es noch einmal wissen will. Programmatisch kommt ihm dabei entgegen, dass sich die Demokraten in den vergangenen zwei Jahren nach links bewegt haben und nun viele Positionen vertreten, für die der Senator aus dem kleinen Ostküstenstaat schon lange eintritt. Andererseits gilt der selbsternannte Sozialist unter vielen langjährigen Parteimitgliedern weiterhin als Spielverderber, weil er Clinton vor zwei Jahren das Leben schwergemacht hatte. Und natürlich wird Sanders eine gute Antwort auf die Frage finden müssen, ob er nicht zu alt für das Präsidentenamt ist – wird er doch am Wahltag 2020 seinen 79. Geburtstag gefeiert haben. Seine Anhänger finden: Nein, «Bernie» ist nicht zu alt. Und vielleicht gelingt ihm im zweiten Anlauf ja ein echter Sieg.

Kamala Harris: Die Aufsteigerin aus Kalifornien

Müsste man die ideale Präsidentschaftskandidatin erfinden, dann wiese sie die Biografie von Kamala Harris (53) auf: Studium der Rechtswissenschaften, Gastspiel als Staatsanwältin von San Francisco, 2010 Wahl zur Justizministerin von Kalifornien – dem bevölkerungsstärksten Bundesstaat der USA mit fast 40 Millionen Einwohnern – und 2016 Aufstieg zur Senatorin. Kein Wunder, gilt die Politikerin, deren Mutter aus Indien und deren Vater aus Jamaika stammt, als heimliche Favoritin im Feld der demokratischen Präsidentschaftskandidaten – obwohl sie den Schalmeienklängen der Basis bisher nicht nachgegeben hat. Dies hängt auch damit zusammen, dass Harris darauf hoffte, mehr Zeit zu haben, um sich mit den ­Besonderheiten des Politbetriebs in Washington vertraut zu machen. Doch 2016 wurde nicht Parteikollegin Hillary Clinton ins Weisse Haus gewählt, sondern Donald Trump. Und Harris wurde, quasi über Nacht, zum Sprachrohr des «Widerstandes» gegen dessen Regierung. Harris scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie keine Hinterbänklerin mehr ist. Kürzlich gab sie bekannt, dass sie 2019 ein Buch publizieren werde. Titel des Werkes: «Die Wahrheiten, die wir für ausgemacht halten». (rrw)

Trump mit dessen eigenen Waffen schlagen?

Elizabeth Warren, die 69-jährige Senatorin aus Massachusetts, lässt zum Beispiel keine Möglichkeit aus, die Deregulierungspolitik der Regierung scharf zu kritisieren. (Im Gegensatz nennt Trump die Senatorin abwertend «Pocahontas». Das ist eine Anspielung auf die Behauptung Warrens, unter ihren Vorfahren ­hätten sich amerikanische Ureinwohner befunden.) Klar ist: Kämpferische Töne stossen beim Fussvolk der Demokraten auf Zustimmung (und sorgen für hohe Spendeneinnahmen) – obwohl Politbeobachter sich den Kopf darüber zerbrechen, ob es ein nationaler Parlamentsabgeordneter wirklich mit dem unkonventionellen Präsidenten aufnehmen könne.

Ein anderer Flügel der Demokraten ist deshalb der Meinung, dass die Partei nicht gewinnen werde, wenn sie den ­destruktiven Stil Trumps kopiere. Dieser Fraktion gehören primär Lokalpolitiker an, wie Eric Garcetti (47) aus Los Angeles oder der 36-jährige Pete Buttigieg (ausgesprochen: Buut-etsch-etsch) aus dem Universitätsstädtchen South Bend (Indiana). Sie plädieren für eine Politik des Konsenses.

Oder auf einen eigenen Wahlkampf setzen?

Auch John Delaney sagt von sich, er sei ein Pragmatiker. In einem seiner Werbespots, die nur in Iowa zu sehen sind, spricht er deshalb darüber, wie stolz er darauf sei, dass er in Washington überparteilich akzeptable Lösungen finde. «Diese Strategie könnte sich auszahlen», sagt Pat Rynard. Immerhin sei es Delaney gelungen, seine Bekanntheitswerte zu erhöhen und Kontakte zu denjenigen Aktivisten zu knüpfen, die garantiert an den Wahlversammlungen teilnehmen werden, die im Februar 2020 den Vorwahlkampf eröffnen.

Er wolle damit nicht sagen, dass der Volksvertreter aus Maryland gute ­Aussichten habe, zum Präsidentschafts­kandidaten der Demokraten gekrönt zu ­werden, sagt Rynard. Aber angesichts des Vorwahlkalenders – nach den Wett­bewerben in Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina folgt im März 2020 bereits die Vorwahl in Kalifornien – werde ein gutes Abschneiden in Iowa sicherlich mit einem massiven Medienecho belohnt werden. «Denn Iowa spielt im System der US-Vorwahlen immer noch eine wichtige Rolle.»

Zuckerberg und andere Aussenseiter

Bis vor kurzem war Michael Avenatti nur ein recht erfolgreicher Anwalt, mit einer Kanzlei in einem Vorort von Los Angeles (Kalifornien). Dann entschied sich der 47-Jährige im Fe­bruar, die Pornodarstellerin Stephanie Clifford – die auf den Kunstnamen Stormy ­Daniels hört – in einer Zivilklage gegen den amerikanischen Präsidenten zu vertreten.

Seither ist Avenatti ein TV-Star, der fast täglich auf den Nachrichtensendern CNN und MSNBC das Zeitgeschehen kommentiert. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass Avenatti bereits als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt wird. Er sagt dazu: Wer auch immer bei den Demokraten in den Wahlkampf steige, müsse dem ersten Promi-Präsidenten medial gewachsen sein. «Trump lässt sich nicht durch einen traditionellen Politiker besiegen», der sich zwar im Washingtoner Politbetrieb auskenne, aber «scheisslangweilig» ist. Vielmehr müsse der Trump-Kontrahent «charismatisch und blitzgescheit» sein und «Menschen um sich scharen, die für ihn arbeiten wollen», behauptet der kantige Anwalt. Ungesagt bleibt, dass Avenatti der Meinung ist, diese Beschreibung treffe primär auf ihn zu.

Andererseits ist die Liste der möglichen Quereinsteiger, die plötzlich Lust auf Politik verspüren, zwei Jahre vor dem Wahltag 2020 ausserordentlich lang. So wird Facebook-Konzernchef Mark Zuckerberg (34) immer wieder nachgesagt, er glaube, er habe das Zeug zum Präsidenten. (Es ist allerdings schwer vorstellbar, dass er Wähler aus Fleisch und Blut davon überzeugen kann.) Andere Geschäftsleute, deren Namen immer wieder genannt werden: Multimilliardär Mark Cuban (60), Starbucks-Gründer Howard Schultz (65) und Disney-Konzernchef Bob Iger (67).

Vielleicht liegt Avenatti aber falsch, und die Demokraten entscheiden sich für einen traditionellen Politiker, der sein Handwerk in der Provinz gelernt hat – so wie sich 1992 Bill Clinton aus Arkansas aufmachte, den Amtsinhaber zu besiegen. In diesem Fall böten sich Jay Inslee (67) an, der Gouverneur des Staates Washington, der die Politik der Regierung Trump auf dem Gerichtsweg bekämpft. Oder John Hickenlooper (66), ehemaliger Bierbrauer und Gouverneur von Colorado. Oder Terry McAuliffe (61), Ex-Regierungschef von Virginia – und Vertrauter der Clintons. Apropos: Wer sagt denn, dass Hillary Clinton (70) es nicht noch einmal versuchen will? (rrw)

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