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Weshalb Politiker derzeit Italien meiden

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über die Flüchtlingskrise in Italien.
Dominik Buholzer, Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»,
Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Dominik Buholzer (Bild: Pius Amrein / LZ)

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Italien ist zurück. Das Land profitiert von der Terrorangst der Europäer. In diesem Sommer erwartet man 29 Millionen ausländische Touristen, dies sind 1 Million mehr als 2016. Und bei den Übernachtungen wird mit einer Zunahme von 2,3 Prozent gerechnet, dem stärksten Plus seit zehn Jahren.

Touristen zieht es also wieder stärker nach Bell’Italia. Nur Politiker meiden das Land derzeit, wenn immer es geht. Emmanuel Macron plaudert lieber mit Angela Merkel, Möchtegern-Kanzler Martin Schulz oder dem amerikanischen Präsidenten statt mit seinem italienischen Amtskollegen. Denn was er von diesem zu hören bekommt, ist nicht viel Erfreuliches.

An den Küsten Italiens zählte man alleine im ersten Halbjahr gegen 93000 Flüchtlinge, die den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nahmen. Dies sind deutlich mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und es ist mit noch weit mehr zu rechnen. Alleine in der Türkei sind 3 Millionen Menschen gestrandet, die nur ein Ziel haben: weg, möglichst schnell.

Die Lage in unserem südlichen Nachbarn spitzt sich zu. Der Tonfall der italienischen Regierung wird immer rauer. Diese Woche drohte sie damit, den Flüchtlingen Visa auszuteilen, damit diese in andere europäische Länder weiterreisen können. «Wir werden es nicht hinnehmen, zu einem europäischen Aufnahmelager zu werden», polterte Staatssekretär Mario Giro.

Im Rest von Europas spielt man derweil auf Zeit. In Deutschland und Österreich finden diesen Herbst Wahlen statt. Das Flüchtlingsproblem kommt da höchst ungelegen, damit lassen sich keine Parlamentssitze gewinnen. Vor allem Angela Merkel meidet das Thema derzeit. Und in Frankreich steht Emmanuel Macron mit der Reform des Arbeitsrechts vor seiner ersten Bewährungsprobe. Für italienische Befindlichkeiten hat es da kaum Platz.

Das könnte sich rächen. Wegschauen war noch nie die Lösung. Wie schnell die Lage sich verschärfen kann, zeigte sich vor eineinhalb Jahren. Ein Tweet genügte, und Zehntausende machten sich auf den Weg nach Norden.

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»,

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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