Papst
Wettbüros spekulieren über Papstwahl

2005 haben die Buchmacher Joseph Ratzinger als führenden Papabile geführt. Heute wird Geld auf den Sänger Bono oder die gefallene Radsportikone Lance Armstrong gewettet. Zuoberst auf der Liste thront aber der Mailänder Erzbischof Angelo Scola (71).

Christian Nünlist
Drucken
Teilen
Kardinal Angelo Scola, Erzbischof von Mailand.

Kardinal Angelo Scola, Erzbischof von Mailand.

ANSA

Alle Aufrufe waren vergebens. Am Wochenende appellierten katholische Bischöfe auf den Philippinen, keine Wetten auf den Nachfolger von Benedikt XVI. abzuschliessen. «Das Konklave ist ein heiliger Ritus. Es ist unangemessen, es durch Wetten zu trivialisieren», sagte etwa Bischof Dinualdo Gutierrez laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur.

Kardinale aus aller Welt treffen im Vatikan ein. Die rund 200 Purpurträger entscheiden, wann der neue Papst gewählt werden soll. Das Vorbereitungstreffen hat am Montag, 4. März begonnen und dauert voraussichtlich mehrere Tage. Das wichtigste Traktandum: Wann beginnt das Konklave?
17 Bilder
Gianfranco Ravasi 70, Kurienkardinal, ein beliebter Kardinal, der häufig in den Medien ist. Er gilt als Geheimfavorit.
Angelo Scola 71, Erzbischof aus Mailand. Gilt als Kornfavorit - wäre da nicht der Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der ihn nicht als Vertreter Christi möchte.
Angelo Bagnasco 70, Erzbischof von Genua. Aus einfachen Verhältnissen stammend, geniesst er grossen Respekt. Er war es, der Silvio Berlusconi einst zu weniger ausschweifendem Lebenswandel ermahnte.
Angelo Amato 75, aus Apulien, ist er zuständig für die Selig- und Heiligensprechung - eiens der höchsten Ämter im Vatikan. Ein Kardinal, der nicht aneckt.
Christoph Schönborn 68, Erzbischof von Wien. Tabu- oder Reizthemen sind ihm kein Fremdwort. Gilt als Kandidat, wäre da nicht sein deutschsprachiger HIntergrund.
Kurt Koch 62, aus Luzern stammend, früherer Bischof von Basel, wäre ein Überraschungskandidat, sieht er sich doch als Aussenseiter. Er wurde von Benedikt XVI. zum Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen ernannt.
Odilo Scherer 63, Erzbischof von Sao Paolo, der grössten Diäzöse im grossten katholischeh Land der Welt. Er ist Brasilianer deutschen Ursprungs.
Joao Braz de Aviz 65, Kurienkardinal, ehemaliger Bischof von Brasilia. Kein Befreiungstheologe.
Leonardo Sandri 69, Buenos Aires. Ihm fehlt die seelsorgerische Praxis. Seit 1974 in den Diensten des Heiligen Stuhls.
Luis Antonio Tagle 55, Erzbischof von Manila. 55, einer der jüngsten unter den Papabili. Der Erzbischof von Manila ist erst seit wenigen Monaten Kardinal, die Papstwahl kommt für ihn deshalb wohl viel zu früh.
Timothy Dolan 63, Erzbischof von New York, sehr mediengewandt, aber theologisch sehr konservativ. Ein US-Amerikaner als Papst ist für viele dennoch undenkbar.
Laurent Monsengwo Pasinya 73, Erzbischof von Kinshasa, Kongo. Er gilt als Sprachentalent und Top-Kandidat aus Afrika. Er war 2012 vatikanischer Exerzitienmeister.
Peter Kodwo Appiah Turkson 64, Ghana, Favorit aus Afrika.
Oscar Andres Rodriguez Maradiaga 70, aus Honduras, dem gefährlichsten Land der Welt. Auch er gilt als Favorit.
Jorge Mario Bergoglio 76, Erzbischof von Buenos Aires war 2005 der härteste Rivale von Kardinal Joseph Ratzinger. Hat einen Ruf als Reformer, was ihm viele Sympathien einbringt.
Marc Ouellet 68, Präfekt der Bischofskongregation, stammt aus Frankokanadien. Von Amtes wegen ganz oben auf der Liste. Ist ein treuer Gefolgsmann von Papast Benedikt XVI. und gilt als Hardliner.

Kardinale aus aller Welt treffen im Vatikan ein. Die rund 200 Purpurträger entscheiden, wann der neue Papst gewählt werden soll. Das Vorbereitungstreffen hat am Montag, 4. März begonnen und dauert voraussichtlich mehrere Tage. Das wichtigste Traktandum: Wann beginnt das Konklave?

Heiliger Ritus hin oder her – bereits wird weltweit eifrig darüber spekuliert, wer nächster Papst wird. Auf dem einflussreichen Blog «Five Thirty Eight», wo Nate Silver 2008 und 2012 den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl verblüffend genau prognostiziert hatte, sind die wichtigsten Wettbüros weltweit ausgewertet worden. In den USA ist es gesetzlich verboten, auf den Papst zu wetten. Aber beim Wettbüro «Paddy Power» in Irland ist bereits auf über 90 Kandidaten Geld gesetzt worden, darunter auch auf den U2-Sänger Bono, die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey und den gefallenden Radsporthelden Lance Armstrong.

Favorit ist Erzbischof Angelo Scola

Die Website Oddschecker.com hat die Wettquoten von 13 Wettbüros ausgewertet und kommt auf die folgenden führenden zehn Papstanwärter. Auf Platz 1 liegt mit 23 Prozent der italienische Kardinal Angelo Scola (71), knapp vor Peter Turkson (64) aus Ghana. Dahinter folgen drei weitere Italiener – Tarcisio Bertone (78), mit 16%; Angelo Bagnaso (70), mit 10%; und Gianfranco Ravasi (70), mit 8 Prozent. Mithalten kann auf Platz 4 nur der Kanadier Marc Quellet (68), mit 12 Prozent. Der Österreicher Christoph von Schönborn (68) liegt mit 6 Prozent auf Platz 10 der Wettbüros.

Ist die Wahl damit bereits gelaufen? Wird der Erzbischof von Mailand, Angelo Scola, der nächste Papst? Nach dem altersbedingten Rücktritt von Benedikt XVI. könnten die Kardinäle versucht sein, dieses Mal einen jüngeren Papst zu wählen, etwa den 60-jährigen Ungarn Peter Erdo (Platz 8, 7 Prozent Wahlchancen) oder gar den 55-jährigen Philippino Luis Antonio Tagle (Platz 14, 4 Prozent). Tagle ist drei Jahre jünger als Papst Johannes Paul II. bei seiner Wahl 1978.

Top, die Wette gilt!

Doch die Geschichte zeigt, dass die Wettbüros erstaunlich präzise Gradmesser für die Papstwahl sind. 2005 war Joseph Ratzinger unter den Top-3-Kandidaten der Wettbüros. die Wettquote bei «Paddy Power» lag damals bei 33 Prozent. Vatikan-Experte tippen auch auf Kardinal Angelo Scola. Gefragt vom Sender CNN nach den führenden Papabili tippte der Kirchenhistoriker Matthew Bunson auf den Mailänder Erzbischof. «Er hat das intellektuelle Rüstzeug für den Job.»