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WETTER: Schnee erreicht Süditalien

Nach Rom ist gestern auch Neapel unter einer Schneedecke erwacht – die Folge war ein ähnliches Chaos wie ein Tag zuvor in Rom. In Mittel- und Süditalien ist man auf Winterbetrieb ganz einfach nicht vorbereitet.
Dominik Straub, Rom
Ein höchst seltenes Schauspiel: Auch der Vesuv nahe Neapel war gestern schneebedeckt. (Bild: Cesare Abbate/EPA)

Ein höchst seltenes Schauspiel: Auch der Vesuv nahe Neapel war gestern schneebedeckt. (Bild: Cesare Abbate/EPA)

Dominik Straub, Rom

Wegen 5 bis 10 Zentimeter Schnee geschlossen: Das galt gestern in Neapel nicht nur für die Schulen, sondern mehr oder weniger für die ganze Stadt. Auf den Strassen regierte wegen zahlreicher Auffahrunfälle das Chaos, die Busse blieben grösstenteils in ihren Depots, am Flughafen wurden Dutzende von Flügen gestrichen. Der italienische Wetterdienst meldete, dass in Neapel seit 1956 nicht mehr so viel Schnee gefallen sei. Aber von einer wirklich kompakten Schneedecke konnte nicht gesprochen werden.

Ein Tag zuvor hatte die weisse Pracht auch den Verkehr in Rom weitestgehend zum Erliegen gebracht. In der italienischen Hauptstadt blieben die Schulen auch am Tag nach dem «grossen Schnee» geschlossen – wobei auch in der Ewigen Stadt die Schneedecke nirgends höher war als 10 Zentimeter.

Bürgermeisterin nach Rom zurückgekehrt

Weiterhin grosse Verspätungen hatten die Zugpassagiere zu erdulden. Dafür ist gestern Bürgermeisterin Virginia Raggi wieder in ihrem Amtssitz auf dem Kapitolshügel eingetroffen. Die Exponentin von Beppe Grillos Protestbewegung hatte am Montag, als das Schneechaos ausgebrochen war, in kurzen Ärmeln in Mexiko an einer Konferenz teilgenommen, an der die Auswirkungen der Klimaveränderungen diskutiert wurden. Raggis Absenz hatte in den sozialen Medien für zahlreiche ironische Kommentare gesorgt. Dass südlich der Poebene geringfügigste Schneemengen ausreichen, um ganze Städte lahmzulegen, ist nicht neu: In Mittel- und Süditalien ist man Schnee und Kälte ganz einfach nicht gewöhnt.

Und vor allem ist man nicht darauf vorbereitet: In Rom waren am Montag weniger als die Hälfte der rund 1400 öffentlichen Busse mit Winterreifen ausgerüstet; ausserdem fehlt es chronisch an Räumfahrzeugen. Regelmässig müssen die Kommunen jeweils den Zivilschutz oder sogar das Militär anfordern, um den Schnee von den Strassen wegzuschaffen. Ein Problem ist auch die mangelnde Baumpflege: Wenn es schneit, fallen unter dem Gewicht des Schnees überall dürre Äste auf die Strassen und blockieren den Verkehr.

Aber auch die Bahn, die sich im Besitz des Zentralstaats befindet, ist schlecht vorbereitet. Am Bahnhof Termini in Rom, dem wichtigsten Knotenpunkt der italienischen Eisenbahnen, gibt es 300 Weichen – aber nur die Hälfte davon ist mit einer Heizung ausgestattet. Zahlreiche der nicht geheizten Weichen versagten am Montag unter dem Schnee ihren Dienst – und der Zugverkehr konnte gar nicht anders, als fast vollständig zusammenzubrechen. Schlecht oder gar nicht geheizt sind in Mittel- und Süditalien auch unzählige Schulhäuser: Wegen eisiger Temperaturen konnten im Januar 2017 Roms Schulen den Unterricht nach den Weihnachtsferien erst mit Verspätung wieder aufnehmen.

Die sibirische Kälte, die gestern auch Mittelitalien erreicht hat, macht aber nicht nur den Schülern zu schaffen, sondern vor allem auch den Obdachlosen. In Mailand ist in der Nacht auf gestern bereits einer von ihnen erfroren. In Rom, wo insgesamt rund 8000 Menschen auf der Strasse leben, herrscht wegen der Kälte nun höchste Alarmstufe, denn insgesamt gibt es in der Stadt bloss rund 4000 Notschlafplätze. Zwar hat die Caritas inzwischen weitere 1700 Betten organisieren können, aber immer noch fehlen über 2000 Schlafgelegenheiten – und das bei Nachttemperaturen, die auf bis zu minus 5 Grad fallen.

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