Wie die extreme Verschwörungsbewegung QAnon erstmals in den US-Kongress einzieht

Eine neue Abgeordnete bringt eine radikale Verschwörungstheorie ins US-Repräsentantenhaus.

Leo Eiholzer
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Marjorie Greene gab sich offen als Anhängerin von QAnon und zieht nun als Abgeordnete ins US-Repräsentantenhaus ein.

Marjorie Greene gab sich offen als Anhängerin von QAnon und zieht nun als Abgeordnete ins US-Repräsentantenhaus ein.

In den USA wurde am Wahlabend nicht nur der Präsident gewählt, sondern auch der Senat und das Repräsentantenhaus. In letzteres wird nun eine Anhängerin einer extremen Verschwörungsbewegung einziehen.

Die Republikanerin Marjorie Greene.

Sie erklärte wiederholt ihre Unterstützung für die Bewegung QAnon. Deren Sympathisanten behaupten, eine Satan-anbetende Elite kontrolliere die Welt und missbrauche Kinder. Als Erlöser der Bewegung sehen sie Präsident Donald Trump, der laut dem verqueren Weltbild gegen diese pädophile Elite kämpfe. Das soll zu einem Tag der Abrechnung führen, an dem Journalisten und Politiker zu Tausenden verhaftet würden.

Trump bestärkte die QAnon-Anhänger

Die Bewegung fand während Trumps Präsidentschaft immer mehr Zulauf, sogar in der Schweiz. Personen mit dem Q-Emblem tauchten immer öfter an Trumps Demonstrationen auf. Mit Greene ist QAnon nun definitiv auf der politischen Bühne angekommen, Im 14. Distrikt des Staates Georgia lag sie als Kandidatin der Republikaner um drei Uhr nachts (Schweizer Zeit) mit 74 Prozent vorne - genug, damit US-Medien sie als Siegerin vermelden.

Alles nur Schein?

Greene hat sich mittlerweile von der Theorie distanziert und versucht, das Image einer QAnon-Kandidatin abzulegen. Allerdings kursieren Videos von ihr im Internet, die ihre Überzeugungen klar darlegen. In einem sagte Greene: «Es gibt eine einmalige Gelegenheit, diese weltweite Kabale satananbetender Pädophiler auszuschalten, und ich denke, wir haben den Präsidenten, der das tun kann.»

Darüber hinaus nannte sie den Investor George Soros einen «Nazi» und vertrat die Verschwörungstheorie, das Pentagon sei während den Anschlägen vom 11. September nicht von einem Flugzeug getroffen worden. Auf Facebook verbreitete Greene im September eine Bildcollage, in der sie ein Sturmgewehr trägt neben Fotos von drei Kongressabgeordneten der Demokraten, was diese als Gewaltandrohung auffassten.

Für Trump ist sie ein Star

US-Präsident Trump nannte Greene per Twitter einen «republikanischen Star» und eine «richtige Gewinnerin». Trump selbst hat sich gegenüber QAnon ambivalent geäussert und den Glauben in die Bewegung teils sogar gestärkt. Auf die Frage eines Reporters zu QAnon-Anhängern sagte er kürzlich: «Sie mögen mich sehr, was ich zu schätzen weiss.» Und: «Ich habe gehört, dass es Leute sind, die unser Land lieben.»