G-20

Wie Sarkozy die Welt retten will

Der französische Präsident übernimmt den G-8- und G-20-Vorsitz und will den Währungskrieg abwenden. Trotzdem hält er sich bedeckt. Denn Sarkozy weiss: Jeder Misserfolg schmälert die Chancen auf eine Wiederwahl 2012.

Stefan Brändle, Paris
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Wie Sarkozy die Welt retten will

Wie Sarkozy die Welt retten will

Das Timing ist perfekt. Gestern trat Nicolas Sarkozy im Namen Frankreichs das G-20-Präsidium an, ab Januar wird er auch die G-8-Runde leiten. Der innenpolitisch angeschlagene französische Präsident hatte für diese zwei einjährigen Mandate monatelang lobbyiert, da sie für ihn Gold wert sind: Sie sollen ihm die Aura eines Staatsmannes verleihen und ihm vor den Präsidentschaftswahlen 2012 aus dem Umfragetief helfen.

«Sarkozy ist von internationalen Ambitionen beseelt – und von politischen Hintergedanken», meint die Zeitung «Le Monde». «Er hofft, wieder Kapitän im Sturm zu werden wie 2008, als er mit dem Georgienkrieg und der Griechenlandkrise fertig wurde.» Damals hatte Frankreich den EU-Vorsitz inne, und Sarkozy erwies sich als agiler Krisenmanager.

Gefragt ist Fingerspitzengefühl

Jetzt sähe sich Sarkozy wieder gerne als globaler Troubleshooter, der im «G-1-Verfahren» die Welt vor dem Krieg der Wechselkurse rettet. Der 55-jährige Franzose weiss aber auch, dass diesmal weniger Improvisationstalent in einer Notfallsituation gefragt ist als diplomatisches Fingerspitzengefühl und geopolitisches Schwergewicht. An beidem mangelt es ihm ein wenig.

Dafür gilt die französische Diplomatie in internationalen Verhandlungen als eine der stärksten. Sie wählte für ihr G-20-Jahr ein relativ geschicktes, zum Teil sogar originelles Verfahren. Zu den einzelnen Sachfragen wie etwa Wechselkursen werden Arbeitsgruppen gebildet, die Seminare veranstalten und konkrete Vorschläge vorlegen müssen. Als Leiter fungieren jeweils Staatsoberhäupter eines Industrie- und eines Schwellenlandes, was die Verbindlichkeit erhöhen soll.

Druck auf die USA und China

Das heikle Währungsdossier trägt Sarkozy dabei Angela Merkel an. Nachdem sich die deutsche Kanzlerin schon dezidiert über das kaschierte Währungs-Dumping der USA und Chinas geäussert hat, wollen die Europäer damit vereint Druck auf die Dollar- und Yuan-Politik machen.

Die Briten dürften die Reform der internationalen Institutionen leiten, die Indonesier das Dossier Korruption. Ihre jeweiligen Vorsitzpartner sind noch offen. Klar scheint hingegen, dass die Südafrikaner und Australier mit der Entwicklungshilfe betraut werden, die Russen und die Saudis mit der Stabilisierung der Rohstoffmärkte.

Und die Amerikaner? Sie spielen Sarkozys Spiel nur zögernd mit. Der französische Präsident weist ihnen nicht als Einziger die Hauptschuld an den Währungsspannungen zu. Zudem bekundet er persönlich Mühe mit seinem US-Amtskollegen Barack Obama, der ihm auf der Weltbühne vor dem Licht steht.

Obama könnte sogar die französische Einladung an den G-8-Gipfel von 2011 in Deauville ausschlagen. Dieser Affront würde alle Vorarbeiten der französischen Diplomatie zunichte machen. Merkel und der Europäische Zentralbankchef Jean-Claude Trichet mahnen Sarkozy deshalb vorsichtig, Obamas Administration besser einzubinden. Ein diplomatischer Clash würde unweigerlich auf die Europäer zurückfallen, deren Wirtschaftsverfassung labil bleibt.

Das Risiko impulsiver Über- oder Fehlreaktionen Sarkozys ist allerdings geringer als auch schon: Der französische G-20-Leiter wird sich schon deshalb im Zaum halten, weil jeder Misserfolg seine eigenen Wiederwahlchancen 2012 schmälern würde. Der Planet kann also beruhigt sein: Die Weltwirtschaft wird im kommenden Jahr kaum von den Launen des französischen Präsidenten abhängen.