Volkszählung

Wie viele Chinesen gibt es eigentlich?

China zählt ungefähr 1,3 Milliarden Menschen. Wie viele es genau sind, will China herausfinden und hat deshalb heute die grösste Volkszählung der Welt gestartet. Im April 2011 sollen erste Zahlen veröffentlicht werden.

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Keystone

Rund 6,5 Millionen Volkszähler gehen die nächsten zehn Tage von Haustür zu Haustür, um mehr als 400 Millionen Haushalte zu besuchen. Stichtag ist Montag null Uhr. Wer danach geboren wird oder stirbt, wird nicht mehr mitgezählt. Die Behörden erhoffen sich dadurch Aufschluss über die wahre Grösse der Bevölkerung. Auch dürfte es ein besseres Bild von der Überalterung der Gesellschaft, die Zahl der Kinder oder den Wanderarbeitern geben.

Widerstand in der Bevölkerung

In der Bevölkerung regt sich allerdings Widerstand gegen die erste Volkszählung seit über zehn Jahren, die mit dem wachsenden Wohlstand in China zunehmend als Eingriff in die Privatsphäre empfunden wird. China hat seit Jahren eine strenge Ein-Kind-Politik. Deshalb haben Familien ihre Kinder gar nicht oder an anderen Orten angemeldet, um Strafen zu umgehen.

Viele dieser Familien gehören auch zu den rund 200 Millionen Wanderarbeitern, die oft in legalen Grauzonen leben, keine feste Adresse haben und schärfere Kontrolle durch die Behörden fürchten. Schon von August bis September gingen die Volkszähler von Tür zu Tür, um zur Vorbereitung die Wohnortanmeldungen zu überprüfen.

Rund 700 Millionen Yuan, umgerechnet 75 Millionen Euro, kostet die Volkszählung. «Die Volkszähler haben keinen einfachen Job», hiess es in den chinesischen Medien. «Viele Menschen sind besorgt über ihre Privatsphäre - ganz zu schweigen von der schnell wachsenden Zahl der Wanderarbeiter in den grossen Städten.» Die Volkszähler sind meist aus den lokalen Anwohnern und Nachbarschaftskomitees rekrutiert.

Mindestens 18 Fragen sind zu beantworten

Ihre grösste Schwierigkeit sei, die Menschen der jeweiligen Haushalte überhaupt zu lokalisieren, hiess es. Einige öffneten gar nicht erst die Tür. Nach Medienberichten könne bei wiederholter Weigerung auch die Polizei gerufen werden. Staatsmedien zitierten aber auch Experten, die Verständnis zeigten. So sagte der Demografie-Professor Duan Chengrong von der Universität in Peking, die unkooperative Haltung sei durch das wachsende Bewusstsein für den Schutz der Persönlichkeitsrechte begründet.

Die Behörden versicherten, dass die Daten vertraulich behandelt werden. Es werde auch nicht nach Einkommen und Religion gefragt. 90 Prozent der Befragten müssen 18 Fragen beantworten - vom Namen, Geschlecht über Ausbildung bis hin zur ethnischen Zugehörigkeit und Wohnortregistrierung, von der in China der Zugang zu sozialen Diensten oder der Schulbesuch der Kinder abhängig ist.

Zehn Prozent müssen in der Volkszählung sogar 45 Fragen beantworten. Hier geht es zusätzlich um Gesundheit, Beschäftigung, Umzüge und sehr detailliert über Wohnverhältnisse - etwa ob die Wohnung gekauft oder gemietet ist oder wie viele Zimmer sie zählt. Auch wird nach der Höhe der Miete gefragt. Ausländer, die erstmals mitgezählt werden, kommen hingegen mit acht Fragen davon.

Von Mitte bis Ende November wird für Stichproben noch einmal einer von zehntausend Haushalten besucht. Im April nächsten Jahres sollen dann die Ergebnisse veröffentlicht werden. Es wird eine Fehlerquote von plus oder minus 1,8 Prozent erwartet, was immerhin noch mehr als 20 Millionen Chinesen wären. (sha)