Kommentar

Wieso Joe Biden auf Barack Obama hören sollte

Sein einstiger Chef gab dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten schon im August den Rat: «tu's nicht.» Dass Biden sich nicht daran gehalten hat, rächt sich jetzt.

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Samuel Schumacher

Samuel Schumacher

Joe Bidens politische Karriere hätte wunderbar enden können: Im Januar 2017 überraschte Präsident Barack Obama seinen Vize wenige Tage vor Ende ihrer Amtszeit bei einer Zeremonie mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Auszeichnung der USA. Biden wischte sich Tränen aus den Augen, wurde beklatscht und gefeiert. Ein Abgang nach Mass.

Doch dann, fast drei Jahre später, kam der ehrenwerte alte Mann zurück und warf sich voller Zuversicht ins Rennen ums Weisse Haus. Und das, obwohl Obama ihm im August 2019 gesagt haben soll: «Joe, du musst das nicht tun!» Biden glaubte an sich, wie er das immer tat. Er, der den Unfalltod seiner ersten Frau und Tochter und den Krebstod seines Sohnes überstanden hatte; er, der seit bald 50 Jahren für ein besseres Amerika kämpfte; er war – trotz seiner 77 Jahre – «ready» für das höchste Amt in Washington.

"Joe Biden bleibt eine letzte Hoffnung: die Vorwahlen in South Carolina am 29. Februar, wo er laut Umfragen noch immer vorne liegt."

Biden glaubte das offenbar stärker als die Wähler in Iowa und New Hampshire. In beiden Bundesstaaten schnitt er bei den Vorwahlen schlecht ab. Ihm bleibt eine letzte Hoffnung: die Vorwahlen in South Carolina am 29. Februar, wo er laut Umfragen noch immer vorne liegt.

Doch statt zu warten sollte Biden tun, was einem Träger der Freiheitsmedaille gebührt: Erkennen, dass seine Zeit vorbei ist, ehrenwert von der Bühne schreiten und ein letztes Mal auf seinen einstigen Chef hören. Im Dezember sagte Obama: «Die meisten Probleme der Welt entstehen, weil alte Männer nicht aus dem Weg gehen wollen.»