Diktator

Wikileaks enthüllt: So tickt Gaddafi wirklich

Der libysche Diktator fliegt nicht gerne über Wasser, kann nicht mehr als 35 Treppenstufen erklimmen und nimmt die Dienste einer lüsternen Blondine in Anspruch. Das geht aus einem Dokument aus der US-Botschaft in Tripolis hervor.

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Keystone

Am 29. September 2009 übermittelte Gene A. Cretz, der US-Botschafter in der libyschen Hauptstadt Tripolis, eine brisante Mitteilung in seine Heimat.

Das als «Geheim» eingestufte Dokument, das Cretz unter anderem dem US-Aussenministerium, dem CIA und dem für Afrika zuständigen Regionalkommando der US-Streitkräfte zukommen liess, trägt den Titel «A Glimpse Into Libyan Leader Qadhafi's Eccentricities» - zu Deutsch etwa: «Ein flüchtiger Blick auf die Macken des libyschen Führers Gaddafi».

Nun wurde das Papier von der Enthüllungsplattform Wikileaks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In dem Schreiben verarbeitet US-Botschafter Cretz seine Erfahrungen mit Gaddafi und dessen Entourage - und verrät dabei allerhand Skurriles.

Gaddafi fliegt nicht gerne über Wasser

So leidet Gaddafi offenbar unter einer besonderen Form von Flugangst, wie Cretz in der Depesche schreibt. Der libysche Diktator sitze nicht gerne länger als acht Stunden in einem Flugzeug und fürchte sich angeblich davor, über Wasser zu fliegen.

Und ohne die Begleitung seiner langjährigen Krankenschwester, einer «lüsternen Blondine» namens Galyna Kolotnytska verreise Gaddadi schon gar nicht.

Einige Quellen, auf die sich Cretz in seiner Mitteilung beruft, wollen sogar etwas von einer «romantischen Beziehung» zwischen der knapp 40-Jährigen Ukrainerin und dem libyschen Herrscher wissen.

Ärger wegen des Fotos für das Visum

Doch nicht nur die Flugreisen, sondern bereits die Reisevorbereitungen des alternden Diktators gestalten sich schwierig. Im Vorfeld seines Auftritt vor der Uno im September 2009 in New York liess Gaddafi durch einen seiner Adlaten abklären, ob es nötig sei, ein spezielles Passfoto einzureichen, um ein Visum für die Einreise in die USA zu erhalten.

Schliesslich, so liess der Gaddafi-Vertraute die US-Vertretung wissen, hänge an jeder Strassenecke ein Porträt des Führers. Man könne ja einfach eines dieser Bilder fotografieren und so präparieren, dass es die Visa-Bestimmungen erfülle.

Auf Drängen der US-Botschaft gab der Gaddafi-Getreue jedoch nach, und liess den Behörden - wenn auch nur widerwillig - ein speziell angefertigtes Gaddafi-Föteli zukommen.

Übrigens: Dass Gaddafi bei Staatsbesuchen jeweils in seinem Beduinen-Zelt zu übernachten pflegt, hat offenbar auch praktische Gründe. Der libysche Herrscher hält sich nicht gerne in den Obergeschossen von Gebäuden auf, wie der Cretz-Depesche zu entnehmen ist - und er ist angeblich auch nicht in der Lage, mehr als 35 Treppenstufen zu erklimmen. (bau)