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Meghan Markle im britischen Königshaus: Die Windsors im Wandel

Der Streit um die Fotos von Brautvater Thomas Markle Tage vor der Hochzeit spiegelt ein altes Dilemma wider: Wie viel Geheimnis und Distanz brauchen die Royals?
Sebastian Borger, London
Grossevent mit 3500 geladenen Gästen: Die Hochzeit von Lady Diana und Prinz Charles am 29. Juli 1981. (Bild: Keystone)
Das angehende Brautpaar Meghan Markle und Prinz Harry wird morgen mit deutlich weniger Spektakel heiraten. (Bild: Nathan Denette/AP (25. September 2017))
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Windsors im Wandel

Was Thomas Markle erlebt hat, kennen die britischen Royals zur Genüge. Kaum war im November die Verlobung zwischen Markles Tochter Meghan und Prinz Harry verkündet worden, belagerten Paparazzi die Heimstadt des zurückgezogen im mexikanischen Rosarito lebenden früheren Film-Beleuchters. Die Fotografen hätten ihn stets unvorteilhaft, ja sogar als Säufer dargestellt, beklagte sich der 73-Jährige gegenüber der Celebrity-Website TMZ.

Ende März erlag der Pensionär den Lockungen einer US-Agentur und kooperierte gegen Bezahlung bei einem Fotoshooting. Plötzlich tauchten immer neue Fotos in den englischen Gazetten auf: Markle beim Lesen eines Bildbandes über Grossbritannien, Markle bei der Internet-Recherche über das royale Paar, Markle zur Abmessung seiner nicht ­unbeträchtlichen Körpermasse auf dem Balkon des lokalen Schneiders. Den merkwürdig gestellt wirkenden Aufnahmen folgte die Schelte des Boulevards auf dem Fuss: Da habe der plötzlich berühmt gewordene Brautvater wohl abzocken wollen, womöglich eine sechsstellige Summe verdient.

Das Dilemma des Königshauses

Markle zog die Notbremse. Die Bilder seien «dämlich» gewesen; zudem habe ihm der Stress aufs Herz geschlagen, weshalb ihm nun ein Stent eingesetzt werden müsse, gab er der Website zu Protokoll und sagte seine Teilnahme am grossen Fest von Windsor diesen Samstag ab.

Das Debakel von Rosarito stellt den vorläufig letzten Akt dar in dem seit langem schwelenden Konflikt zwischen den Royals und der bekanntermassen robusten Londoner Boulevardpresse. Dahinter steckt ein Dilemma, das die PR-Berater des weltweit berühmtesten Königshauses ebenso umtreibt wie ­dessen professionelle Beobachter: Wie «normal» dürfen Elizabeth II. und ihr Umfeld sein, wie viel Volksnähe sollten sie demonstrieren? Und wann schlägt bürgerliche Entzauberung um in royale Ernüchterung? Die teils glamouröse, teils unendlich banale Realität des britischen Königshauses fasziniert Millionen von Menschen weltweit. «Wir haben es hier mit Zeichen und Symbolen, mit Fieber und Zauberei zu tun», hat der englische Romanautor Martin Amis geschrieben. «Die Monarchie erlaubt uns, kurzzeitig Abschied zu nehmen von der Vernunft.» Aus diesem Grund warnte «Economist»-Chefredakteur Walter ­Bagehot vor 150 Jahren eindringlich ­davor, «das Tageslicht in die Magie des Königtums eindringen zu lassen».

Freilich hat es auch immer wieder Modernisierungsschübe gegeben, die der Institution nicht geschadet haben. Längst vor Meghan Markle sind die Royals von der Maxime abgewichen, Vermählungen müssten «von Stande», also mit Adeligen, sein. Die letzte königliche Braut aus altem englischen Geblüt war 1981 Lady Diana Spencer – ihre Ehe mit Thronfolger Charles scheiterte trotzdem.

Geräuschlose Umstrukturierung

Der Unfalltod der geschiedenen Prinzessin und die vermeintlich kalte Reaktion der Queen führten im Herbst 1997 zu einer emotional explosiven Situation, in der kurzzeitig sogar der Fortbestand der Monarchie auf der Kippe zu stehen schien. Seither vollziehen die Angehörigen der Windsor-Dynastie immer wieder geräuschlose Umstrukturierungen, an öffentlichen Zeremonien ist der Wandel am ehesten abzulesen. So trug die mittlerweile 92-jährige Monarchin bei der letzten Thronrede keine Krone mehr, sondern einen Hut. Neben ihr sass nicht ihr inzwischen 96-jähriger Gatte Philip, sondern Prinz Charles, mit seinen 69 Jahren auch schon im Pensionsalter.

Anpassung an die inneren und äusseren Gegebenheiten: Nur so hat es die Monarchie geschafft, sich an der Spitze der Staatspyramide zu behaupten. Die Zeiten einer «Königin von Gottes Gnaden» sind vorbei, die Devotheit ist säkularer Skepsis gewichen. Elegant hat dies der Historiker David Starkey auf den Punkt gebracht: Bei Grossbritannien handele es sich um eine «königliche Republik».

Was das im 21. Jahrhundert bedeutet, weiss Elizabeth aus ihren 66 Thronjahren instinktiv ganz genau. Die Popularität ihrer Firma, ein Unternehmen mit globaler Reichweite und der dazugehörigen PR-Abteilung, muss immer wieder aufs Neue erarbeitet werden. Dazu gehören Traditionen, dazu gehört aber auch regelmässige Verjüngung.

In diesen Rahmen passen jene Details, die bisher über den Festtag von Meghan und Harry bekannt sind. Anders als bei Prinz William, der nach menschlichem Ermessen einst der Grossmutter und dem Vater auf den Königsthron folgen wird, spielte diesmal das Protokoll eine geringere Rolle. Beim Sechsten der Thronfolge müssen eben nicht Premierministerin und Oppositionsführer, die Abgesandten der Verbündeten oder wichtige Parlamentarier anwesend sein. Stattdessen haben der 33-Jährige und seine Braut, 36, neben den 600 Gästen, die in der Kirche zugegen sein werden, 1200 Leute aus der Bevölkerung eingeladen, darunter Terroropfer, Behinderte und viele Aktivisten in diversen Wohlfahrtsorganisationen.

Kontrollierter Einblick für Neugier der Untertanen

Auf subtile Weise deuten wichtige Akteure des Gottesdienstes auf Markles Herkunft aus der Ehe eines Weissen und einer Schwarzen hin. Der 19-jährige Cellist Sheku Kanneh-Mason war vor zwei Jahren der erste schwarze Nachwuchsmusiker, der einen wichtigen BBC-Preis gewann. Die Ansprache hält Michael Curry, der erste schwarze Primas der anglikanischen Kirche in den USA, während der (weisse) Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, die Trauung vollzieht. Neben viel Queen’s English wird im Gottesdienst also auch das breitere Amerikanisch zu hören sein.

Ob aber Thomas Markle dabei ist? Harrys zukünftiger Schwiegervater hat eine bittere Lektion hinter sich: Wer sich gegen die üblen Zudringlichkeiten des Londoner Boulevards zur Wehr setzt, notfalls auch gerichtlich, kann nicht gleichzeitig abkassieren. Den Grundsatz musste vor zehn Jahren schon Peter Phillips, der erstgeborene Enkel der Queen, lernen. Der 14. der Thronfolge hatte seine Hochzeit mit der Unternehmensberaterin Autumn Kelly für eine halbe Million an die Celebrity-Gazette «Hello» vertickt und damit den Zorn der Cousins William und Harry auf sich gezogen.

Deren tiefsitzende Abneigung gegen die Paparazzi rührt aus einem Kindheitstrauma. In Begleitung ihrer Kamera-­verliebten Mutter waren die Buben damals dauernd den Paparazzi ausgesetzt. Bis heute hängen sie dem Gefühl an, die Fotografen hätten mindestens Mitschuld an Dianas Unfalltod im Pariser Strassentunnel. Zur Kontrolle der schier unerschöpflichen Neugier von Untertanen und Weltpresse setzt die Firma auf immer neues, genau kontrolliertes Tageslicht. Nach einem Vierteljahrhundert, in der sie das Fernsehen mied, hat Elizabeth II. sich in diesem Jahr bereits zweimal für Interviews zur Verfügung gestellt.

Die junge Generation spricht derweil offen über ihr Seelenleben, präsentiert sich bewusst emotional, offen, verletzlich. So berichtete Prinz William, er habe während seiner eigenen Hochzeit vor sieben Jahren die Präsenz seiner toten Mutter gespürt und als wohltuend empfunden. Ob man Prinz Harry für die morgige Hochzeit ein ähnliches Erlebnis wünscht oder nicht – die Gratwanderung der Monarchie zwischen ungewohnter Offenheit und traditioneller Zurückhaltung geht weiter, nunmehr unter Einbeziehung von Meghan Markles Patchworkfamilie.

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