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Höhlendrama in Thailand: Am Ende rannten die Retter um ihr Leben

Über zwei Wochen lang hatte das Höhlen-Drama in Thailand die Welt in Atem gehalten. Nach der Rettung des Jungen-Fussballteams wird klar, wie riskant die Evakuierung der Jungen und ihres Coachs tatsächlich war.
Ulrike Putz, Singapur
Retter mit einem evakuierten Buben in der Tham-Luang-Höhle. Das undatierte Bild stammt von einem Video und wurde am vergangenen Mittwoch über die Facebook-Seite der thailändischen Navy Seals publiziert.Bild: Thai Navy Seal Facebook/AP (Mae Sai, 11. Juli 2018)

Retter mit einem evakuierten Buben in der Tham-Luang-Höhle. Das undatierte Bild stammt von einem Video und wurde am vergangenen Mittwoch über die Facebook-Seite der thailändischen Navy Seals publiziert.
Bild: Thai Navy Seal Facebook/AP (Mae Sai, 11. Juli 2018)

Es war wie eine Erinnerung daran, wie leicht alles hätte schief gehen können: Nur drei Stunden, nachdem die letzten vier Mitglieder der in einer thailändischen Höhle festsitzenden Jugendfussballmannschaft und ihr Trainer aus dem Inneren des Berges geborgen worden waren, gab am Dienstagabend die entscheidende Wasserpumpe ihren Geist auf. 100 Helfer waren zu diesem Zeitpunkt noch bis zu 1,5 Kilometer tief im Berg damit beschäftigt, Material zu bergen. Dann stieg auf einmal das Wasser, bis zu 50 Zentimeter in zehn Minuten, berichteten Augenzeugen dem britischen «Guardian»: Genau wie das gerade geborgene Fussballteam liefen nun dessen Retter akute Gefahr, von der Aussenwelt abgeschnitten zu werden. Die Männer rannten um ihr Leben und entkamen den Fluten nur knapp.

Über zwei Wochen lang hatte das Höhlen-Drama in Thailand die Welt in Atem gehalten. Als es am Dienstag glücklich zu Ende ging, feierten Menschen rund um den Globus. Seitdem sind haarsträubende Details der Bergung bekannt geworden – und allen voran die Retter fragen sich ungläubig, wie die Evakuierung der 11 bis 16 Jahre alten Jungen und ihres 25 Jahre alten Betreuers glücken konnte. «Der grösste Teil der Rettung war Glück», sagte General Chalongchai Chaiyakham, dessen Einheiten massgeblich an dem Einsatz beteiligt waren. «Ich kann immer noch nicht glauben, dass es geklappt hat.»

Tödliches Labyrinth unter Wasser

10000 Helfer, darunter 2000 Soldaten und 200 Taucher aus über einem Dutzend Länder machten den Einsatz in der nur zwei Kilometer von der Grenze zu Myanmar entfernten Tham-Luang-Höhle zum Erfolg. Es war eine Mission, die nur zu leicht in einer Katastrophe hätte enden können: Die Höhle, die bis zu 8 Kilometer tief in den Berg vorstösst, wird von Höhlentauchern gefürchtet und gemieden – zu Recht, wie die Berichte der Retter zeigen. Die Strömung sei teilweise so stark gewesen, dass es ihm die Maske vom Gesicht gerissen habe, sagte ein Taucher der BBC. Messerscharfe Stalaktiten hätten die Neoprenanzüge der Taucher aufgerissen, bei zehn von ihnen mussten Fleischwunden genäht werden.

Die Sicht in dem Unterwasser-Labyrinth sei so schlecht gewesen, dass sich drei Navy Seal für 23 Stunden verirrten hätten und erst gefunden wurden, als sie nur noch Sauerstoff für wenigen Minuten hatten, berichteten Retter. Je tiefer die Männer – Frauen waren nicht unter den Tauchern – in den Berg vorgedrungen seien, desto kälter sei es geworden: Inzwischen wird spekuliert, dass der ehemalige thailändische Navy Seal Saman Gunan, der am 6. Juli beim Rettungseinsatz ums Leben kam, an Unterkühlung starb. Bisher hatte es geheissen, dass Gunan erstickte sei.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, hatten die Mitglieder des «Wildschwein»-Fussball-Teams schon mehrfach in der Höhle herumgestöbert. Am 23. Juni wollten sie nur für eine Stunde in die Grotte, um den Geburtstag eines Mitglieds zu feiern. Als ihnen eine durch einen Wolkenbruch ausgelösten Sturzflut den Rückweg abschnitt, zogen sie sich die Dreizehn vor dem steigenden Wasser dreieinhalb Kilometer tief ins Innere des Berges zurück.

«Der grösste Teil war Glück.»

Die zwei britischen Taucher, die schliesslich zehn Tage nach ihrem Verschwinden auf die Jungen stiessen, hatten erwartet, nur noch Leichen zu finden, wie sie jetzt berichteten. Umso grösser war die Freude, als sie die ausgezehrten Jungen antrafen. Diese sassen im Stockfinsteren auf einer von Wasser umspülten Felsklippe. Dass sie alle am Leben waren und mental in guter Verfassung schienen, ist wohl vor allem das Verdienst ihres «Ake» genannten Trainers. Der ehemalige buddhistische Mönch meditierte mit den Jungen, während sie in der ewigen Dunkelheit warteten, ob jemand sie finden würde.

Doch der anfängliche Jubel verflog bald: Den Rettern war klar, dass die Rettung äusserst riskant werden würde. Die Vorbereitungen dazu waren ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Regenzeit konnte jeden Tag einsetzen, in der Höhle fiel der Sauerstoffgehalt auf 15 Prozent, ab 12 Prozent drohen Hirnschäden. Also arbeiteten über 20 Pumpen gegen die einströmenden Wassermassen an, während Dutzende Helfer die Strecke mit Sauerstoffreserven und Sicherheitsvorrichtungen präparierten.

Als Letzter folgte der Coach

Als sich abzeichnete, dass Wolkenbrüche neues Wasser in die Höhle spülen wurde, gab der Einsatzleiter das Signal: Die Jungen würden in einer von ihrem Trainer festgelegten Reihenfolge evakuiert werden. Dazu schluckten sie ein Betäubungsmittel, trugen eine Vollmaske mit Sauerstoff und wurden in einer Plastikwanne liegend von einem Taucherteam zum nächsten weitergereicht. Die Kinder waren dabei mehrfach und bis zu 40 Minuten unter Wasser. Als letzter wurde Coach Ake aus der Höhle gebracht: Als diese Nachricht die verschiedenen Camps der Retter, Familienangehörigen und Journalisten erreichte, schallte lautes Freudengeheul durch den Dschungel Nordthailands.

Die geretteten Buben dürfen das Spital wohl am Donnerstag verlassen. Bild: EPA/Werbeabteilung der thailändischen Regierung (Chiang Rai, 11. Juli 2018)

Die geretteten Buben dürfen das Spital wohl am Donnerstag verlassen.
Bild: EPA/Werbeabteilung der thailändischen Regierung (Chiang Rai, 11. Juli 2018)

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