Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Fall Skripal: «Wir sind Touristen, keine Agenten»

Die beiden beschuldigten Russen treten im russischen Fernsehen auf. Ihre Unschuldsbeteuerungen wirken wenig überzeugend.
Inna Hartwich, Moskau
Die beiden Beschuldigten Alexander Petrov und Ruslan Boshirov an einem Bahnhof in Salisbury in England. (Bild: Metropolitan Police via Getty Images (3. März 2018))

Die beiden Beschuldigten Alexander Petrov und Ruslan Boshirov an einem Bahnhof in Salisbury in England. (Bild: Metropolitan Police via Getty Images (3. März 2018))

«Ja, wir sind die, die sie – die Briten – gezeigt haben. Wir heissen auch so, wie sie gesagt haben.» Alexander Petrow und Ruslan Boschirow sollen die Namen der beiden Männer sein, die am gestrigen sonnigen Mittag Fragen im russischen Auslandssender RT beantworten. Als «Exklusivinterview» verkauft die RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan den Auftritt der Männer, welche die britische Regierung beschuldigt, den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sowie seine Tochter Julia vor einem halben Jahr in der englischen Stadt Salisbury mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben.

In der vergangenen Woche hatte die britische Polizei einen Fahndungsaufruf der beiden Verdächtigen veröffentlicht. Am Mittwoch hatte Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, man habe die Männer gefunden, sie seien Zivilisten. Er forderte diese dazu auf, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Prompt geschieht genau das.

Die zwei Russen wollen in Ruhe gelassen werden

Angespannt sitzen Petrow und Boschirow im Büro der RT-Chefin Simonjan, drehen sich nervös auf ihren Stühlen hin und her. Sie sprechen leise, nehmen zuweilen die Hände zur Hilfe. «Es ist heiss hier, ich schalte mal die Klimaanlage an», sagt Simonjan. Warum sie sie denn angerufen hätten, was sie denn von ihr erwarteten, fragt die Journalistin, die den Westen offen verachtet. «Man hat mit den Beschuldigungen unser Leben zerstört. Wir wollen Schutz. Wir wollen, dass man uns in Ruhe lässt», sagen die beiden in blauen Pullovern.

Zur Aufklärung des Anschlags, der zu einer schweren Krise zwischen Russland und dem Westen führte und für eine gross angelegte Ausweisung von Diplomaten auf beiden Seiten sorgte, tragen die angeblichen Petrow und Boschirow wenig bei. Als Touristen seien sie nach London gekommen, seien weiter ins «wunderschöne» Salisbury gereist, erzählen sie. «Jeder in der Welt weiss, dass die Kathedrale dort berühmt ist, 123 Meter ist der Kirchturm hoch», sagt Petrow. Allerdings habe sie – die schneeerfahrenen Russen, so möchte man meinen – doch tatsächlich der Schnee überrascht. «Bis zu den Knien waren wir nass.» Nach nur einer Stunde seien sie abgereist. Wo das Haus der Skripals sei, wüssten sie nicht. Sie arbeiteten auch nicht für Russlands Militär-Nachrichtendienst GRU. Sie seien in der Fitnessindustrie tätig. Mehr geben die beiden in den 25 Minuten ihrer Unschuldsbeteuerung nicht von sich preis.

Grossbritannien führt «billiges Theaterstück» auf

Das Fernsehinterview wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Doch es passt in das russische Narrativ des Skripal-Falls – und nicht nur in dieses. Es stiftet Verwirrung, zeigt, dass die Wahrheit so ausgelegt werden kann, wie sie gerade gut zu gebrauchen wäre, ja, dass es scheinbar keine Wahrheit gibt. «Petrow» und «Boschirow» sind Moskau Beweis genug, dass Grossbritannien im Fall Skripal ein «billiges Theaterstück» aufführe.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.