Wirbel um Papst-Buch: Benedikt XVI. fühlt sich hintergangen

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. distanziert sich von einem Buch, in welchem er zusammen mit einem konservativen Kurienkardinal für die Beibehaltung des Zölibats plädiert. Er habe nicht gewusst, dass er als Mitautor genannt werde.

Dominik Straub aus Rom
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Das sonst so besinnliche Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan, wo Benedikt XVI. seit seinem Amtsverzicht am 28. Februar 2013 lebt, ist in Aufruhr: Am Wochenende hatte die französische Zeitschrift «Le Figaro» Auszüge aus einem Buch veröffentlicht, in welchem Joseph Ratzinger und Kurienkardinal Robert Sarah Papst Franziskus auffordern, von jeder Lockerung des Zölibats Abstand zu nehmen.

Auf dem Buchtitel werden beide als Autoren aufgeführt, Benedikt XVI. notabene unter seinem Papstnamen. Der Positionsbezug des Amtsvorgängers ist innerhalb und ausserhalb des Vatikans im besseren Fall als ungebührliche Einmischung und im schlechteren Fall als Frontalangriff gegen Franziskus interpretiert worden.

Getrübte Stimmung zwischen Ex-Papst Benedikt XVI. (links) und dem aktuellen Papst Franziskus.

Getrübte Stimmung zwischen Ex-Papst Benedikt XVI. (links) und dem aktuellen Papst Franziskus.

Gregorio Borgia/AP (Vatikan, 28. September 2014)

Bloss: In der vorliegenden Form hat der Ex-Papst dem Buch nie zugestimmt. Erzbischof Georg Gänswein, Privatsekretär von Benedikt XVI., erklärte am Dienstag, er habe Sarah auf Bitten des emeritierten Papstes angerufen, dieser möge beim Verlag die Entfernung von Namen und Bild Benedikts XVI. vom Bucheinband veranlassen. Ausserdem solle die Unterschrift Benedikts XVI. unter Einführung und Schlussfolgerungen in dem Buch «Des profondeurs de nos coeurs» (Aus den Tiefen unserer Herzen) gestrichen werden, weil er diese nicht mitverfasst habe. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass sich der 92-jährige Ratzinger hintergangen und benutzt fühle.

Wurde Benedikt XVI. bewusst hinters Licht geführt?

Gänswein sprach am Dienstag von einem «Missverständnis» zwischen Benedikt XVI. und Sarah. Der emeritierte Papst habe im Sommer 2019 einen Text über das Priestertum geschrieben; diesen habe er Sarah auf dessen Bitten zur freien Verfügung gegeben. Der Ex-Papst habe auch gewusst, dass sein Text in einem Buch erscheinen solle. Benedikt XVI. sei aber nicht über die tatsächliche Form und Aufmachung des geplanten Buches informiert gewesen, und schon gar nicht habe er den Kardinal autorisiert, ihn als Ko-Autor aufzuführen. Laut Sarah wird das Buch nun lediglich unter seinem eigenen Namen erscheinen – mit dem Text von Benedikt XVI. als Gastbeitrag.

Italienische Medien hatten am Dienstag geschrieben, der konservative Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea, Präfekt der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, habe den emeritierten Papst bewusst hinters Licht geführt mit dem Ziel, Papst Franziskus von einer Lockerung des Zölibats abzuhalten. Tatsächlich ist Sarah ein Wortführer der Ultrakonservativen im Kirchenstaat. In dem von ihm verfassten Teil des Buches nennt er die Weihe verheirateter Männer unter anderem «eine pastorale Katastrophe». Sarah bezeichnete am Dienstag die Berichte, wonach er Ratzinger eine Falle gestellt habe, als «schwere Verleumdung».

Diskussion über zwei lebende Päpste

Fest steht: Der jüngste Konflikt hat innerhalb des Vatikans die Diskussion neu entfacht, wie die aussergewöhnliche Situation mit zwei Päpsten besser definiert und gehandhabt werden soll. Formell gesehen ist Joseph Ratzinger ein zurückgetretener Bischof von Rom. Auf seinen Papstnamen und päpstliche Kleidung hat er aber nie verzichtet. Kircheninterne Gegner von Franziskus hatten schon mehrfach versucht, den konservativen Ex-Papst vor ihren Karren zu spannen. Den Sirenengesängen der Fundamentalisten war Benedikt XVI. in den sieben Jahren seit seinem Rücktritt aber nie erlegen. Der emeritierte Papst hat zwar Bücher verfasst, deren Inhalt der aktuelle Papst wohl nicht vollumfänglich teilen würde. Aber auf konkrete Fragen hat sich Ratzinger immer loyal verhalten.

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