USA
Wirkt Trumps Tochter Ivanka künftig als Diplomatin?

Ivanka Trump könnte in der neuen Regierung eine wichtige Rolle spielen. Winkt ihr gar ein Diplomatenposten? Fest steht: Ivanka soll unter Präsident Trump eine aktive Rolle spielen.

Samuel Schumacher
Merken
Drucken
Teilen
Ivanka Trump
7 Bilder
Donald Trump und Tochter Ivanka an einer Wahlveranstaltung.
Ivanka im Kreise der Familie Tochter Tiffany (aus der Ehe mit Marla Maples), Sohn Donald Trump Jr., Ehefrau Melania Trump, Donals Trump, Tochter Ivanka Trump und Sohn Eric Trump. Vorne: Die Kinder von Donald Trump Jr, Kai und Donald Trump III. Donald Trump ist achtfacher Grossvater.
Tiffany and Ivanka Trump sprechen mit Frauen über Business
Ivanka Trump mit ihrem Vater 2013
2008 bei der Eröffnung des 92-stöckigen Trump Towers

Ivanka Trump

Charles Krupa/AP

Ivanka Trump sass im schwarzen Jupe neben ihrem Vater Donald und errötete. «Sie hat einen sehr guten Körper. Wenn sie nicht meine Tochter wäre, würde ich sie daten», sagte dieser und lächelte in die Talkshow-Runde. Ein Vater, der sich an seiner Tochter ergötzt? Der Aufschrei vor zehn Jahren war gross.

Doch offenbar hat Ivanka ihrem Vater den Ausrutscher verziehen. Die heute 35-jährige Unternehmerin und dreifache Mutter ist zwar immer noch Donalds ganzer Stolz. Doch 2016 sind es nicht mehr ihre Kurven, die ihn verzücken, sondern ihre Führungsqualitäten.

Trump liess kürzlich verlauten, seine Berater hätten ihm gesagt: «Du musst Ivanka unbedingt reinnehmen!» Ivanka soll also unter Präsident Trump eine aktive Rolle spielen – genau wie sie das schon während Trumps Wahlkampf getan hat. Ivanka war es, die ihn bei der Ankündigung seiner Präsidentschaftskandidatur vorstellte. Und Ivanka war es, die am Parteitag der Republikaner im Juli die grosse Rede zur Hauptsendezeit hielt (und am nächsten Morgen tweetete, wo man das Kleid, das sie trug, kaufen könne).

Folgende vier Wege könnte Ivankas Karriere nehmen: Business-Frau

Nach ihrem Wirtschaftsstudium machte sich Ivanka Trump einen Namen als Designerin und stieg in die «Trump Organization» ihres Vaters ein. Dort ist sie als Vize-Präsidentin inzwischen federführend und kontrolliert von ihrem Büro in Manhattan aus die Trump Hotels und Immobilienprojekte. Donald Trump hat deutlich gesagt, dass er im Falle seiner Wahl die Trump Organization an seine Kinder übergeben wird. Gut möglich, dass Ivanka bald zur Chefin des Unternehmens aufsteigt. Unter diesen Umständen dürfte Ivanka auf eine Beamten-Karriere verzichten.

Trumps Kabinett: Hardliner haben gute Chancen auf Ministerposten

Während Präsident Obama seinen Auszug aus dem Weissen Haus vorbereitet, macht sich Donald Trump mit seinem Übergangsteam daran, die Minister- und rund 4000 andere Posten zu besetzen. Trumps Vize Mike Pence führt das zuständige Übergangsteam, in dem mit Ivanka, Donald Junior und Eric Trump drei Kinder des zukünftigen Präsidenten sitzen, an. Definitive Entscheide hat Trump noch keine kommuniziert. Folgende Personen dürften aber eine wichtige Rolle in Trumps Regierung einnehmen:

- Reince Priebus: Der Parteichef der Republikaner ist in der Poleposition als Stabschef. Er wäre der ranghöchste Mitarbeiter Trumps.

- Rudy Giuliani: Der Ex-Bürgermeister von New York wird wahrscheinlich Justizminister oder Minister für innere Sicherheit.

- Ben Carson: Der Neurochirurg könnte Trumps Gesundheitsminister werden. Auch für das Bildungsministerium, das Trump allerdings teilweise abschaffen will, ist er im Gespräch.

- John Bolton: Der frühere UNO-Delegierte weibelte für den Irakkrieg. Er ist als Aussenminister im Gespräch. Ex-Präsidentschaftskandidat Newt Gingrich steht ebenfalls bereit.

- Michael Flynn: Der General und einstige Militärgeheimdienstchef wird wohl Verteidigungsminister.

- Harold Hamm: Der Klimawandel-Leugner und Öl-Händler hat Chancen aufs Energieministerium. (SAS)

Beraterin

Dass Ivanka das Trump-Business verlassen und aufs politische Parkett wechseln wird, ist aber durchaus denkbar. 2015 sagte sie in einem Fernsehinterview zwar: «Ich will mich nicht übernehmen. Ich habe viel zu tun mit meiner Familie und meinen Firmen.» Sie ergänzte allerdings: «Ich schaue mir das aber Tag für Tag neu an. Fragt mich wieder, wenn mein Vater gewählt wird.» Der Vater ist gewählt – und Ivanka ist Teil des Übergangsteams (siehe Box). Als sehr wahrscheinlich gilt, dass sie mindestens in beratender Funktion für ihren Vater tätig sein wird. Anders als Minister müssen von Trump eingesetzte Berater nicht vom Parlament abgesegnet werden. Trump könnte Ivanka also ohne Umstände einen Posten als Beraterin zuschanzen. Thematisch dürfte sich Trump vor allem in Fragen zur Gleichberechtigung oder zur Familienpolitik an Ivanka wenden. In diesen Bereichen sei sie seine wichtigste Ratgeberin, erzählte Trump schon im August. Dass sie etwas von diesen Themen versteht, zeigt ein Klick auf Ivankas Homepage, wo sie Tipps zu Themen wie Work-Life-Balance, Effizienz am Arbeitsplatz oder Lohnverhandlungs-Strategien postet – etwas störenderweise fast immer mit Verweis auf Produkte ihrer Firma.

Ministerin

Möglich scheint auch, dass Trump Ivanka zu höheren Aufgaben beruft. In einem Interview sagte er, er könne sich seine Tochter als Ministerin vorstellen. Die Anti-Nepotismus-Gesetze dürften das aber verhindern. Unklar scheint indes, ob Ivanka überhaupt Trumps Hardliner-Kurs unterstützt (dieser hat gestern angekündigt, drei Millionen Immigranten sofort ausweisen oder einsperren zu wollen). Bei ihrer Ansprache am Parteitag sagte sie nämlich: «Wie viele Millennials sehe ich mich nicht kategorisch als Republikanerin oder als Demokratin.» Und auch ihr Spendenverhalten weist auf eine gespaltene politische Seele hin. 2007 spendete sie im Wahlkampf für Hillary Clinton. 2012 unterstützte sie dann den Republikaner Mitt Romney. Und 2013 sammelte sie Geld für den demokratischen Politiker Cory Booker. Zudem ist Ivanka eng mit Hillary Clintons Tochter Chelsea – einer Demokratin – befreundet.

Diplomatin

Denkbar wäre auch, dass Donald Trump seine Tochter als US-Diplomatin nach Israel entsendet. Ivanka wäre in vielerlei Hinsicht geeignet für den Job. Ihr Mann, der Immobilienunternehmer Jared Kushner, ist Jude. Sie selbst ist kurz vor der Hochzeit 2009 zum Judentum konvertiert und Anhängerin einer Strömung, die sich «Modern Orthodox Judaism» nennt. Ivanka nahm den jüdischen Namen Yael an und schickt ihre Tochter in einen jüdischen Kindergarten. Sie hält sich an eine Koscher-Diät und verzichtet aus Respekt vor dem Sabbat von Freitagabend bis Samstagnacht aufs Telefonieren. Im Oktober sagte sie bei einer Ansprache in einer Synagoge in Florida, ihr Vater werde die amerikanische Botschaft in Israel «zu hundert Prozent» von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen und Jerusalem damit endgültig als israelische Hauptstadt legitimieren. Experten befürchten, dass das zu gewaltsamen Aufständen führen könnte. Es wären schwierige Zeiten für Diplomatin Trump.

Vorerst aber ist das alles noch weit weg. Ivanka meldete sich gestern auf Twitter zu Wort: mit einem Snapchat-Bild, das sie mit einem digitalen Blumenkranz auf dem Kopf zeigt. Selfies oder seriöses Business? Ihr Entscheid scheint noch nicht gefallen zu sein.