Dominique Strauss-Kahn
Wirtschaftsprofessor Franz Jaeger: «Wie konnte Strauss-Kahn nur so blöd sein?»

Die härtesten Aussagen zum Fall Dominique Strauss-Kahn kommen von einem Ökonomen: Franz Jaeger tut der Ex-IWF-Präsident, wenn die Vorwürfe zutreffen, «überhaupt nicht leid», wie er der Zeitung «Der Sonntag» sagt.

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Hier in Begleitung von Reportern: Dominique Strauss-Kahn (Archivbild)
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Skandal um IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn
 Strauss-Kahn soll vor eineinhalb Wochen ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel überfallen und zum Oralsex gezwungen haben.
 Wo die neue Wohnung ist, ist offiziell unbekannt. Der Franzose darf sie aber vor seinem Prozess nur für Arzt, Synagoge oder Anwalts- und Gerichtstermine verlassen.
 In eine ursprünglich ausgesuchte Wohnung hatte "DSK" gar nicht erst einziehen können, weil sich die Nachbarn querlegten.
 Die Tage des inhaftierten Dominique Strauss-Kahn als IWF-Chef scheinen gezählt.
 Einen Nachfolgekandidaten haben die USA bislang nicht ins Spiel gebracht.
 Strauss-Kahn sei «offensichtlich nicht in der Lage», den IWF zu lenken, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner in New York.
 Strauss-Kahn ist wegen sechs Straftaten angeklagt, für die er mehr als 70 Jahre Haft bekommen kann.

Hier in Begleitung von Reportern: Dominique Strauss-Kahn (Archivbild)

Keystone

Der emeritierte Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität St. Gallen stellt eine zentrale Frage: «Wie kann ein so mächtiger Mann so blöd sein?»

Dass Strauss-Kahn der Weltpresse in Handschellen vorgeführt wurde, sei voraussehbar gewesen: «Wer in den USA straffällig wird, dem ergeht es so, und das musste auch Strauss-Kahn wissen.» Der «Sex-Banker», wie er von der Boulevardpresse genannt wird, stolperte über seine Libido. «Wieso löste er es nicht wie ein George Clooney – nämlich mit Charme?», fragt sich Jaeger: «Oder wie Silvio Berlusconi – mit Geld?» Strauss-Kahn aber habe seine Bedürfnisse «offensichtlich mit Gewalt» befriedigt, so Jaeger.

«Man spürt bei ihm den Bonvivant»

Der Wirtschaftsexperte hat Strauss-Kahn an Kongressen erlebt. «Er hat eine ausgeprägte analytische Gabe. Er kommt schnell und deutlich auf den Punkt.» Dabei habe sich Strauss-Kahn nicht als Anhänger vom Markt, sondern eher von Regulierung und Staat gezeigt. Bei seinen Auftritten habe der Franzose einen jovialen Eindruck gemacht, sagt Jaeger: «Man spürt bei ihm den Bonvivant.» Es gibt für ihn nur eine Erklärung, warum Strauss-Kahn glaubte, sich alles erlauben zu können, ohne dass ihm etwas passieren würde: «Wer zuoberst steht, läuft offenbar Gefahr, sämtliche Dimensionen zu verlieren.» Das ist eine überhebliche Haltung. Wie ein Traumtänzer, der glaubt, sich dank seiner Machtstellung alles leisten zu dürfen.»

Jetzt ist Strauss-Kahn ins Bodenlose abgestürzt – Jaeger trauert ihm als Ökonom keine Sekunde nach: «Der IWF hat in letzter Zeit eine gefährliche Richtung eingeschlagen. Man wollte die Marktkräfte weder respektieren noch nutzen.»