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Wissenschafter sollen Singapur kühlen

Die Temperaturen im tropischen Stadtstaat steigen ständig und machen den Finanzplatz unattraktiv. Experten der ETH entwickeln jetzt innovative Methoden, um Singapur herunterzukühlen.
Ulrike Putz, Singapur
Konkrete Massnahme für das Klima: In Singapur dürfen maximal 600 000 Autos verkehren. (Bild: Guowen Wang/Getty)

Konkrete Massnahme für das Klima: In Singapur dürfen maximal 600 000 Autos verkehren. (Bild: Guowen Wang/Getty)

Es ist ein Januarmorgen in Singapur, 8 Uhr. Das Thermometer zeigt bereits 27 Grad Celsius, gegen Mittag werden – wie jeden Tag – etwa 32 erwartet: In Singapur, das nur wenige Kilometer nördlich des Äquators gelegen ist, gibt es keine Jahreszeiten. Doch obwohl das Wetter in Singapur meist vorhersehbar ist, hat der Meteorologische Dienst des Inselstaates in diesen Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Dessen Langzeitbeobachtungen haben gezeigt, dass die Temperaturen hier über die vergangenen Jahre deutlich gestiegen sind. So war 2018 mit 27,9 Grad Durchschnittstemperatur das heisseste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Insel heizt sich pro Dekade um 0,25 Grad Celsius auf, das ist doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt.

Grund dafür ist die dichte Bebauung der nur 50 mal 30 Kilometer grossen Insel mit 5,5 Millionen Einwohnern. Auch die vielen Raffinerien produzieren viel Wärme: Das für Tanklastschiffe äusserst verkehrsgünstig gelegene Singapur gehört zu den grössten Erdölverarbeitern weltweit.

Städte in den Tropen herunterkühlen

Gerhard Schmitt hat der Hitze in der Löwenstadt den Kampf angesagt: Seit 2010 leitet der Professor für Informationsarchitektur das ETH-Singapore-Center, in dem internationale Wissenschafter unter Schweizer Führung wegweisende Forschung an Zukunftsthemen betreiben. Seit dem Jahr 2017 beschäftigt sich die «Cooling Singapore» genannte Forschungsgruppe damit, wie man Städte in den Tropen herunterkühlen kann.

Das Thema sei äusserst relevant, sagt Gerhard Schmitt. «Schon bald werden 90 Prozent der Menschheit in den Tropen oder Subtropen leben, die meisten davon in Megacities.» Der Energieverbrauch in diesen Städten müsse gedrosselt werden, nicht nur, um das Weltklima zu schonen, sondern auch, um das Leben in dicht bebauten Städten erträglich zu machen. Singapur testet an sich selbst Methoden, wie man der weltweiten Stadterwärmung am besten zu Leibe rücken kann. Die ETH-Forscher in Singapur haben dafür zuerst die grössten Hitzequellen verortet.

Dunkler Asphalt saugt die Sonnenstrahlung auf

Wer in der Nähe von Industrie anlagen oder an grossen Parkplätzen wohnt, schwitzt mehr. Die Temperaturen liegen hier teils bis zu 7 Grad höher als anderswo. «Strassen sind wie Fussbodenheizungen für Städte. Der dunkle Asphalt saugt die Sonnenstrahlung auf», sagt Schmitt.

Abhilfe sollen zum Beispiel Windkorridore schaffen, mit denen Städteplaner dafür sorgen, dass die Seebrise auch ins Inselinnere vordringt. Einfache Mittel könnten grosse Wirkung entfalten, sagt Schmitt. «Wenn alle Dächer mit reflektierender Farbe gestrichen würden, könnten wir die Temperatur unserer Berechnung nach um 1,3 Grad drücken.»

Singapur wird mit harter Hand seit der Staatsgründung von derselben Partei gelenkt. Weil die Elite durchaus umweltbewusst ist, konnte Singapur durchsetzen, was anderswo am Protest der Bürger scheitern würde: So ist die Zahl der zugelassenen Autos bei 600 000 gedeckelt. Für das Klima sei eine solche Massnahme ein Segen, sagt Gerhard Schmitt. «Und wenn wie angekündigt bald alle Autos, Busse und Lastwagen mit Strom fahren, werden wir die Temperatur um 1,5 bis 2 Grad senken können.»

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