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WLADIMIR PUTIN: Russlands starker Mann

Schon vor seinem Wahlsieg wird Russlands Präsident Putin von seinem Gefolge gefeiert. Als der Mann, der Russland als Supermacht neu erschaffen hat.
Stefan Scholl, Moskau
Russlands Präsident Wladimir Putin (65) bei einem Auftritt an einem Jugendforum in Moskau. (Bild: Alexei Druzhinin/AP (Moskau, 15. März 2018))

Russlands Präsident Wladimir Putin (65) bei einem Auftritt an einem Jugendforum in Moskau. (Bild: Alexei Druzhinin/AP (Moskau, 15. März 2018))

Stefan Scholl, Moskau

Putins Gefolge feiert schon. «Russland ist offiziell Supermacht geworden», erklärte der Duma-Abgeordnete Andrei Kosenko bei einem Wahlkampfauftritt auf der Krim. «Das Land Nummer eins, offiziell, kompromisslos und unabänderlich.»

Kosenko verwies auf die ­Videoshow, mit der Putin am 1. März bei seiner Rede zur Lage der Nation neue Atomwaffen demonstriert hatte, die er «einzigartig» und «fantastisch» nannte. Putins glatter Sieg bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag gilt als sicher, fast als nebensächlich angesichts des neuen russischen Selbstverständnisses: Wir sind wieder Weltmacht!

Zahl der Spitäler halbiert

Schon im Januar hatte die Trump-Administration in ihrer neuen Militärdoktrin Russland und ­China als Hauptbedrohungen bezeichnet. Amerika billigt den Russen wieder den Status eines direkten Konkurrenten zu. Grosse Teile der westlichen Öffentlichkeit reiben sich die Augen: Das marode Russland ist wieder Supermacht? Wie hat Putin das geschafft? Wohin will er sein Land noch führen?

Eigentlich ist Russland immer Supermacht geblieben. Das grösste Land der Welt, das praktisch von jedem Konflikt in der nördlichen Hemisphäre betroffen ist, die grössten Rohstoffreserven hat und als Erbe der Sowjetunion eine Atommacht ist, mit dessen Arsenal von 6000 Nuklearsprengköpfen nur die USA (6000 Gefechtsköpfe) mithalten können. Aber schon in den letzten ­Sowjet-Jahren hing die Weltmacht sichtlich durch. Der Absturz des Staatsrubels auf dem Schwarzmarkt mündete 1991 in wirtschaftliches Chaos, das bank­rotte Imperium überliess ganz Osteuropa dem Westen, Staatschef Boris Jelzin torkelte durch die Öffentlichkeit, dazu fiel der Ölpreis auf 10.45 Dollar pro Barrel Ende 1998.

Ein Jahr später dankte Boris Jelzin ab, zu Gunsten Putins. Da kostete das Öl schon wieder 25.48 Dollar. Putin, keine 48 Jahre alt, wurde ein Präsident im Glück. Der Ölpreis stieg und stieg, bis 2013 auf 111 Dollar, das Brutto­inlandprodukt vervielfachte sich auf 2297,1 Milliarden Dollar. Russland erlebte sein Rohstoffexportwirtschaftswunder.

Putins Staat steckte den neuen Reichtum nur begrenzt ins Sozialwesen, die Zahl der Spitäler hat sich unter ihm von 10 700 auf 5400 halbiert. Dafür veranstal­tete Russland 2014 in Sotschi die teuersten Winterspiele in der olympischen Geschichte – für ­offiziell 44 Milliarden Dollar. Und baut gerade mit der 462-Meter-Gasprom-Zentrale in Sankt Petersburg den höchsten Büroturm. Solcherlei Protz verweist auf neureichen Geltungsdrang. «Es ist geradezu rührend, wie diese ­Leute, die in den kriminellen 90er-Jahren zu Geld und Macht gekommen sind, um Anerkennung ringen», sagt die inves­tigative Journalistin Anastasia ­Kirilenko, die sich mit den Verbindungen Putins und seiner Freunde zur russischen Unterwelt beschäftigt. «Sie wollen, dass die Welt sie liebt.»

Militärhaushalt vervielfacht

Wie die meisten Russen denkt Putin viel mehr über den Westen nach als umgekehrt, er hat seine Töchter in Moskau auf die Schule der Deutschen Botschaft geschickt, 2001 bot er dem Deutschen Bundestag in einer Rede auf Deutsch eine eurasische Sicherheits- und Wirtschaftsgemeinschaft an. Der Westen aber hat sein Werben nicht ernst genommen, hat nach Putins Ansicht den ­Arabischen Frühling und den Maidan angezettelt, den Diktatorenkollegen Gaddafi totschlagen lassen. Seitdem beschwert sich Putin, der Westen wolle auch dem russischen Bären das Fell über die Ohren ziehen. Er meint vor allem sich. Putin wappnet sich, wehrt sich, kontert.

Unter ihm explodierte auch der Militärhaushalt, von 3,8 Milliarden ­Dollar 1999 auf 90,4 Milliarden Dollar 2013. Im nächsten Jahr ­besetzten Putins «kleine grüne Männchen» die Krim, modern ausgerüstete Elitesoldaten, die er freilich zuerst als Heimwehr der Krimrussen verkaufte. Es folgte der als Volksaufstand getarnte Vorstoss ins Donbass und 2015 die Militärintervention in Syrien, wo die russische Luftwaffe Staatschef Baschar al-Assad aus der militärischen Klemme bombte. Fast scheint es, als versuche Putin jetzt als Kriegsherr die Anerkennung des Westens zu erzwingen.

Dabei setzen die Russen in Syrien alte Kampfbomber wie die Su-25CM ein, Modelle, die schon vor 40 Jahren im Afghanistankrieg flogen. «Niemand hat damit gerechnet, dass wir so entschlossen, so schnell und so dreist agieren», freute Putin sich im Nachhinein über den Handstreich auf der Krim. Dabei haben die vergangenen drei Krisenjahre Russlands offiziellen Wehr-Etat auf 46 Milliarden Dollar gedrückt, ein Bruchteil der über 700 Milliarden Dollar des US-­Militärhaushalts. Mit einem BIP, niedriger als das Südkoreas, bleibt Russland eine Supermacht auf sehr wackligen wirtschaft­lichen Beinen.

Putin sagt über sich, von ihm heisse es, er «spiele mit schlechten Karten stark», im Gegensatz zu seinen westlichen Gegenübern. Das bedeutet, der rus­sische Präsident blufft eifrig, ausserdem hält er sich für ab­gezockter als Merkel oder May. Aber inzwischen hat er es auch mit dem egozentrischen Bauchmenschen Donald Trump zu tun. Der macht auch gern den Cowboy, hat keine Skrupel, selbst scharf zu schiessen. In Syrien mussten russische Söldner bei einem Vorstoss über den Euphrat eine blutige Niederlage gegen US-Truppen einstecken, die die Moskauer Staatsmedien lieber totschweigen.

Putin ist noch topfit

Zu Hause aber ist Putin unangefochten. «Ohne Putin kein Russland», die Parole hat Parlamentssprecher Wjatscheslaw Wolodin schon vor Jahren ausgegeben. ­Putin, 65, ist topfit, sein Job macht ihm sichtlich Spass, vor ihm könnten noch einige Päpste in Rente gehen. Im Wahlkampf versprach er den Russen ein ganzes Jahrhundert Siege.

«Rückständigkeit ist unser grösster Feind», in seiner Rede zur Lage der Nation rief Putin zum wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Durchbruch auf, das Vorhaben kündigt er seit 18 Jahren an. Zugleich aber feiert er den überlegenen Heroismus seiner Krieger, ihre waffen­technologische Überlegenheit. Bluff oder nicht, bei Siegen scheint ­Putin vor allem an Schlachtfelder zu denken.

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