Brexit

Wo einsteigen, wenn London aussteigt? – Die Strategien der Anleger nach dem Brexit

Die Strategien der Anleger nach dem Brexit: Finanzwerte und Rohstoffe meiden, sichere Anleihen in Dollar, Gold oder Aktien robuster globaler Player kaufen.

Tommaso Manzin
Drucken
Teilen
Der Brexit sorgte für Aufruhr an den internationalen Märkten

Der Brexit sorgte für Aufruhr an den internationalen Märkten

Keystone

Die Angst, dass sich nach Grossbritannien weitere Länder den Exit aus der EU überlegen, dürfte die Märkte länger belasten.

Gerade die grossen Nettozahler und Exportnationen Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande – zusammen mit Luxemburg übrigens die Gründerstaaten der Europäischen Gemeinschaft 1957.

An den Devisenmärkten dürften das britische Pfund und der Euro zur Schwäche neigen, Anleger in Franken und Dollar umschichten – das Horrorszenario der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und auch der Schweizer Exportwirtschaft.

Ein stärkerer Dollar könnte Leitzinserhöhungen durch die US-Notenbank (Fed) womöglich weiter aufschieben und in Grossbritannien, der Eurozone und der Schweiz könnten gar wieder Leitzinssenkungen im Fokus stehen, schreibt Credit Suisse (CS) in einem Marktkommentar.

Mit anderen Worten: Der Brexit wird dafür sorgen, dass die Zinsen weltweit weiterhin tief bleiben oder gar noch sinken.

An den Aktienmärkten rechnet CS mit einem Ausverkauf europäischer Aktien, besonders der Peripherieländer. Finanzwesen und Rohstoffe dürften die grössten Verlierer sein. CS empfiehlt, britische Finanzwerte (Royal Bank of Scotland, Barclays und kurzfristig auch Lloyds), binnenorientierte britische Unternehmen (Marks and Spencer, British Land, IAG) sowie zyklische europäische Unternehmen (RWE, Iberdrola, TUI) zu meiden.

In der Schweiz könnten Exportunternehmen wegen drohender Frankenaufwertung leiden (AFG, Logitech, Richemont, SFS, Straumann, Tecan, Ypsomed).

Nach dem anfänglichen Schock könnten sich bei binnenorientierten US-Unternehmen, europäischen Exporteuren, die vom schwächeren Euro profitieren (Merck KGaA, Novo Nordisk), Anlagechancen ergeben.

Bei Obligationen rät die Schweizer Grossbank kurzfristig wegen Unsicherheit und Schwankungsanfälligkeit der Börsen zu Titeln mit hoher Bonität (Kreditwürdigkeit): Dollar-Anleihen von Amazon, General Electric, Mondelez, Novartis, Pepsi, Roche und Unilever.

Diese Unternehmen in wenig anfälligen Sektoren hätten eine erstklassige Kreditwürdigkeit, ein global diversifiziertes Geschäftsmodell und eine solide Bilanz.

Die Experten von Pioneer Investments halten es nach dem Referendum vom Donnerstag für wahrscheinlicher, dass Europa in einem Szenario niedrigen Wachstums und niedriger Inflation gefangen bleibt.

Diese Stagnationsängste dämpfen den Risikoappetit der Anleger, worunter vor allem Aktien leiden. Pionneer setzt daher vorerst auf als sicher geltende Vermögenswerte wie US-Staatsanleihen oder Gold.