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Wo ist Gülens Vertrauter Adil Öksüz?

Istanbul vermutet den angeblichen Putsch-Drahtzieher in Deutschland. Deutsche Behörden und die Bundesregierung schweigen dazu. Der Fall könnte die Beziehungen der beiden Staaten zusätzlich belasten.
Gerd Höhler, Athen
Vizepremier Bekir Bozdag forderte die deutsche Regierung kürzlich dazu auf, zu untersuchen, ob, und wenn ja, wo sich Adil Öksüz auf Bundesgebiet aufhalten könnte. (Burhan Ozbilici/AP; Ankara, 19. März 2014)

Vizepremier Bekir Bozdag forderte die deutsche Regierung kürzlich dazu auf, zu untersuchen, ob, und wenn ja, wo sich Adil Öksüz auf Bundesgebiet aufhalten könnte. (Burhan Ozbilici/AP; Ankara, 19. März 2014)

Die türkische Regierung sucht nach Adil Öksüz. Der 51-jährige islamische Geistliche soll als enger Vertrauter des in den Vereinigten Staaten lebenden Predigers Fethullah Gülen einer der Drahtzieher des Putschversuchs vom Juli 2016 gewesen sein. Türkische Medien wollen Öksüz in Berlin aufgespürt haben. Der Fall könnte zu neuen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei führen.

Das Letzte, was man von Adil Öksüz in der Türkei gesehen hat, sind Bilder von Überwachungskameras auf dem Luftwaffenstützpunkt Akinci bei Ankara. Sie stammen aus der Putschnacht vom 15. Juli 2016, als von hier F-16-Jets zu Angriffen auf das Parlament und den Präsidentenpalast starteten. Die Aufnahmen zeigen Öksüz inmitten von Unteroffizieren. Noch in der Putschnacht wurde Öksüz von regierungstreuen Soldaten festgenommen, zwei Tage später aber auf freien Fuss gesetzt. Seither ist er verschwunden.

Vermutlich untergetaucht in Berlin-Neukölln

Türkische Medien berichteten, mal sei er in Ulm, dann in Frankfurt und Hannover gesehen worden. Vergangene Woche ver­öffentlichten Zeitungen eine Adresse, unter der Öksüz angeblich in Berlin-Neukölln wohnt. Der türkische Vizepremier Bekir Bozdag fordert nun: «Die deutsche Regierung muss untersuchen, ob, und wenn ja, wo Adil Öksüz sich in Deutschland aufhält.» Offiziell hüllen sich die deutschen Behörden und die Bundesregierung bisher in Schweigen.

Deutsche Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, Öksüz habe sich tatsächlich in einer Wohnung in Neukölln aufgehalten. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu zeigte sich noch vergangene Woche zuversichtlich: Deutschland fahnde nach Öksüz und werde ihn «im Rahmen der bilateralen Vereinbarungen und der Gesetze an uns ausliefern».

Danach sieht es aber nicht aus. Mehrere Zeitungen berichteten, Öksüz stehe inzwischen an einem sicheren Ort unter Polizeischutz – offenbar gibt es Befürchtungen, der mutmassliche Putschist könnte entführt oder Opfer eines Anschlags werden. Vizepremier Bozdag hatte erst kürzlich angekündigt, der türkische Geheimdienst werde «Terroristen» im Ausland aufspüren, «einpacken und in die Türkei bringen». Die Türkei sucht seit 2016 mit einem internationalen Haftbefehl nach Öksüz. Er ist einer der meistgesuchten Männer des Landes. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von umgerechnet rund 800 000 Euro ausgesetzt. Die türkische Regierung stellte bereits im Sommer 2017 in Berlin einen Auslieferungsantrag, nachdem sich Hinweise auf einen Aufenthalt des Geistlichen in Deutschland verdichtet hatten.

Der Berliner «Tagesspiegel» berichtete, das Bundesinnenministerium habe eine Verhaftung von Adil Öksüz abgelehnt. Damit drohen neue Spannungen im ohnehin belasteten deutsch-türkischen Verhältnis. Der Fall Öksüz erinnert an das Tauziehen um Fethullah Gülen, der seit 1992 in den USA im Exil lebt und von dort den Putschversuch gegen Staatschef Recep Tayyip Erdogan geplant haben soll. Die Vereinigten Staaten verweigern bisher eine Auslieferung des Erdogan-Erzfeindes.

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