Wo sich Trump und weitere hochrangige Republikaner vermutlich infizierten

Die Liste hochrangiger Republikaner, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, ist in den vergangenen Stunden länger geworden. Möglicherweise wurde ein Anlass zum Superspreader-Event.

Drucken
Teilen
Dicht an dicht: Die Ernennung von Amy Coney Barrett zur Kandidatin für den Obersten Gerichtshof am vergangenen Samstag.

Dicht an dicht: Die Ernennung von Amy Coney Barrett zur Kandidatin für den Obersten Gerichtshof am vergangenen Samstag.

Bild: Keystone

(watson.ch) Nebst Donald und Melania Trump wurden folgende Personen positiv auf Covid-19 getestet:

  • Thom Tillis (Senator von North Carolina)
  • Mike Lee (Senator von Utah)
  • Kellyanne Conway (ehemalige Top-Beraterin von Trump)
  • John Jenkins (Präsident, Universität Notre Dame)
  • Bill Stepien (Trumps Wahlkampfmanager)
  • Ronna McDaniel (Parteivorsitzende)
  • Hope Hicks (hochrangige politische Beraterin von Trump)

Interessant dabei: Tillis, Lee, Conway und Jenkins waren am vergangenen Samstag dabei, als Präsident Trump Amy Coney Barrett als Kandidatin für den Obersten Gerichtshof und Nachfolgerin der verstorbenen Ruth Bader Ginsburg präsentierte. Insgesamt, so melden diverse amerikanische Medien, sind bis jetzt mindestens sieben Personen mit dem Coronavirus infiziert, die an dem Anlass teilgenommen haben. Nebst den genannten soll sich auch ein Journalist angesteckt haben, der an dem Anlass ebenfalls teilgenommen hatte.

Barrett sagte am Freitag, dass sie nicht positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Doch die Spekulationen nehmen zu, dass die Nominierungs-Zeremonie zu einem Superspreader-Event wurde.

Denn klar ist: Die Organisatoren des Events foutierten sich um Social-Distancing-Massnahmen. So sassen dutzende hochrangige Republikaner dicht an dicht bei dem Anlass – grösstenteils ohne Maske.

Igor Bobic von der Huffington Post findet denn auch klare Worte: «Sie haben nicht einmal das Minimum (an Massnahmen) umgesetzt. Diese Leute sollten gefeuert werden.»

Weitere Nahrung, dass es zu einem Superspreader-Event geworden ist, erhält die Spekulation durch eine grafische Aufarbeitung des US-Politmagazins Politico. Die Webseite hat den Anlass genauer unter die Lupe genommen. Sie zeigt, dass viele derjenigen, die inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, bei dem Event eng beieinander sassen.

Ob sich die Teilnehmer tatsächlich an diesem Event angesteckt haben, kann nicht mit Sicherheit und abschliessend geklärt werden. Aber es gibt zumindest einige Anzeichen dafür, dass ausgerechnet der Ginsburg-Nachfolge-Event der Republikaner zum Superspreader-Event wurde.

Ginsburg, die am 18. September verstorben war, hatte klargestellt, dass es ihr Wunsch war, dass ihr Sitz im Gericht nicht besetzt wird, «bis der neue Präsident im Amt ist». Auch die Demokraten haben argumentiert, dass ihr Ersatz erst nach den Wahlen von 2020 bestätigt werden sollte. Trump und die Republikaner hatten dafür kein Gehör – im Gegenteil. (meg)