Woran gute Ratschläge scheitern

Wer Menschen ändern will, muss es ihnen leicht machen. Wie das geht, zeigt die Verhaltensforschung.

Drucken
Teilen
Fresh salad lettuce in white background (Bild: (30463908))

Fresh salad lettuce in white background (Bild: (30463908))

Ratschläge für einen gesünderen Lebenswandel kommen selten gut an. Das stellen britische Verhaltensforscher im Fachjournal «Science» fest. Funktionieren kann nur, was auf unsere Bequemlichkeit Rücksicht nimmt.

Was das in der Praxis bedeutet, illustrieren die Fachleute an Experimenten. So habe das Abschalten eines von mehreren Liften oder auch nur das langsamere Schliessen der Lifttüren dazu geführt, dass deutlich mehr Menschen die Treppe nutzten, berichtet das Team um Theresa Marteau von der Universität Cambridge. Hohe und schmale Gläser liessen Menschen weniger trinken als breite mit demselben Volumen. Die Salatbar in der Nähe locke mehr als die Desserts in der Ferne.

Vernunft gegen Gewohnheit

Warum ist das so? Täglich werde unser Handeln von zwei Arten der Entscheidungsfindung beeinflusst, erklärt Theresa Marteau: von bewussten, rationalen Gründen und von Gewohnheiten, eingefahrenen Mustern oder unbewussten Präferenzen.

Appelle nützen nichts

Die rationale Entscheidung führe zwar sicher zum Ziel, doch die Gewohnheitshandlung dagegen sei schneller, da sie keiner weiteren Überlegungen bedürfe. «Man muss nicht immer nachdenken, um den Weg nach Hause zu finden», erläutern die Forscher. Die Verhaltensforschung habe gezeigt, dass es nicht viel helfe, diesen Konflikt durch den Appell an die rationale Seite zu beeinflussen. Stattdessen sollte man Entscheidungen durch äussere Bedingungen erleichtern.

Die Möglichkeiten dazu sind nach Meinung der Forscher endlos: Sie reichen von der ansprechenderen Gestaltung gesunder Produkte und deren bequeme Plazierung in Kantine und Supermarkt bis hin zur Architektur von Gebäuden, die zu mehr Bewegung anregt. (sda)