Fragen und Antworten
Worum geht es im Atomstreit zwischen dem Westen und Iran?

Was sind die Ziele? Warum der Zeitdruck? Wie soll das iranische Nuklearprogramm kontrolliert werden? Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zum Atomstreit und der sich abzeichnenden Lösung.

Dagmar Heuberger
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Die amerikanische Delegation mit Aussenminister John Kerry bei den entscheidenden Atomgesprächen in Lausanne.

Die amerikanische Delegation mit Aussenminister John Kerry bei den entscheidenden Atomgesprächen in Lausanne.

Keystone

1. Was wollen die fünf UNO-Vetomächte (USA, Frankreich, Grossbritannien, Russland, China) plus Deutschland in den Verhandlungen mit Iran erreichen?

Ziel der sogenannten 5+1-Gruppe ist es, Iran am Bau einer Atombombe zu hindern. Hingegen soll Iran die zivile Nutzung der Kernkraft – also zum Beispiel der Bau von Atomkraftwerken – erlaubt sein. Seit bald 13 Jahren verdächtigt der Westen Teheran, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Deshalb wurden eine ganze Reihe harter Sanktionen verhängt, die Iran wirtschaftlich empfindlich treffen. Teheran hat stets bestritten, dass es die Atomkraft militärisch nutzen will.

2. Weshalb müssen die jüngsten Gespräche in der Schweiz ausgerechnet bis zum 31. März beendet sein?

Der Termin wurde im vergangenen November vereinbart, als sich die Parteien nicht auf eine Übereinkunft einigen konnten. Damals wurde die Frist um vier Monate verlängert. Der wichtigere Stichtag ist aber der 30. Juni. Bis zu diesem Datum muss ein Rahmenabkommen stehen, weil dann ein im November 2013 geschlossenes Übergangsabkommen ausläuft.

3. Wie will der Westen Teheran am Bau der Atombombe hindern?

Das iranische Atomprogramm soll so eingeschränkt werden, dass Teheran immer mindestens ein Jahr von der Bombe entfernt ist. Will heissen: Sollten die Iraner das Abkommen brechen und doch wieder mit der Entwicklung einer Nuklearwaffe beginnen, müsste es mindestens ein Jahr dauern, bis sie wieder auf dem Stand der heutigen Technologie sind. Die 5+1-Gruppe geht davon aus, dass die Frist von einem Jahr genügt, um den Vertragsbruch zu erkennen und Massnahmen zu ergreifen – seien es nun neue Sanktionen oder sogar militärische Massnahmen.

4. Wie soll die iranische Nukleartechnologie konkret eingeschränkt werden?

Einer der Wege, um Material für eine Nuklearwaffe zu erhalten, ist die Anreicherung von Uran in Gaszentrifugen auf über 90 Prozent. Iran verfügt über ungefähr 20 000 Gaszentrifugen, von denen etwa 10 000 in Betrieb ist. Gestritten wird, wie viele dieser Zentrifugen Teheran betreiben darf. Im Moment ist von ungefähr 6000 die Rede. Skeptiker und Kritiker wie die israelische Regierung (die allerdings nicht in die Verhandlungen involviert ist) wollen erreichen, dass Iran überhaupt keine Zentrifugen mehr betreiben darf.

5. Was passiert mit dem bereits angereicherten Uran?

Je grösser die Bestände an angereichertem Uran, desto schneller kann Iran wieder mit der Entwicklung von Nuklearwaffen beginnen. Russland hat deshalb angeboten, das angereicherte Uran zu übernehmen und Iran dafür Brennstäbe für sein Atomkraftwerk zu liefern. Wie die «New York Times» gestern berichtete, weigert sich die iranische Verhandlungsdelegation in Lausanne aber neuerdings, das Uran nach Russland auszulagern.

6. Wie lange soll das Abkommen – sofern es zustande kommt – gelten?

Die USA wollten ursprünglich eine Laufzeit von 25 Jahren; Iran eine Dauer im einstelligen Bereich. Inzwischen reden die Diplomaten von einer Laufzeit «im tiefen zweistelligen Bereich» – was wohl zehn Jahre bedeuten dürfte.

7. Wer kontrolliert, ob Iran das Abkommen einhält?

Rüstungsabkommen stehen und fallen mit deren Überwachung und Kontrolle. Iran wird daher wohl unangemeldete Inspektionen seiner Nuklearanlagen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) akzeptieren müssen.

8. Was bekommt Iran, wenn es sämtliche Bedingungen akzeptiert und einem Abkommen zustimmt?

Teheran geht es um vollständige Aufhebung der von der internationalen Gemeinschaft und den USA verhängten Sanktionen. Der Westen ist zu Zugeständnissen bereit. Umstritten ist allerdings, ob alle Sanktionen sofort und vollständig aufgehoben oder aber schrittweise gelockert werden sollen. Die 5+1-Gruppe tritt für eine schrittweise Lockerung ein. Zuerst solle Iran seinen guten Willen zeigen und eine Reihe von Bedingungen erfüllen, um zu beweisen, dass es das Abkommen auch wirklich einhält, argumentieren westliche Diplomaten.

Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.
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Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.
Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.
Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.
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US-Aussenminister John Kerry kurvt auf dem Rennvelo um den Genfersee
Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.
Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.

Luft schnappen: US-Aussenminister John Kerry erkundet Lausannes Umgebung auf dem Rennvelo.

Keystone