Syrien
Wurde der IS-Henker «Dschihadi John» verraten?

Nach einem Drohnenangriff des US-Militärs ist nicht klar, ob der als «Dschihadi John» bekannte Henker der Terrormiliz «Islamischer Staat» getötet wurde.

Michael Wrase, Limassol
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«Dschihadi John». ho

«Dschihadi John». ho

Der einzige westliche Ausländer, der «Dschihadi John» gesehen und überlebt hat, war sehr wahrscheinlich der deutsche Buchautor Jürgen Todenhöfer. Während seiner 10-tägigen Reise durch das «Kalifat» im Dezember des vergangenen Jahres sei er von dem Top-Terroristen gefahren worden, ist Todenhöfer überzeugt.

Er habe den stets vermummten Mann an seinem britischen Akzent erkannt. «Dschihadi John» schockierte die Welt als kaltblütigster Mörder der Terror-Miliz. Vor laufender Kamera schnitt er amerikanischen, britischen und japanischen Geiseln des IS den Kopf ab und präsentierte ihn mit höhnischen Kommentaren als Trophäe.

In der Nacht zum Freitag wurde das Auto, mit dem «Dschihadi-John» in Rakka unterwegs war, offenbar von einer amerikanischen Rakete, abgeschossen von einer Drohne, getroffen. In den USA und in Grossbritannien ist die Hoffnung gross, dass «Dschihadi John», der mit bürgerlichem Namen Mohammed Emwazi heisst, tot ist.

Zu 99 Prozent sicher

Ein US-Militärberater sagte dem Nachrichtensender «Fox News»: «Wir sind uns zu 99 Prozent sicher, dass wir ihn erwischt haben. Auch der normalerweise gut informierte Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrachman, verfügt über entsprechende Hinweise.

Er wisse, dass die Leiche eines Briten in einem Spital von Rakka liege. Persönlich könne er den angeblich «sauberen Treffer» der Amerikaner aber nicht bestätigen.

Amerikanische und britische Regierungsstellen äusserten sich zurückhaltender. Laut US-Aussenminister John Kerry wird noch geprüft, ob der Angriff sein Ziel erreicht habe. Der britische Premierminister David Cameron sagte, er sei nicht sicher, ob «Dschihadi John» getötet worden sei.

Sicherheitsfachleute erklärten der BBC, es werde erst endgültige Klarheit geben, wenn der Geheimdienst mit seinen Gewährsleuten in Rakka gesprochen habe und die Kommunikation zwischen IS-Kommandeuren überprüft worden sei.

Sicher ist, dass «Dschihadi John» nach seiner Identifizierung durch den britischen Geheimdienst vor 14 Monaten regelrecht gejagt wurde.

Sein letztes Horror-Video, die Abschlachtung des japanischen Journalisten Kenji Goto, wurde Ende Januar veröffentlicht. Seitdem war das bekannteste Gesicht der Terrororganisation auf der Flucht. Terrorismusexperten gehen davon aus, dass Emzawi von einem Spion verraten wurde.

Die amerikanische Botschaft an die Schergen des IS ist klar: «Ihr entkommt uns nicht. Wir können euch treffen». Mit einem Kopfabschneider weniger, wird der IS allerdings nicht ungefährlicher.