«You can't do that»: Interviewer treibt Trump mit Fakten in die Enge

Die USA ist Spitzenreiter in Sachen Corona-Neuansteckungen. Die Regierung und allen voran US-Präsident Donald Trump werden harsch kritisiert für ihren Umgang mit der Pandemie. In einem Fernseh-Interview scheiterte Trump beim Versuch, die Lage herunterzuspielen.

Julian Wermuth/watson.ch
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US-Präsident Trump erklärt Axios-Journalist Jonathan Swan die Statistik der Todesfälle in den USA. (Quelle: Screenshot Youtube)

US-Präsident Trump erklärt Axios-Journalist Jonathan Swan die Statistik der Todesfälle in den USA. (Quelle: Screenshot Youtube)

Die USA sind das am stärksten vom Coronavirus betroffene Land der Welt – rechnet man nach absoluten Zahlen: Bald fünf Millionen bestätigte Fälle und knapp 160'000 Tote. Wie sind die USA mit der Krise umgegangen?

Darüber sprach US-Präsident Donald Trump mit Axios-Journalist Jonathan Swan letzte Woche, gestern wurde das Interview auf HBO ausgestrahlt.

Und Sie ahnen es: Donald Trump macht keine allzu gute Falle. Hier also Trump über ...

... Todesfälle

Als der Journalist während des Hin und Hers über Test-Raten auf die steigenden Todesfälle zu sprechen kommt, interveniert Trump. Er bringt eine Grafik hervor und sagt:

«Wir sind tiefer als die Welt, wir sind tiefer als Europa ... schauen Sie!»

Swan schaut auf die Grafik und meint:

«Oh, Sie betrachten die Todesfälle in Proportion zu den Fällen? Ich betrachte die Todesfälle in Proportion zur Bevölkerung. Hier sind die USA sehr schlecht dran. Viel schlechter als Südkorea, Deutschland, etc.»

Trump wirkt sichtlich erstaunt, schaut zum Journalisten und meint:

«Sie können das nicht machen. Sie müssen nach den Fällen gehen.»

Swan bleibt dabei, es sei statistisch sehr relevant, die Todesfälle in Relation zur Bevölkerung zu messen. Er bringt das Beispiel Südkorea, dort kommen auf 51 Millionen Menschen lediglich 300 Todesfälle. Trump protestiert: «Sie wissen das nicht!» – «Denken Sie etwa, sie fälschen die Statistik?», entgegnet der Journalist. Trump: «Äh, ich werde nicht darauf eingehen, wir haben eine sehr gute Beziehung zu Südkorea.»

... Test-Raten

An einer Stelle will Swan von Trump wissen, wann jede Amerikanerin und jeder Amerikaner Zugang zum selben Schnelltest wie Trump ihn hat, erhalten. Trump: «Also, wir haben ein sehr gutes Testverfahren ...» – «Ab welchem Datum?», unterbricht Swan. Aber Trump will nicht darauf eingehen und schweift ab:

«Lassen Sie mich das Testen erklären. Wir testen mehr als alle anderen. Und wissen Sie was? Es gibt diese Leute die sagen, dass man zu viel testen kann. Sie wissen das!»

Der Journalist fragt erstaunt: «Wer sagt das?»

Trump: «Lesen Sie die Gebrauchsanweisungen, lesen Sie die Bücher!» – «Gebrauchsanweisungen? Welche Bücher?» Swan weiss offensichtlich nicht, von was Trump redet, und dieser will nicht weiter darauf eingehen.

... Tulsa

An anderer Stelle will Journalist Swan von Trump wissen, wieso er unter den gegebenen Umständen an der Wahlkampfveranstaltung in Tulsa im Juni festgehalten habe.

Während Trump über die hohe Zahl der Besucher redet und betont, dass die TV-Übertragung der Veranstaltung Rekordwerte bei Foxnews brachte, unterbricht ihn Swan:

«Ich glaube, Sie missverstehen mich. Ich kritisiere nicht Ihre Fähigkeit, Massen anzuziehen. Machen Sie Witze? Ich frage wegen der öffentlichen Gesundheit.»

Trump erwidert darauf, dass er eine andere Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire abgesagt habe. Swan will's aber genau wissen und fragt, wieso er seinen Fans sagt, dass alles unter Kontrolle sei, es gebe ihnen ein falsches Gefühl der Sicherheit. Trump darauf:

«Nun, was ist Ihre Definition von Kontrolle? Unter den gegebenen Umständen denke ich, dass es im Moment unter Kontrolle ist.»

«Wie bitte? Tausend Amerikaner sterben pro Tag», entgegnet Swan. Trump:

«Sie sterben, das ist wahr. Und es ist, wie es ist. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht alles tun, was wir können. Es ist so weit unter Kontrolle, wie Sie es kontrollieren können. Dies ist eine schreckliche Seuche, die uns heimsucht.»

«Ist das wirklich das beste, was wir tun können?», will der Journalist wissen. «Wir haben einen grossartigen Job geleistet», findet Trump. Man habe den Gouverneuren alles gegeben, was sie brauchen. Aber, so meint Trump: «Sie haben ihren Job nicht gemacht – viele von ihnen haben ihn nicht gemacht, einige schon. Wir hatten gute und schlechte und viel Mittelmass. Ich könnte Ihnen sagen, wer die Grossartigen sind und welche die Nicht-so-Grossartigen. Aber die Gouverneure sind in der Verantwortung», sagt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Hier können Sie das Interview in voller Länge (37 Minuten) anschauen:

Die Aussagen über Tulsa ab Minute 5:10, über das Testen ab Minute 9:25 und über die Todeszahlen ab Minute 13:00. (Quelle: Youtube)