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Zwei im gleichen Boot

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron sind aufeinander angewiesen. Scheitert Merkel, hat Macrons angestrebte EU-Reform kaum Chancen.
Stefan Brändle, Paris
Angela Merkel und Emmanuel Macron. (Filip SingerEPA)

Angela Merkel und Emmanuel Macron. (Filip SingerEPA)

«Allem Anfang wohnt ein Zauber inne», zitierte Angela Merkel im Mai 2017 Hermann Hesse. Das war, als ihr Emma­nuel Macron seine erste Aufwartung als frischgekürter Präsident Frankreichs machte. Der Pariser Charme wirkte bis ins Kanzleramt. Ein Jahr später zieht das französische Vordenkerblatt «Le Monde» ein sehr trockenes Fazit: «Der Charme ist weg.» Merkel und Macron brauchten mehr als ein Jahr, um zu einem gemeinsamen Vorschlag an den nächsten EU-Gipfel zu finden. Von der «Neugründung Europas», die Macron verkündet hatte, ist in der Einigung mit Merkel auf Schloss Meseberg nicht mehr viel zu spüren.

Merkel hielt Macron so lange hin, bis ihm der Kragen platzte: Bei der Verleihung des Karlspreises im Mai verlangte er, dass Deutschland seinen «Fetischismus der Haushalt- und Handelsdefizite» aufgebe. Merkel steckte den Schlag ein und gab ihn Tage später zurück, indem sie ­Macrons Europapläne auf pekuniäre Interessen reduzierte: «Kühnheit», meinte sie, «kann nicht daran gemessen werden, wie viel Geld man in den Ring wirft.»

Macron bleibt indes auf Merkels Seite. Die Kanzlerin ist seine ­sicherste Partnerin – sie will und darf er nicht verlieren. Zumal er ihre Schwäche auszunützen versucht: Beim Zweiertreffen in ­Meseberg übernahm Merkel von den Franzosen erstmals das Wort «Budget» der Eurozone. Das war der Preis für Macrons Schützenhilfe im Asylstreit. In der Sache machten beide wenig Konzessionen. Macron gelobte zwar, Flüchtlinge und ­Migranten zurückzunehmen, die über Frankreich nach Deutschland eingereist waren. Sehr zahlreich sind diese Fälle aber mitnichten. Merkel wiederum legte sich auf keinen Umfang des Eurozonenbudgets fest. Statt «mehreren hundert Milliarden Euro», von denen ­Macron 2017 geträumt hatte, muss Wirtschaftsminister Bruno Le Maire nun um «20 Milliarden betteln».

Doch die Achse Paris–Berlin ist solider, als man meinen könnte. Sie ist weniger innig, dafür mehr interessengebunden. Macron ist so angewiesen auf die Kanzlerin wie sie auf ihn: Ohne sie hätte er mit seinen Euro­finanzplänen keine Chance bei den deutschen Parteien. Macron hat darum jegliches Interesse, dass Merkel im Amt bleibt. Jeder denkt für sich, und dann steht man doch zusammen: So funktionierte die deutsch-französische Freundschaft immer. Heute stehen aber ihre beiden Hauptexponenten unter mehr Druck denn je. Fällt Merkel, fällt auch die Achse Paris–Berlin. Also jene «Achse der Gemässigten», die bisher das Hauptbollwerk gegen die «Achse der Willigen» in Rom, Wien oder Budapest dargestellt hat.

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