China nimmt Kanadier fest

Michael Spavor ist ein in China lebender kanadischer Unternehmer. Nun ist er Leidtragender im Handelsstreit zwischen China und den USA geworden.

Felix Lee, Peking
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Der kanadische Unternehmen Michael Spavor. Bild: AP (12.Dezember 2018)

Der kanadische Unternehmen Michael Spavor. Bild: AP (12.Dezember 2018)

Das chinesische Aussenministerium hat am Donnerstag bestätigt, dass Sicherheitskräfte Spavor festgenommen haben. Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, eine politische Organisation zu betreiben, die «in China nicht rechtlich regis­triert» sei. Seine Aktivitäten seien damit illegal. Es bestehe zudem der Verdacht, dass Spavors Aktivitäten «die nationale Sicherheit gefährden». In China ist dieser Vorwurf gleichbedeutend mit Spionage. Nach Angaben der kanadischen Botschaft in Peking hatte sich Spavor nach einem Verhör durch chinesische Behörden an sie gewandt. Er wollte am Montag eigentlich nach Seoul fliegen. Dort sei er aber nicht angekommen.

Spavor ist seit Jahren als Unternehmer in der chinesischen Stadt Dandong an der Grenze zu Nordkorea tätig. Zugleich engagiert er sich für die britisch-chinesische Organisation Paektu, die sich für mehr Kulturaustausch mit Nordkorea einsetzt. Spavor hatte unter anderem 2013 und 2014 die Besuche des US-Basketballstars Dennis Rodman in Pjöngjang organisiert, der seitdem von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un als «Freund» bezeichnet wird.

Der Vorwurf «Gefährdung der nationalen Sicherheit» ist im Wortlaut nahezu identisch mit dem, was die chinesischen Behörden auch schon dem kanadischen Ex-Diplomaten Michael Kovrig vorwerfen, der sich ebenfalls seit Montag in chinesischer Haft befindet. Kovrig arbeitet für die in Brüssel ansässige Organisation International Crisis Group.

Der Verdacht liegt nahe, dass die Festnahme der beiden kanadischen NGO-Vertreter im Zusammenhang stehen mit der Festnahme von Meng Wanzhou. Am 1. Dezember hatten kanadische Behörden in Vancouver die Finanzchefin des chinesischen Technologie-Riesen Huawei festgenommen. Sie ist auch die Tochter des Huawei-Gründers, dem wiederum enge Verbindungen zur chinesischen Regierung nachgesagt werden. Inzwischen ist Wanzhou gegen eine Kaution von 10 Millionen Dollar wieder auf freiem Fuss – allerdings darf sie das Land nicht verlassen. Ihr droht die Auslieferung in die USA.

Kanada hatte nämlich auf Geheiss des US-Justizministeriums reagiert. Die USA werfen Huawei vor, gegen die Iran-Sanktionen verstossen zu haben. Meng drohen bis zu 30 Jahre Haft. Die chinesischen Staatsmedien werfen Washington vor, Meng sei Opfer des US-chinesischen Handelskrieg. Auch das ist nicht ganz von der Hand zu weisen – gilt Huawei als einer der schärfsten Konkurrenten für US-Unternehmen in der Netzwerktechnik. «Kanada wird einen hohen Preis zahlen, wenn Meng nicht freigelassen wird», drohte die Volkszeitung, das Verlautbarungsorgan der Kommunistischen Führung in Peking.

Kanadische Top-Manager sind in China bislang verschont geblieben. Vertreter von ausländischen Nichtregierungsorganisationen wie Spavor sind für die chinesischen Behörden gefundenes Fressen. Denn willkommen sind sie in der Volksrepublik seit einer ganzen Weile nicht mehr – so wenig willkommen wie chinesische Unternehmer in Nordamerika.