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Zwischen Skepsis und Freude

USA Als das Gespräch zu Ende war, verabschiedete sich der amerikanische Präsident vom nordkoreanischen Diktator mit einer Umarmung. Später sollte er sagen, dass er mit dem kommunistischen Herrscher über Religion gesprochen habe, und über die gemeinsame Passion für die Jagd. Und er betonte, welche grosse Verehrung der Herrscher in seinem Volk geniesse.

Bei dem Präsidenten handelte es sich um Jimmy Carter. 1994 brach der Demokrat, der seit seiner Abwahl im Jahr 1980 weltweit als Friedensstifter agierte, nach Pjöngjang auf, um quasi in Eigenregie die Krise auf der korea­nischen Halbinsel zu entschärfen. Dort verbrachte er viel Zeit mit Kim Il Sung, dem Grossvater des heutigen Herrschers von Nord­korea.

Weil Carter kein klares Mandat des damaligen Präsidenten Bill Clinton besass, sorgte seine Mission für Verstimmung in Washington. Auch deshalb weigerten sich Clinton und seine Nachfolger in der Folge, direkt mit einem Vertreter der Kim-Dynastie zu verhandeln. Es könne doch nicht sein, dass man dem Regime in Nordkorea Respekt entgegenbringe, ohne dass Pjöngjang Zugeständnisse mache.

Schmaler Grat

Vielleicht erklärt dieser Blick ins Geschichtsbuch die Reaktionen auf die Ankündigung des Weissen Hauses am Donnerstagabend, dass mit Donald Trump erstmals ein amtierender US-Präsident willig sei, direkt mit dem nord­koreanischen Diktator zu sprechen. Von links bis rechts wurde die überraschende Neuigkeit in ersten Reaktionen mit dem Prädikat «historisch» versehen. Gestern mischte sich dann aber Skepsis in die Freude über einen möglichen Durchbruch in den Verhandlungen um das nordkoreanische Atomprogramm. So stellte zum Beispiel die linke Senatorin Mazie Hirono das Verhandlungsgeschick des Präsidenten in Frage.

Umgehend betonte deshalb Vizepräsident Mike Pence in einer Stellungnahme, das Weisse Haus habe «keine Zugeständnisse» an Nordkorea gemacht – ganz im Ge­genteil. Die Kampagne der «maxi­malen Druckversuche» auf das Regime werde auch in den nächsten Wochen weitergeführt.

Natürlich ist sich das Weisse Haus bewusst, auf welch schmalem Grat Washington balanciert. Schliesslich rechtfertigte Trump sein Säbelrasseln zuletzt mit den Schlussfolgerungen, die er aus der gescheiterten Verhandlungsstrategie seiner Vorgänger gezogen habe. Und selbst der Regierung wohlgesinnte Kreise sagen, dass es schwer sein würde, die Umsetzung eines Abrüstungsabkommens in Nordkorea zu über­prüfen. Die Anhänger Trumps aber sind der Meinung, dass der Präsident 65 Jahre nach Ende des Koreakrieges endlich die Grundlage für einen dauerhafte Frieden schaffen werde.

Renzo Ruf, Washington

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