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1. AUGUST: Vielen ist der Aufwand zu gross

Zum 23. Mal organisieren Schweizer Bauern einen 1.-August-Brunch. Es werden immer weniger, die diese Arbeit auf sich nehmen.
Üppiges Brunchbuffet auf dem Fohrenhof der Familie Felder in Kleinwangen. Hier findet seit 2011 ein 1.-August-Brunch statt. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Üppiges Brunchbuffet auf dem Fohrenhof der Familie Felder in Kleinwangen. Hier findet seit 2011 ein 1.-August-Brunch statt. (Archivbild Corinne Glanzmann)

Manuela Liem

15 Luzerner Bauernbetriebe organisieren heuer einen 1.-August-Brunch. Schweizweit sind es rund 350. Schaut man zurück zu den Anfängen, lässt sich ein starker Rückgang erkennen. Im Spitzenjahr 1995 nahmen im Kanton Luzern 54 Höfe teil. Gesamtschweizerisch gab es in den besten Jahren (1995 bis 1998) bis über 500 Brunchs. Ins Leben gerufen wurden die 1.-August-Brunchs 1993 vom Schweizer Bauernverband (SBV). Gestartet wurde mit knapp 400 Betrieben, 39 davon im Kanton Luzern.

Ab 50 Personen: Getrennte WCs

Neben der Tatsache, dass es hierzulande immer weniger Bauernhöfe gibt, sind noch andere Faktoren für den Rückgang verantwortlich. «In den letzten Jahren sind die Hygiene-Richtlinien strikter geworden: Die Lebensmittel müssen gekühlt werden können, und ab 50 Personen müssen getrennte Toiletten zur Verfügung stehen. Nicht jeder Hof verfügt über diese Ressourcen», sagt Brigitte Süess vom SBV.

Ausserdem sei der Anlass mit den Jahren immer weiter gewachsen, ergänzt Theresia Marbach, Leiterin Agrarmarketing beim Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV). Inzwischen würden manche Höfe mehrere hundert Gäste bewirtschaften. «Das lässt sich nicht mehr nur mit der Hilfe der Familie meistern. Einige Betriebe kommen irgendwann an ihr Limit.» Manche würden sich dann mit einem Verein zusammenschliessen, führen den Brunch dafür aber nur etwa alle drei Jahre durch. Andere machen ein Jahr oder länger Pause. «Das ist normalerweise besser, als das Angebot zu verkleinern. Sonst wären einige Brunch-Fans enttäuscht, weil sie nach mehreren Jahren keinen Platz mehr bekommen», erläutert Marbach.

«Es ist sehr anstrengend»

Diesen Schritt haben Anita und Ruedi Lischer aus Marbach gemacht. Nach 13 Jahren der Teilnahme nehmen sie sich eine Auszeit. «Es ist sehr anstrengend. Man muss mit den Vorbereitungen schon eine Woche davor beginnen», sagt Ruedi Lischer. Ausserdem sei es für viele Betriebe schwierig, Helfer zu finden im letzten Jahr brauchte die Familie Lischer deren 25. Die Leute betreuen beispielsweise die Essensausgabe. «Das Auge isst mit», sagt Lischer. Würde man nur ein Buffet bereitstellen, sähe es schnell unappetitlich aus. Trotzdem hält sich Familie Lischer die Möglichkeit offen, in Zukunft wieder einen 1.-August-Brunch durchzuführen. «Es ist eine gute Gelegenheit, das Image der Landwirtschaft zu pflegen und einen Einblick in den eigenen Betrieb zu geben. Zudem ist es Werbung für die Region, und man schafft so eine Begegnung mit anderen Bevölkerungsschichten», sagt Ruedi Lischer.

Dies entspricht ganz dem Ziel der Veranstaltung. Markus Ritter, Präsident des SBV, schreibt im diesjährigen «Brunch-Magazin», man müsse «Brücken bauen zwischen Land und Stadt, zwischen Produktion und Konsum», denn «über drei Viertel der Bevölkerung wohnen unterdessen in städtischen Gebieten».

Gruppen von bis zu 25 Personen

Auch Alois und Clara Schurtenberger aus Ballwil wollen Brücken bauen. «Mir gefällt der Kontakt zu den Menschen aus verschiedensten Regionen», schwärmt Bäuerin Clara Schurtenberger. Nur vier Ballwiler seien dabei. Die restlichen sind teils sogar aus anderen Kantonen auch Zürcher kommen auf den Lochhof. Viele der Besucher kommen in Gruppen von bis zu 25 Personen. In den letzten zehn Jahren sei ein Drittel der Besucher Stammgäste gewesen. Während sie 2013 noch 370 Gästen Platz boten, die von 35 Helfern bewirtschaftet wurden, sind es heuer nur 185. Helfer braucht es 15. Diese müssen Essen vorbereiten, als Parkplatzanweiser agieren, die WCs kontrollieren und ab und zu nach den Kindern schauen.

Schurtenbergers nehmen seit 2003 am 1.-August-Brunch teil. Letztes Jahr mussten sie eine Pause einlegen, da sie ihr «Wösch-hüüsli» umbauten, wo der Brunch jeweils stattfindet. Dieses vermietet die Familie auch für Geburtstagsfeiern, Firmenanlässe und Hochzeiten. Clara Schurtenberger ist der Meinung, dass es sich nicht lohnen würde, die ganzen Anschaffungen wie Bestuhlung und Geschirr nur für einen Tag zu machen. Brigitte Süess vom SBV sagt ebenfalls, dass sich schweizweit viele der Teilnehmer auf Agrotourismus spezialisiert haben.

Auch in Luzern würden zahlreiche Bauernhöfe neben dem 1.-August-Brunch zum Beispiel Ferien auf dem Bauernhof, Schlafen im Stroh oder die Vermietung eines Partyraums anbieten, sagt Theresia Marbach vom LBV. Sie schätzt, dass rund die Hälfte der Anbieter im Kanton unter dem Jahr keine Veranstaltungen in diesem Grössenrahmen durchführt. Das heisst: Sie müssen speziell für den 1. August die nötigen Utensilien kaufen oder dazumieten.

Geringer finanzieller Gewinn

Zum grossen Aufwand kommt hinzu, dass sich dabei nur ein geringer finanzieller Gewinn erzielen lässt. Das bestätigt Clara Schurtenberger: «Wir machen jeweils ein Helferessen, und jeder bekommt ein Weihnachtsgeschenk als Wertschätzung.» Die Stunden könne man aber nicht entlöhnen. Trotzdem wollen sie den Brunch auch in den nächsten Jahren durchführen.

Damit dürfte die Familie Schurtenberger Erfolg haben. Obwohl der 1.-August-Brunch bereits zum 23. Mal mit der gleichen Grundidee durchgeführt wird, seien jedes Jahr fast alle Betriebe ausgebucht. Solange die Nachfrage noch so gross sei und man genügend Betriebe finde, werde man das Projekt weiterhin durchführen, sagt Brigitte Süess und ergänzt: «Vielleicht muss an etwas Gutem ja gar nichts geändert werden.»

MEHR ZUM THEMA

Mehr zum Thema und die Adressen der Zentralschweizer Betriebe finden Sie in der morgigen Ausgabe.

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