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140 JAHRE KUNSTHOCHSCHULE: Radikale Selektion

Zum Jubiläum der Luzerner Hochschule für Design und Kunst veranstalten Luzerner Kunstmuseum und Akku Emmenbrücke gemeinsam die Ausstellungsserie «Fortsetzung folgt ...». Ein erster Augenschein.
Julia Stephan
Installation «us15» von Jonas Burkhalter im Kunstmuseum. (Bild: Marc Latzel/PD)

Installation «us15» von Jonas Burkhalter im Kunstmuseum. (Bild: Marc Latzel/PD)

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Um diese Aufgabe beneidet man die Kuratorinnen wirklich nicht! Sechs Ausstellungen mit je zwei bis vier Positionen ehemaliger Absolventen der Luzerner Hochschule für Design und Kunst zu bespielen, ist bei rund 200 Absolventen jährlich doch ein massiver Selektionsvorgang. Und geradezu die Umkehrung des Prinzips der jährlich stattfindenden Werkschau dieser Schule, an der einen die Masse an Kunst fast erschlägt.

Genau das haben die Kuratorinnen Eveline Suter (Kunstmuseum) und Lena Friedli (Akku) aber zum 140. Geburtstag der ­ältesten Kunsthochschule der Schweiz versucht. Gezeigt wird die Ausstellungsserie «Fortsetzung folgt ...» zeitgleich in Akku und Kunstmuseum.

Dass die Kuratorinnen sich bewusst gegen eine Retrospektive entschieden und sich stattdessen tief ins Jahr 2017 eingegraben haben, blieb nicht ohne Auswirkung für den Selektionsprozess. Verstorbene Aushängeschilder der Hochschule kommen in der Ausstellungsreihe nicht vor. Auch keine ikonischen Arbeiten mit Wiedererkennungswert, die repräsentativ für das Schaffen eines Künstlers stehen. Stattdessen wurden die gezeigten Positionen entweder extra für die Ausstellungen entwickelt oder ihre Entstehung liegt nicht länger zurück als drei bis vier Jahre.

Illustrativ und materialverspielt

Im Akku Emmen ist man zum Auftakt illustrativ und materialverspielt. Neben den kontrolliert unkontrollierten abstrakten Gemälden von Davix (* 1988) punktet die Ausstellung mit den bekannten Illustratoren Lina Müller (* 1981) und Luca Schenardi (* 1978) und dem spannenden Medienkünstler Thomas Galler. Müller und Schenardi, nicht nur kreativ, sondern auch privat als Paar miteinander verbunden, haben für die Ausstellung eine Werkgruppe aus fünf collagierten Zeichnungen unter dem Titel «Make art not love» geschaffen. Auf den an die Street Art erinnernden Zeichnungen stiften die bunten Symbole der Hippiebewegung Krieg und Frieden in der Paarbeziehung.

Dass die beiden nicht nur illustrativ viel draufhaben, sondern ihr illustratives Know-how mit Malerei zu verbinden wissen, sieht man in den Einzelpositionen von nebenan. Lina Müller schafft mit kleinsten Eingriffen die Illusion gestaffelter Bildräume. In pudrigen Farben bewusst zuckersüss sind ihre surrealistisch anmutenden Acrylmale­reien, auf denen ein Tisch von einem Cupcake kaum zu unterscheiden ist und wo starr an Wände gelehnte Objekte in ihrer Materialität erscheinen, als würden sie im Raum zerfliessen.

Von hohem Unterhaltungswert sind Schenardis am letzten Fumetto präsentierten und als Buch erschienenen Illustrationen fehlerhaft dargestellter Teletext-Schlagzeilen, die in ihrer Absurdität so manche Mitteilung aus dem Weissen Haus übertreffen.

Nur an der Oberfläche heiter ist die Diashow «Palm trees, sunsets, turmoil» von Thomas Galler (* 1971). Er sammelt im Internet private Fotos von US-Soldaten aus Irak und Afghanistan. Als Dia aufbereitet, zeigen sie von den Kriegsgebieten vor allem Sonnenuntergänge in leuchtenden Farben und lachende Gesichter. In einem verstörenden Kontext erzählen die Sujets von einer urmenschlichen Sehnsucht nach Harmonie und ästhetischer Erfahrung.

Ähnlich vieldeutig ist Thomas Gallers Arbeit «Arab Air Max». Galler bat Freunde, zusammen mit dem Nike-Onlineservice «Id» Turnschuhe vom Typ Air Max in der Farbpalette der panarabischen Flagge zu designen. Die Produktion versiegte, weil Nike das dafür notwendige «Mystic Green» aus seiner Farbpalette entfernen liess. Im Akku stehen fünf Schuhe in Reih und Glied und thematisieren vor dem Hintergrund der ursprünglich establishmentkritischen Sneakerkultur Ausgrenzungsmechanismen und die Grenzen von Individualität.

«High Noon» im Kunstmuseum

Im Kunstmuseum schliesslich lässt der renommierte Berner Fotograf Andri Pol (* 1961), der in Luzern eine Ausbildung zum ­Zeichenlehrer absolvierte, Situationskomik in umweltverschmutzten Regionen aufblitzen. Jonas Burkhalter (* 1983) hat sich für seine Installation, bestehend aus einer Plane mit aufgedruckten Autoreifen, von einer USA-Reise inspirieren lassen. Seine darum herum gruppierten, bewusst unspektakulären grossformatigen Analogfotos reflektieren Zivilisationsspuren und interagieren mit dem Objekt in der Raummitte. Das Künstlerduo Karin (* 1968) und Didi (* 1976) Fromherz schliesslich reflektiert in der Animation «High Noon!» Rituale aus den Feldern der Rockkultur, dem Western, dem Slapstick und der Feierkultur. Fortsetzung folgt ...

Hinweis

Jonas Burkhalter, Karin und Didi Fromherz und Andri Pol im Kunstmuseum Luzern. Bis 15.10.

www.kunstmuseum.ch

Davix, Thomas Galler, Lina Müller und Luca Schenardi im Akku Emmenbrücke. Bis 15.10.

www.akku-emmen.ch

Andri Pol, «Dach», Assam, Indien, 2015. Das Foto entstand im Rahmen einer Auftragsserie zum Thema Wasser. (Bild: Andri Pol/PD)

Andri Pol, «Dach», Assam, Indien, 2015. Das Foto entstand im Rahmen einer Auftragsserie zum Thema Wasser. (Bild: Andri Pol/PD)

Die Animation «High Noon» von Karin und Didi Fromherz im Kunstmuseum reflektiert das Ritual. (Bild: Karin und Didi Fromherz/PD)

Die Animation «High Noon» von Karin und Didi Fromherz im Kunstmuseum reflektiert das Ritual. (Bild: Karin und Didi Fromherz/PD)

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