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21ST CENTURY CONCERTS: Für einmal schlägt das Herz von Los Angeles live in Luzern

Zum Auftakt der Saison präsentierten die Sinfonietta de Lausanne und das Marc Hunziker Trio die Musik des Award-Lieblings «La La Land». Eine Hommage an den verträumten Klang – mit kleinen Schwächen, was das Timing betrifft.

Es passt prima: Vor dem KKL drehen sich glitzernd die Karussells der Luzerner Määs und leuchten ins Konzerthaus hinein. Direkt vor der Glasfront wirbeln glückliche Menschen im nostalgischen Kettenkarussell schwungvoll im Kreis. Während im grossen Konzertsaal Ryan Gosling auf der Leinwand zu sehen ist, wie er über die bekannteste Landungsbrücke von Los Angeles, den Santa Monica Pier, tanzt, wo schon viele Hollywood-Filme gedreht wurden – im Hintergrund das so grosse wie schöne Riesenrad.

Gosling singt dazu den Oscar-prämierten Filmsong «City of Stars», das wiederkehrende Thema des 2017 mit insgesamt ­sieben Golden Globes und sechs Oscars ausgezeichneten Musicals «La La Land». Im KKL spielt zu dieser Szene am Samstagabend der Luzerner Musiker Marc Hunziker live am Flügel – ein wunderschöner Moment. So wie auch die einfühlsame musikalische Begleitung von Emma Stone in der Szene ihres Vorsprechens für ­einen Film in Paris den Saal sehr, sehr still werden lässt: Stone singt «The Fools Who Dream» ­(«Audition»), die Musiker auf der Bühne direkt unter der Leinwand setzen die richtigen emotionalen Akzente dazu, und alles lauscht.

Wenn das Saxofon einen Streit untermalt

Alles in allem sind es die eher langsamen Sequenzen, in denen die Sinfonietta de Lausanne und das Marc Hunziker Trio (Marc Hunziker, Piano; Laura Cesar, Kontrabass; Jürg Voney, Schlagzeug) zu überzeugen wissen. So auch in der Szene des Streits zwischen dem ehrgeizigen Jazzpianisten Sebastian und der aufstrebenden Schauspielerin Mia: Pianist, Schlagzeuger und Saxofonist untermalen diesen Streit gekonnt, bis die Musik abrupt aufhört und der Zuhörer weiss: Nun ist der Wendepunkt der Liebesgeschichte erreicht.

An dieser Stelle wird auch ganz klar: «La La Land» ist ein Musikfilm – hier steht die Musik im Vordergrund, der Herzschlag von Los Angeles, der Herzschlag der Protagonisten. Nicht umsonst erhielt Komponist Justin Hurwitz 2017 den Oscar für die beste Filmmusik, im Musical seines Freunds und Weggefährten, Damien Chazelle.

Gleichzeitig stellt diese Dominanz der Musik eine Herausforderung für das Format der ­Kinofilm-Livekonzerte dar. Es ist äusserst anspruchsvoll für ein Orchester, die perfekt getimte Tonspur zu der Gesangsspur der Protagonisten auf der Leinwand zu liefern. Hier kann das Erfolgsformat wohl auch mal an Grenzen stossen. So tauschen sich in der Pause im Publikum manche ­Musikkenner darüber aus, dass der Groove des Orchesters nicht immer ganz genau zum Groove der Sänger passte – und auch Orchester und Band beim Timing manchmal nicht zu hundert Prozent harmonierten. Speziell bei den schnellen Stücken nicht.

Andererseits werden gerade dem Marc Hunziker Trio und einzelnen Musikern aus Lausanne herausragende Leistungen attestiert: Immer wieder fasziniert Pianist Marc Hunziker mit seinem klaren und einfühlsamen Spiel, und immer wieder wissen die Musiker an Trompete, Saxofon und Querflöte zu begeistern.

Die Musiker ziehen die Blicke auf sich

Dirigent Kevin Griffiths agiert hoch konzentriert und mit Leidenschaft. Es ist eine Freude, ihm und den Musikern von oben zuzuschauen – wer «La La Land» schon mal im Kino gesehen hat, der vergisst manches Mal, auf die Leinwand zu schauen und lässt den Blick lieber auf dem ­Orchester ruhen. Spielt im Film Ryan Gosling auf dem Piano und auf der Bühne Marc Hunziker am Flügel, dann wandern die ­Blicke hin und her und bleiben bald am live spielenden Musiker hängen.

Während des Abspanns hat die Sinfonietta de Lausanne noch einmal einen grossen Auftritt, den sie gekonnt meistert. Was folgt, ist ein langer und warmer Applaus, gerade auch für die Band, die an diesem Abend den Jazz in die Herzen der Zuhörer gepflanzt hat und den Groove von Los Angeles live in Luzern hörbar machte. Ein schöner Auftakt in die neue Saison.

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

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