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Die Reihe «Klanghalt » geht zu Ende:
35-mal die Zeit angehalten

2500 Besucher haben sich von über 400 singenden und musizierenden Menschen in den Katharinen-Kreuzgang einladen lassen. Das St. Galler Projekt «Klanghalt» erstreckte sich über ein Jahr und endet am Samstag.
Martin Preisser
Das Klanghalt-Team (v. l.): Norbert Schmuck, Ruth Falk, Imelda Natter und Lukas Gugger im Kreuzgang von St. Katharinen. (Bild: Sabrina Stübi)

Das Klanghalt-Team (v. l.): Norbert Schmuck, Ruth Falk, Imelda Natter und Lukas Gugger im Kreuzgang von St. Katharinen. (Bild: Sabrina Stübi)

«In einer Zeit, in der viel Durcheinander und viel Ratlosigkeit herrscht, tut so eine Art kleiner Gottesdienst wie ‹Klanghalt› gut. Ich gehe jeweils getrost wieder meines Weges», sagt die 92-jährige St. Gallerin Elsy Isenring. Das fünfte Mal war sie letzten Samstag zu Gast bei «Klanghalt».

«Aahalte, Inelose, Mitsinge» ist das Motto der kleinen Kulturreihe, die seit dem 11.11. letzten Jahres jeden Samstag im lauschigen und in der Bevölkerung gar nicht so bekannten Kreuzgang von St. Katharinen stattfindet. Der Innenhof hat eine wunderbare Akustik. Und wenn Musik erklingt oder ein Vokalensemble singt, wähnt man sich in fernen, vergangenen Zeiten.

Oase im hektischen Konsumalltag

2500 Besucher zählten die Veranstalter an den 35 Anlässen. Besucher, die bewusst für zwanzig Minuten dem hektischen Konsumalltag entfliehen und mit Musik und Texten einen Moment zur Ruhe kommen, innehalten, stille werden wollten. «Zwanzig Minuten ist genau die richtige Portion Stille», sagt Norbert Schmuck. Der Organist und Mitorganisator der Reihe ist fast wehmütig, dass sie nächsten Samstag schon wieder Vergangenheit ist.

Auf jedem Notenständer ein Wort: In der Reihe "Klanghalt" entstanden auch neue Texte. (Bild: Martin Preisser)

Auf jedem Notenständer ein Wort: In der Reihe "Klanghalt" entstanden auch neue Texte. (Bild: Martin Preisser)

Der Ablauf war immer derselbe: Die Gäste wurden am Eingang zum Kreuzgang empfangen. Dann Musik, ein Text, der über ein vorgegebenes Wort reflektierte, sowie ein Luther-Choral, der von einem Chor oder Gesang­ensemble vorgetragen und dann nochmals von allen Besuchern mitgesungen wurde. Die kleine Meditation endet ohne Applaus, die Gäste werden aus dem Moment von Ruhe wieder in den Alltag entlassen.

Den roten Faden bildeten 35 Choräle nach Texten von Luther, meist vertont von Bach. «Musik ist ein Geschenk Gottes, das Gemüter freimachen, unschuldige Freude bereiten und Zorn, Begierde und Hochmut vergehen lassen kann», hat der Reformator geschrieben. Die Reihe «Klanghalt» ist auch ein Beitrag zum Jubiläum 500 Jahre Reformation.

Singen von Chorälen gehört zum Weltkulturerbe

Barbara Hürlimann und Yuko Ishikawa, beide Geigerinnen im Sinfonieorchester St. Gallen, stimmten letzten Samstag mit Musik von Telemann auf den Anlass ein, der neben dem Luther-Choral auch zwei gregorianische Choräle bereithielt. Das Singen von Chorälen gehört mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco. «Wenn wir hier in St. Katharinen Choräle singen, reihen wir uns damit auch in ein Stück faszinierender Geschichte ein», sagt Organistin Imelda Natter, im «Klanghalt»-Team verantwortlich für das Konzept.

Auf 35 Notenständern findet man je ein Verb, das sie vorgegeben hat und über das dann am nächsten Klanghalt jeweils ein (oft auch neu gedichteter) Text rezitiert wurde. «Entzünden, Himmelreichen, Dreieinigen, Toben» sind solche Verben, aber auch «Kriegen». Christian Kind, dem Präsidenten der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen-Centrum, sind dazu folgende Worte eingefallen: «Lass uns innehalten, stillehalten, das Wort empfangen, das du uns schenkst, und allen weitergeben, so wird es wahr.»

Stille stellt sich nicht automatisch ein

Die Zeilen umschreiben sehr schön die spezielle «Klanghalt»-Atmosphäre. Über vierhundert Mitwirkende, musizierend und Choräle singend, haben zu einem Jahr spezieller Meditation beigetragen. Klanghalt hat so auch zur Vernetzung beigetragen, neue Kontakte und Begegnungen ermöglicht. Es dauerte ein wenig letzten Samstag, bis im Kreuzgang Stille eintrat. Stille ist nicht leicht herzustellen und nicht leicht auszuhalten. Wenn sie dann aber spürbar wird, tut sie gut. Und bei «Klanghalt» ist es diese Stille, die erst möglich wird, wenn Musik oder Wort die Zäsuren setzt. 35-mal solche Oasen zu organisieren, da steckt viel Herzblut und Engagement dahinter. Man wünscht solchen feinen Kulturideen Möglichkeiten der Fortsetzung.

Hinweis

Letzter Klanghalt: Samstag, 7.7., 17 Uhr, St. Katharinen, St. Gallen; klanghalt.ch

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