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370 Künstler wollen beim «Heimspiel» ausstellen, nur 75 dürfen

Dieses Wochenende eröffnet in vier regionalen Museen die jurierte Gruppenausstellung «Heimspiel». Drei Ostschweizer Kunstschaffende berichten über ihre Erfahrungen mit dem Wettbewerb, der alle drei Jahre die Gemüter erhitzt.
Christina Genova
Videostill aus «Abschiffer» von Andrea Vogel. Der Film ist die Reaktion auf die fünfte Absage beim «Heimspiel». (Bild: Andrea Vogel)

Videostill aus «Abschiffer» von Andrea Vogel. Der Film ist die Reaktion auf die fünfte Absage beim «Heimspiel». (Bild: Andrea Vogel)

Das «Heimspiel» ging bei Andrea Vogel buchstäblich den Bach runter. Die St. Galler Künstlerin hat sich dieses Jahr zum fünften Mal für die regionale Gruppenausstellung beworben – und ist wieder nicht dabei: «Ich war enttäuscht, das ist ja klar», sagt die 44-Jährige. Eine externe Jury wählte aus 370 Bewerbungen aus fünf Kantonen und drei Ländern Arbeiten von 75 Künstlern aus. Andrea Vogels Reaktion auf die fünfte Absage ist ein kleines Filmchen. Titel: «Abschiffer». Aus dem Ablehnungsschreiben auf edlem Briefpapier – schwarz-weisser Briefkopf mit Goldprägung – faltete sie ein Schiffchen. Das liess sie dann in der St. Galler Mülenenschlucht die Steinach runterstürzen.

Jedes Jahr ein «Heimspiel»

Andrea Vogel.

Andrea Vogel.

Andrea Vogel kann sich nicht über mangelnde Anerkennung beklagen: In den letzten Jahren erhielt sie Werkbeiträge, Förderpreise und 2015 eine grosse Ausstellung im Kulturraum am St. Galler Klosterplatz. Trotzdem wurmt sie die ­Sache mit dem «Heimspiel». Sie weiss auch warum: «Weil es nur alle drei Jahre stattfindet, ist eine Absage niederschmetternd und hochemotional.» Eine Teilnahme gelte als besondere Auszeichnung, als Ausdruck davon, als Künstlerin ernst genommen zu werden. Die Künstlerin plädiert deshalb dafür, das «Heimspiel» jedes Jahr zu organisieren, wie dies auch andernorts in der Schweiz der Fall sei: «Wenn man dann einmal nicht dabei ist, ist es nicht so schlimm.»

Für Andrea Vogel hat sich die Absage insofern relativiert, als sie dieselbe Videoarbeit, die von der «Heimspiel»-Jury abgelehnt wurde, an der «Canto­nale» zeigen darf, dem Pendant zum «Heimspiel» der Kantone Bern und Jura. Sie kann daran teilnehmen, weil sie im Kanton Bern aufgewachsen ist. Für die Künstlerin ist es unverständlich, dass dieses Jahr auch noch Glarus zu den «Heimspiel»-Kantonen dazu gestossen ist: «Warum will man nicht mehr Künstler des harten Kerns zeigen, welche die regionale Szene beleben?»

Stefan Vollenweider (Bild: Daniel Dorrer)

Stefan Vollenweider (Bild: Daniel Dorrer)


Zu diesen zählt auch Stefan Vollenweider. Der 68-jährige Rapperswiler hat drei Mal am Wettbewerb teilgenommen – erfolglos. Jetzt, beim vierten Mal, ist er dabei: «Es hat mich überrascht», sagt der Künstler. Der Querkopf hat sich wiederum nicht an die Vorgaben gehalten und statt drei Werkvorschlägen nur einen eingegeben: «Ich arbeite nicht zur Auswahl. Wenn ich mitmache, dann mit einer Arbeit, die ich explizit zeigen will.» An der Form des Wettbewerbs stört ihn ausserdem, dass er nicht ortsspezifisch arbeiten kann, was er sonst hauptsächlich tut. Vollenweider hatte sich vorgenommen, nur noch dieses eine Mal mitzumachen. Wäre er erneut nicht angenommen worden, hätte er sich eine mögliche Protestaktion überlegt: «Es sind viele Künstler immer wieder beim ‹Heimspiel› dabei. Nach drei Teilnahmen müsste Schluss sein.»

Stefan Vollenweiders Installation «Safe Place »in der Kunsthalle St.Gallen. (Bild: Stefan Vollenweider)

Stefan Vollenweiders Installation «Safe Place »in der Kunsthalle St.Gallen. (Bild: Stefan Vollenweider)

Stefan Vollenweider wird seine Installation «Safe Place» in der Kunsthalle St. Gallen zeigen. Es ist eine prekäre Architektur aus Dachlatten, Wellkarton und mit Holzdekor bedrucktem Papier. Das Werk entstand ausgehend von der unscharfen Fotografie eines Fernseh­bildes. Der Aufbau der grossformatigen Installation verlief wider Erwarten problemlos, niemand hat sich eingemischt. Vollenweider ist zufrieden: «Dass es jetzt geklappt hat, hat gestimmt.»

Die Steine zum Tanzen gebracht

Juliette Uzor (Bild: PD)

Juliette Uzor (Bild: PD)

Gänzlich unbelastet hat sich Juliette Uzor fürs «Heimspiel» beworben. Sie gehört zu den jüngsten Teilnehmerinnen. Der 26-Jährigen war gar nicht bewusst, wie viel Gewicht der Wettbewerb für die Ostschweizer Kunstschaffenden hat. Sie hat es beim zweiten Anlauf geschafft und sich sehr darüber gefreut: «Es ist mir wichtig, meine Arbeit öffentlich zu zeigen und Erfahrungen in einem neuen Raum zu sammeln.» Die St. Gallerin, die in Bern Kunst und Vermittlung und Kunstgeschichte studiert hat, stellt im Kunstraum Dornbirn ihre Bachelorarbeit «Piazzetta» aus. Dafür hat sie Pflastersteine aus Styropor zu einem Platz ausgelegt und die Muster «zum Tanzen» gebracht. Einen ganzen Tag brauchte sie mit einer Freundin, um die Steine auszulegen: «Mich interessiert, was einen Platz ausmacht, welche Funktion er hat.» Das Element der Bewegung ist in ihrer Kunst immer dabei: Im Sommer schliesst Uzor ihr Tanzstudium an der Manufacture in Lausanne ab.

Juliette Uzors Installation «Piazzetta »im Kunstraum Dornbirn. (Bild: PD)

Juliette Uzors Installation «Piazzetta »im Kunstraum Dornbirn. (Bild: PD)

Heute Freitag, 14.12.18, Vernissage in St. Gallen: 16 Uhr, Projektraum Nextex; 18 Uhr Kunsthalle; 20 Uhr Kunstmuseum. Morgen, 15.12.18, 17 Uhr, Vernissage im Kunstmuseum Appenzell. www.heimspiel.tv

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