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40. TODESTAG: King Elvis lebt!

Zum 40. Todestag würdigen zwei mit prächtigen Bildern vollgepackte Bücher auf unterschiedliche Weise den King of Rock ’n’ Roll.
Oliver Seifert
Elvis Presley 1956 bei einem Auftritt in Florida. (Bild: Sunset Boulevard/Schirmer-Mosel)

Elvis Presley 1956 bei einem Auftritt in Florida. (Bild: Sunset Boulevard/Schirmer-Mosel)

Oliver Seifert

Ein Satz wie ein Paukenschlag. Laut, kernig, leidenschaftlich, markerschütternd, punktgenau und nachhallend: «Elvis war ein gottverdammter Lastwagenfahrer, der seine Mutter anbetete und in ihrer Nähe niemals Scheisse oder Ficken gesagt hätte, und doch stiess Elvis Amerika mit der Nase auf die Tatsache, dass es einen Unterleib hatte, dessen kategorische Forderungen unerfüllt geblieben waren», schreibt der Musikkritiker Lester Bangs in ­seiner Würdigung des King of Rock ’n’ Roll. Der Text erschien im Original in der Village Voice am 29. August 1977.

Pünktlich zum 40. Todestag von Elvis Aaron Presley gibt Bangs’ kritische, zeitgenössische Ehrung «Wo waren Sie, als Elvis starb?» («Where Were You When Elvis Died») dem Bilderbuch den markanten Titel. Es ist eine kleinformatige, preiswerte Anschaffung, die durch Text und 64 folgende Fotografien einen ersten Eindruck vom revolutionären Hüftwackler verschafft. Enthalten sind Dokumente der frühen Phase von 1954–1960, die einen Jüngling mit mannigfaltigen Qualitäten auf seinem Weg von ganz unten nach ganz oben porträtieren.

Inthronisierter Herrscher über die jubelnden Massen

Das erste, grobe schwarz-weisse Foto zeigt ihn, 17-jährig, mit Freunden, das letzte, scharfe Foto präsentiert den sonnenbebrillten Star mit pechschwarzen Haaren und blütenweissem Hemd in grellen Farben – der König von Rockland als inthronisierter Herrscher über die jubelnden Massen. Zwei Motive, nur sechs Jahre auseinander, als Belege einer rasanten Entwicklung, die noch weiter Fahrt aufnehmen wird. «Wo waren Sie, als Elvis starb?» bietet einen schnellen, direkten Zugang auf einen kleinen Ausschnitt der Biografie, immerhin, aber auch nicht mehr.

Etwas umfassender will die zweite Neuveröffentlichung auf dem deutschsprachigen Markt das Phänomen Elvis beleuchten, darauf lässt schon das grossformatige, goldene Hardcover von «Elvis – die Legende» schliessen. Die Musikjournalistin Gillian G. Gaar ist dem Leben des unverschämt erfolgreichen Sängers und Schauspielers, wahlweise als «Elvis The Pelvis» («Elvis, das Becken») oder The Singing Quiff («Die singende Tolle») charakterisiert, auf der Spur. Ihr Text betrachtet wichtigste Lebensstationen als Künstler (als Pionier des Rock ’n’ Roll, als Kinostar, als Entertainer, als Stilikone), aber auch als Privatmann (als Freund, als Soldat, als Wohltäter, als Sportler).

Gerade der private Elvis ­imponiert. Der sich als G. I. durchbeisst (und regelmässig zu Manövern muss, um die Fans abzuschütteln). Der dem Karatetraining nach seiner Armeezeit in Deutschland verfallen ist als einer der wenigen Amerikaner ohne asiatische Wurzeln. Der sein Glück mit anderen teilt. Der eben Kinos und Vergnügungsparks anmietet, der zig dicke Autos und protzige Motorräder kauft – für sich wie für Familie und Freunde. Und der viel Geld für Bedürftige spendet und häufig Benefizkonzerte spielt. Auch das ist Teil der Legende und zementiert die Ausnahmeerscheinung. Gaars biografischen Fakten sind die entsprechenden Fotos oder Erinnerungsstücke wie Plakate oder Telegramme zugeordnet. Ein buntes Sammelsurium, das auf ein reiches Leben verweist. Grundlegend neue Erkenntnisse sind nicht zu bestaunen, aber das ist auch nicht der Anspruch des opulenten Bandes.

Aufschlussreiche Immobilien

Vielleicht ist es ja der richtige Moment im Falle von King Elvis, die Bilder sprechen zu lassen. Die beiden Bände liefern da interessante Aufschlüsse auch in Fragen des Immobilienerwerbs. Im zuletzt vorgestellten Band ist Elvis 1956 vor seinem ersten Eigenheim am Audubon Drive zu sehen, die Arme verschränkt, der Hemdkragen hochgestellt, der Blick aufmüpfig bis streitsuchend, im Hintergrund ein Durcheinander aus Flachbauten, Bäumen und Cadillacs. Der zuerst vorgestellte Band zeigt ihn ein Jahr später 1957 vor seinem letzten Eigenheim in Graceland, einem herrschaftlichen Anwesen. Der Besitzer geht in weissem Freizeitlook einen Schritt auf den Betrachter zu, in aufrechter, selbstbewusster, stolzer Haltung, frei von jeder Aggressivität. Eine beinahe beiläufige Beobachtung, die zu einer grundlegenden Einsicht führt: Was nur aus dem wilden Kerl geworden ist. In so kurzer Zeit. Nach gerade einmal 42 Jahren fand dann dieses aussergewöhnliche, intensive, wandlungsreiche Leben sein natürliches Ende. Doch auch weiterhin gilt: Der King lebt!

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