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700 Meter Alpaufzug im neuen Tunnel

Der Graffiti-Künstler Pirmin Breu bemalt seit gestern den neuen Ruckhaldetunnel in St. Gallen. In drei Wochen soll der längste Alpaufzug der Welt fertig sein – und künftig die Bahnpassagiere erfreuen.
Nina Rudnicki
In drei Wochen wird diese erste Graffiti-Kuh Teil des längsten Alpaufzugs über die ganze Länge des Ruckhaldetunnels sein. (Bild: PD)

In drei Wochen wird diese erste Graffiti-Kuh Teil des längsten Alpaufzugs über die ganze Länge des Ruckhaldetunnels sein. (Bild: PD)

«Bis ich mit meiner Arbeit im Ruckhaldetunnel in St. Gallen ­anfangen konnte, war es ein schmerzlicher Weg», sagt Pirmin Breu. Seit gestern Montag arbeitet der Künstler aus dem aargauischen Freiamt dort an seinem neuen Werk, einem 700 Meter Bild eines langen Alpaufzuges. Um sich darauf vorzubereiten, hat er im vergangenen Winter viele Tage in einem bestehenden Tunnel der Appenzeller Bahnen verbracht.

Mit Spraydosen, Entwürfen und Ideen ausgerüstet, probierte er aus, wie er Tiere und Menschen am besten auf die Tunnelwand bringen konnte. Sie sollten nicht zu aufdringlich und grell wirken wie eine Reklametafel, sondern dezent, fast schon im Verborgenen liegen: «Wenn sich die Zuggäste nahe an die Scheiben neigen, werden sie den Alpaufzug im Schein der Zugfensterbeleuchtung entdecken.»

In der Kälte die beste Technik gefunden

Breu experimentierte mit Farben, Formen, Grössen und verschiedenen Abständen zwischen den Bildelementen. Nach jedem Versuch stieg er selbst in den Zug, fuhr an seinen Entwürfen vorbei, studierte sie und überstrich sie anschliessend wieder. «Beim Probemalen im Tunnel habe ich oft gefroren, dafür jetzt aber die beste Technik gefunden», sagt er.

«Beim Probemalen im Tunnel habe ich oft gefroren.»

Den Alpaufzug im Ruckhaldetunnel wird er mit schwarzer Farbe auf die Wände bringen. Die Geissen, der Bless, die Pferde, Kühe, Schweine, Knechte, Sennen und Bäuerinnen sollen aus reduzierten Linien bestehen und mit weisser Farbe schattiert werden, so dass ein 3D-Effekt entsteht. «Damit erreiche ich mein Hauptziel: Die Zuggäste sollen sich nicht im Sessel zurücklehnen und sich berieseln lassen. Sie sollen sich mit jeder Fahrt auf eine Reise begeben, während der sie etwas Neues entdecken können, wenn sie möchten», sagt er.

Kunst an der Grenzmauer zwischen USA und Mexico

Mit Alpaufzügen beschäftigt sich Pirmin Breu mittlerweile seit ­ 15 Jahren. Damals hatte sich der heute 46-Jährige bereits als Streetart-Künstler einen Namen gemacht und unter anderem in den USA und Thailand ausgestellt. Auch auf der Grenzmauer zwischen den USA und Mexico in Playas de Tijuana ist ein 200 Meter langes Kunstwerk von ihm entstanden. Dieses besteht aus schwarzen Figuren, einem roten Kreuz und dem Schriftzug «ni una muerte más reforma ya» (Auf Deutsch: «Keine weiteren Toten, Reform jetzt!»). Der Spruch erinnert an die vielen Menschen, die jedes Jahr beim Versuch, in die USA einzureisen, ums Leben kommen.

Während seiner Reisen durch Südamerika, die USA und Asien merkte Pirmin Breu, wie er sich immer stärker für seine eigenen Wurzeln zu interessieren begann. In den traditionellen Hand- und Kunstwerken in den verschiedensten Ländern entdeckte er Elemente, die ihn an Appenzeller Traditionen erinnerten. Die Lederstanzereien in Asien glichen beispielsweise Appenzeller Scherenschnitten und mexikanische Muster den Stickereien der Appenzeller Trachten.

Breu begab sich auf Spurensuche in der Heimat seiner Eltern, im Rheintal und im Appenzell. «Künstlerisch verarbeitet habe ich all das in meinen Alpaufzügen. Sie enthalten sowohl Heimat als auch das, was ich in der Welt gesehen habe», sagt er. Dinge zusammenzubringen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, und Altes mit Modernem zu kombinieren, ist charakteristisch für Breus Arbeiten. «Durch diese Verbindung leben Traditionen wieder auf», sagt er. Die Spray­dose ist oft sein Werkzeug dabei.

Pirmin Breu

Pirmin Breu

Aus Not in die USA ausgewandert

Seine Begeisterung für Graffiti entdeckte Breu bereits als Jugendlicher. Zunächst sprayte er illegal, bis er nach einem Jahr erwischt wurde und 14 Anzeigen bekam. Danach entschied er sich für eine Lehre als Schriftenmaler, lernte zu vergolden und mit Pinseln Schriftzüge auf Schaufenstern und Autos anzubringen. Zeitgleich mit seinem Lehr­abschluss kamen allerdings die Computer auf den Markt, und es gab innert kürzester Zeit keine Jobs als ursprünglicher Schriftenmaler mehr. Aus der Not heraus wanderte Breu in die USA aus und fing an, Kunst zu machen.

«Das Pech von damals hat sich im Nachhinein also als Glück entpuppt.»

Regelmässig bekommt Breu auch Anfragen von Unternehmen. So hat er unter ­anderem für die Pilatus-Werke in Stans Flugzeuge bemalt und für die Appenzeller Bahnen vor einigen Jahren bereits einen Zug­wagen mit einem Alpaufzug besprayt. Der Alpaufzug im Ruckhaldetunnel ist wahrscheinlich die letzte grosse Arbeit zu dem Thema. «Es wird der längste handgemalte Alpaufzug, den es gibt», sagt er. «Für mich endet damit die Spurensuche.»

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