Abenteuerlustig, überraschend und risikofreudig – diese Band überzeugt

Die frankoschweizerische Band «For A Word» von Gauthier Toux ist ein erster Höhepunkt im jungen Musikjahr.

Stefan Künzli
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Risikofreudig: Lea Maria Fries mit «For A Word».

Risikofreudig: Lea Maria Fries mit «For A Word».

Bild: Stanislas Augris

Die wirklich spannende Musik entsteht heute an den Rändern, an den stilistischen Schnittstellen, wo musikalische Zuordnungen schwerfallen, ja unmöglich sind. Das gilt auch und erst recht für die neue, hervorragende franko­schweizerische Band «For A Word» des Pianisten und Keyboarders Gauthier Toux. Die Musik ist geprägt von Pop, Rock und Electronica, der ­Ansatz ist aber ein improvisatorischer. «For A Word» atmet den experi­mentellen, offenen und spontanen Geist des Jazz.

Der hoch gehandelte 26-jährige Franzose Gauthier Toux studierte an der Musikhochschule Lausanne und hat einen starken Bezug zur Schweiz. Bisher hat er als Pianist mit seinem Jazz-Trio für Aufsehen gesorgt, für seine neue Band ist er jetzt tief in die elektronische Klangwelt der Synthesizer vorgedrungen.

Der Grundstein zur neuen Band wurde vor bald drei Jahren am Festival in Cully gelegt, wo er mit dem Genfer Schlagzeuger Valentin Friedli und dem französischen Bassisten Julien Herné (bekannt von Vincent Peirani) spielte. Vor Ort lernte er die Luzerner Sängerin Lea Maria Fries kennen, die er spontan zum gemeinsamen Spiel einlud. «Wir haben einfach gejamt, aber es hat unglaublich gut gepasst. Wir waren alle geflasht. Auch das Publikum war Feuer und Flamme», sagt Fries. Es war die Geburtsstunde von «For A Word».

Faszinierende Stimme von Lea Maria Fries

Nach ersten enthusiastisch gefeierten Konzerten in Frankreich, Studioaufnahmen in Winterthur ist jetzt das Debüt von «For A Word» mit Gastsolist Emile Parisien (Sopransax) erschienen. Diesen Samstag präsentiert die Band ihre Musik erstmals in der Schweiz, am Festival Match&Fuse im «Moods», Zürich.

Dabei spielt Lea Maria Fries (30) aus Schötz eine tragende Rolle. Nicht nur als Leadsängerin. Faszinierend, wenn sie ihre Stimme wie ein Instrument einsetzt und in den Gesamtklang mischt. Gehaucht, gefiepst, gequietscht oder gesprochen. Dazu steuert Fries alle Texte in Englisch, Deutsch und Französisch bei. «Oft ist der Titel des Stücks schon da», sagt sie, «ich passe dann die Lyrics der Stimmung des Songs an. Dabei ist mir wichtig, dass ich eine Geschichte erzähle.»

«For A Word» gehört zu jenen europäischen Bands, die vom Jazz-Gedanken aus zu neuen Ufern aufbrechen. Es ist keine Abkehr, sondern eine Neudefinition unter dem Gebot der totalen Offenheit. In diesem Kontext fühlt sich die viel beschäftigte Sängerin wohl, die mit der Elektro-Pop-Band Vsitor und dem offenen Jazzprojekt 22° Halo weitere Eisen im Feuer hat.

Wie gut die Band harmoniert, zeigt auch, dass Fries ihren Lebensmittelpunkt inzwischen nach Paris verlegt hat. Aus musikalischen und privaten Gründen. Hier lebt sie mit Julien Herné, dem Bassisten der Band. «For A Word» ist ein erster Höhepunkt im noch jungen Musikjahr. Abenteuerlustig, überraschend und risikofreudig.

Tipps:
Gauthier Toux For A Word: Live:
1. 2. Moods, Zürich
20. 2. BeJazz Bern
14. 3. SAS Delemont

Lea Maria Fries, 22° Halo: Live:
11. 2. Kleintheater Luzern
3. 5. Jazzfestival Basel
8. 5. Neubad Luzern

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