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Musical in Stans: Abgefahren und voller bösem Humor

Das Theater Stans geht zurück in die 1980er-Jahre. Mit der Inszenierung von «Little Shop of Horrors» gelingt Regisseurin Bettina Dieterle eine Punktlandung. An der Premiere gab es stehende Ovationen.
Marion Wannemacher
Lukas Tschümperlin vesucht als Seymour, die tödliche Pflanze zu bändigen. (Bilder: Ben Hochreutener und Emanuel Wallimann / PD)Lukas Tschümperlin vesucht als Seymour, die tödliche Pflanze zu bändigen. (Bilder: Ben Hochreutener und Emanuel Wallimann / PD)
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Die besten Bilder vom Musical "Little Shop of Horrors"

Inspiriert und beschwingt verlassen die Zuschauer am Samstagabend den Saal im Theater an der Mürg, der eine oder andere noch mit der Titelmelodie von «Little Shop of Horrors» im Ohr. Sie haben gerade die vielleicht aufwendigste Produktion der Theatergesellschaft Stans erlebt. Bis in die 1970er-Jahre war diese für ihr Musiktheater bekannt. Daran will man nun anknüpfen.

Die Handlung des US-Musicals aus dem Jahr 1982 ist rasch erzählt: In der heruntergekommenen Vorstadt steht der Blumenladen Mushnik vor dem Ruin. Der Angestellte Seymour züchtet eine fleischfressende Pflanze, die als Attraktion das Geschäft rettet. Doch die Pflanze ist gierig und böse. Genügen zunächst ein paar Blutstropfen von Seymour, so will die Pflanze immer mehr: Menschenfleisch.

Einer nach dem anderen landet in der gierigen Pflanze

Den sadistischen Zahnarzt verfüttert Seymour als Ersten. Auch Mushnik (gespielt vom Theaterpräsidenten Freddy Businger), der seinem Angestellten auf die Schliche kommt, landet im Pflanzenbauch. Längst ist Seymour berühmt, der Laden brummt, doch um welchen Preis? Der schuldbeladene Seymour und die Angestellte Audrey gestehen sich ihre Liebe. Es ist zu spät. Auch die beiden enden im gierigen Schlund.

Crazy, abgefahren, voll bösem Humor und bisweilen kultig kommt der «Little Shop of Horrors» daher. Sogar Musicalmuffel, die unter dem «Oh-nein-schon-wieder-ein-Lied»-Syndrom leiden, lassen sich willig mitziehen.

Heimische Dorfmetzg liefert den regionalen Bezug

Die Handlung wird sehr linear erzählt, denn Bettina Dieterle blieb nicht viel Spielraum. Der Verlag verhängte die strenge Auflage, sich eng an die Vorlage zu halten. Andreas Waser lieferte die Mundartübertragung der Sprechtexte. Die im Laientheater so beliebten regionalen Anspielungen durften eingebaut werden, so die heimische Dorfmetzg und der Gartenbaubetrieb. Als Mushnik vermisst wird, heisst es lapidar: «Der ist in Spreitenbach.»

Unter den 21 Rock- und Popsongs von US-Komponist Alan Menken gibt es durchaus Perlen. Die extra formierte Theaterband begleitet in kleiner Besetzung. Gesanglich hat Stefan Wieland als Vocal-Coach ganze Arbeit geleistet. Hier ist vor allem Linda Schmid in der Hauptrolle der Audrey zu nennen. Ihr Gesang berührt. Dies trotz der teils (satirisch) trivialen Texte, etwa das Lied «Im Grünen irgendwo» mit Füdlibürgeridyll im Reihenhaus mit «gehäkelter Gardine selbst auf dem Gästeklo».

Die Girlgroup Supremes, (Dilara Baglum, Ana Jukic, Alessia Di Nardo, Michelle Elmiger und Eliane Kayser) erfrischen mit ihrem ansprechenden Gesang. Wieland selbst gibt der gierigen Pflanze seine Stimme: rockig und genial abgedreht.

Schauspielerisch Grosses leistet vor allem Lukas Tschümperlin als Seymour. Er erinnert in seiner wunderbar naiven Spielweise fast an den jungen Jim Carrey im Film «Die Truman Show». Raphael Adam reizt seine Rolle des sadistischen Zahnarztes Dr. Orin Scrivello bis zum Letzten aus. In der Arztpraxis (eine einfache weisse Leinwand genügt dafür) quält er genüsslich den armen Seymour. Und lacht sich tot.

Puppenbauer haben ganze Arbeit geleistet

Mit Graffiti beschmierte Häuserwände bilden die Strasse in der Vorstadt. David Leuthold wechselt mit seinem Bühnenbild mühelos von der Aussen- in die Innenperspektive: Mit einem Dreh öffnet sich die Häuserwand, und wir stehen im Blumenladen. Dort wächst die fleischfressende Pflanze, die sich dem Zuschauer in vier Stadien präsentiert: von der kleinen, witzigen Handpuppe bis zum alles dominierenden Monster. Die Puppenbauer haben ganze Arbeit geleistet.

«Wir haben ein grösseres Risiko auf uns genommen als sonst», sagt Theaterpräsident Freddy Businger. «Laien, die sonst nur schauspielern, mussten gleichzeitig singen und sich bewegen», betont Bettina Dieterle, die aus ihrer Zeit mit den Acapickels und dank der Inszenierung von Operetten Erfahrung mitbringt. Auch die Technik mit 16 Funkmikrofonen stelle eine Herausforderung dar.

Die Pflanze steht im Musical für den «unheilvollen Widersacher, der an einem scheinbar höchst unschuldigen Ort auftaucht», ertönt es aus dem Off im Prolog. Regisseurin Dieterle will mit dem Stück bewusst keine Botschaft vermitteln. Die Deutung bleibt dem Zuschauer überlassen. Ist es am Ende nur ein lustiges, aberwitziges Spektakel? Oder kann die Pflanze für alle Eitelkeiten, Selbstinszenierungen und Machtgelüste stehen, die wir unbewusst füttern und die uns am Ende selbst auffressen? Der Finalsong gibt eigentlich die Antwort: «Was immer sie (die Pflanzen) woll’n von dir: Gib’s ihnen nicht!»

«Little Shop of Horrors», Theater an der Mürg, Stans, bis 23. März. www.theaterstans.ch

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