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ACADEMY AWARDS: Hollywood ist im Wandel

Die 90. Oscarverleihung steht kurz bevor, und wieder einmal gaben im Vorfeld ­ nicht nur die Filme viel zu reden. Wie steht es um die Traumfabrik?
Regina Grüter
Die Avengers sind die Helden der Marvel-Comicverfilmungen, aber nicht die Oscargewinner. (Bild: Marvel Studios)

Die Avengers sind die Helden der Marvel-Comicverfilmungen, aber nicht die Oscargewinner. (Bild: Marvel Studios)

Regina Grüter

1929 wurden sie zum ersten Mal vergeben, die Academy Awards. Kommenden Sonntag feiert sich Hollywood zum 90. Mal selber – und die ganze Welt schaut zu. Doch das Hollywood im ursprünglichen Sinne des Wortes, nämlich als ein Ort, wo grosse Filmstudios «ihre» Stars von «ihren» Regisseuren inszenieren lassen, gibt es schon lange nicht mehr. Gemeinhin setzt man Hollywood mit der US-amerikanischen Filmindustrie gleich.

Wenn man mit Hollywood die ­grossen Blockbuster meint inklusive Sequels, Prequels und Spin-offs, wie die neue «Star Wars»-Trilogie (Disney) oder all die Comicverfilmungen aus den Häusern Marvel (Disney) und DC (Warner Bros.), dann hat das wenig bis gar nichts mit den Oscars zu tun. Meint man damit ihre Stars wie eine Meryl Streep, die dieses Jahr zum unglaublichen 21. Mal für einen Oscar nominiert ist, oder Regisseur Steven Spielberg, der die Trophäe auch schon dreimal nach Hause nehmen durfte, dann schon eher. Wobei bei den ­Oscars immer auch No-­Names im Licht stehen, wie etwa 2013 «Beasts Of The Southern Wild» (viermal nominiert) oder letztes Jahr «Moonlight» (8 Nominationen, 3 Gewinne).

Genau darum geht’s bei den Oscars: Die Academy, die sich aus mehreren tausend Filmschaffenden zusammensetzt, vergibt den wichtigsten Filmpreis der Welt an visionäre Kolleginnen und Kollegen und die, die dabei halfen, diese Vision umzusetzen. Wenn man sich die neun nominierten Filme auf ihre Produktionsgeschichte hin durchsieht, stösst man auf viele junge, kleinere Firmen, die sich für den Autorenfilm einsetzen. Aber auch einige grosse, alte sind dabei, wie etwa Warner Bros. («Dunkirk») – Time Warner kann nach Disney (25,3 Prozent) den grössten Marktanteil (17,6) für sich beanspruchen. Fox Searchlight ist ein Tochterunternehmen von 20th Century Fox und hat sich auf britische und/oder Independentfilme spezialisiert («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri», «The Shape Of Water»). News Corporation (Fox) kam 2016 auf 13,5 Prozent. Disney ist zwar der grösste Player, hat aber bei den Oscars wenig bis gar nichts zu melden.

#MeToo und ­ Oscars so white

Hollywood ist im Wandel – nicht erst seit #MeToo. Und die langsame Umgestaltung der Academy von einem Hort weisser, alter Männer zu mehr Diversität ist Ausdruck davon. Eine Erhebung der «Los Angeles Times» aus dem Jahr 2012 führte noch zu folgenden Zahlen: 94 Prozent der Mitglieder waren weiss, 77 Prozent männlich, und das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren. Heute sind es 28 Prozent Frauen und 13 Prozent Nichtweisse. So wurde etwa der britische Schauspieler John Boyega («Star Wars») 2016 als einer von 683 als Neumitglied eingeladen. Letztes Jahr waren es 774, womit die Academy of Motion Picture Arts and Sciences auf die Rekordzahl von mehr als 8400 Mitgliedern angestiegen sein soll.

Die Academy ist jünger, internationaler und weiblicher geworden. Während man nach der «Oscars so white»-Debatte – 2016 war kein einziger schwarzer Darsteller nominiert – erst im Nachhinein reagierte, war man, als die Affäre Weinstein im Oktober letzten Jahres ihren Anfang nahm, bereits auf dem richtigen Weg. Ob #MeToo Einfluss auf die Nominierungen hatte, die erst Ende Januar bekannt gegeben wurden, ist schwierig zu sagen. Und doch gibt es ein paar Vermisstmeldungen, wie oben erwähnten John Boyega in Kathryn Bigelows «De­troit» oder die Thailänderin Hong Chau in Alexander Paynes «Downsizing». Von Kathryn Bigelow, der bisher ersten und einzigen Frau mit Regie-Oscar, ganz zu schweigen (siehe rechts).

Umso erfreulicher sind die Nominierungen der 34-jährigen Greta Gerwig als fünfte Frau in der Kategorie «Beste Regie» und die von Rachel Morrison für die «Beste Kamera» («Mudbound»). Sie ist die erste Frau, die in dieser Sparte nominiert wurde, und das beste Beispiel dafür, wie es laufen sollte: Nämlich so, dass begabte Filmleute unabhängig von Geschlecht und Ethnie gefördert werden und die Zusammenarbeit untereinander absolut selbstverständlich ist. In «Mudbound» erzählt eine schwarze Regisseurin von der Freundschaft eines schwarzen und eines weissen Soldaten, die sich nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg im segregierten Mississippi nicht mehr zurechtfinden.

Es ist einem langsamen Strukturwandel zu verdanken – der durch #MeToo noch einmal einen gewaltigen Push bekommen hat –, dass gerade auch in der Produktion nicht mehr nur «Weinsteins» das Sagen haben. Wurde Greta Gerwig nun nominiert, weil sie eine Frau ist? Nein. Ihr von den kleineren Produktionsfirmen Scott Rudin Productions, Entertainment 360 und IAC Films produzierter Film «Lady Bird» zeigt nur, dass ungewöhnliche Geschichten und Frauencharaktere durchaus ein junges und offenes Publikum finden. Eine Gruppe, die sich eben auch in der Academy besser widerspiegelt. Inwiefern das alles an der Verleihung selber eine Rolle spielen wird? Wir werden sehen.

Die Oscars werden in der Nacht auf Montag, 5. März, vergeben. Live auf SRF 2, ORF 1 und Pro 7 ab 2 Uhr, vorher roter Teppich.

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