Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Konzert im Marianischen Saal Luzern: Acht seelenverwandte Streicher entzücken das Publikum

Das Merel Quartett begeisterte zusammen mit dem jungen Castalian String Quartet in Mendelssohns Oktett op. 20.
Gerda Neunhoeffer
Die beiden Ensembles zauberten am Montagabend mit ihren Interpretationen manch ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer im Marianischen Saal.Bild: Pius Amrein (Luzern)

Die beiden Ensembles zauberten am Montagabend mit ihren Interpretationen manch ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer im Marianischen Saal.Bild: Pius Amrein (Luzern)

Was vor zwei Jahren beim Kammermusikfestival «Zwischentöne» in Engelberg begann, fand nun seine Fortsetzung in einer Konzert-Tournee durch die Schweiz. Das letzte Konzert dieser Reise fand am Montagabend im Marianischen Saal in Luzern statt. Das hochkarätige Merel Quartett spielte damals in Engelberg zusammen mit dem jungen englischen Castalian String Quartet das Oktett op. 20 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dieses Meisterwerk brachte die beiden Streichquartette einander nahe. Cellist Rafael Rosenfeld, in Luzern geboren und aufgewachsen, sagte dazu, das sei ein absoluter Glücksfall gewesen: «Sehr selten findet man solch eine Seelenverwandtschaft im Musizieren zwischen zwei Ensembles.» Dabei entstand auch die Idee, das Oktett in dieser Besetzung auf CD einzuspielen, die nun vorliegt (siehe Hinweis).

Das Merel Quartett eröffnete das Konzert im Marianischen Saal mit Mendelssohns Streichquartett Nr. 1 Es-Dur. In eher ungewöhnlicher Aufstellung mit Rosenfeld, Cello, und Alessandro D’Amico, Bratsche, in der Mitte zwischen den beiden Violinen, entwickelten sie gleich in den ersten gesanglichen Tönen einen Sog, der durch alle Sätze anhält. Satt-süffiger Klang, durchsichtige Gestaltung und gemeinsamer Atem brachte Mendelssohns Töne zum Leuchten. Wie aus den leicht wehmütigen, auch im Unisono wunderbar einheitlichen Klängen der Canzonetta plötzlich die überaus raschen, wie hingehaucht huschenden Töne zunächst in den Violinen (Mary Ellen Woodside und Edouard Mätzener) über den liegenden Tönen in Bratsche und Cello dann umgekehrt gespielt wurden, war zauberhaft. Auch der Gegensatz der Melodien im Andante zum zupackenden Finalsatz, der temperamentvoll hereinbrach, um dann wieder in elegische Gesanglichkeit zu wechseln, wurde meisterlich ausmusiziert.

Spielbare Grenzen ausgelotet

Die Musiker bauten selber um, denn während das Merel Quartett ab Tablet spielte, brauchten die englischen Kollegen herkömmliche Notenständer. Alsbald spielte das Castalian String Quartet das Streichquartett op. 41 Nr. 2 F-Dur von Robert Schumann. Ein anderer Klang, nicht weniger hervorragend, zeichnete die Musiker aus. Sie gingen an spielbare Grenzen, reizten sowohl Dynamik als auch Tempi voll aus und interpretierten mit sichtbarer Spielfreude. Die Primgeigerin Sini Simonen spielte meistenteils auswendig, Charlotte Bonnetons Viola-­Klang war betörend. Christopher Graves liess sein Cello samt und dann wieder fast rauchig klingen, Daniel Llewellyn vervollständigte mit warmem Geigenklang. Kein Wunder, sind diese jungen Musiker mehrfach preisgekrönt. Schumanns Musik wurde zum Ereignis, und man konnte sich vorstellen, wie beide Ensembles Mendelssohns Oktett verschmelzen.

Und diese Vorstellung wurde weit übertroffen. Da trafen acht Streicher aufeinander, denen man diese von Rosenfeld erwähnte musikalische Seelenverwandtschaft durchgängig anhörte. Mitreissender, bis in feinste Nuancen austarierter Klang, eine Intensität, die unter die Haut geht, und man ist versucht, sich in Superlativen zu verlieren.

Elfenhaft spritzige Scherzo

Da waren die bisweilen fahlen, glasklaren Klänge im Andante, da ist das elfenhaft spritzige Scherzo, und wie im Presto das aberwitzige Tempo bis in kleinste Details gehalten und dann noch gesteigert wurde, war genial. Als Zugabe erklang zauberhaft und filigran tänzerisch das Scherzo aus dem Sommernachtstraum im Arrangement von Rafael Rosenfeld. Wie Elfen huschten da die Töne durch den Saal und zauberten Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer: Ein Kammermusikabend, der nachklingt. Wer mehr vom Merel Quartett mit anderen Musikern hören will: Rafael Rosenfeld ist zusammen mit Mary Ellen Woodside künstlerischer Leiter der «Zwischentöne» in Engelberg. Dort gibt es am letzten Oktoberwochenende sieben Konzerte unter dem Thema «Ainsi la Nuit».

Informationen zur CD des Merel Quartetts und des Castalian String Quartet finden Sie unter: www.solo-musica.de.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.