ACTIONFILM «THE GUNMAN»: «Ich wollte keine Eintagsfliege sein»

Sean Penn hat seinen eigenen Kopf und ist nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur sehr erfolgreich. Im Interview spricht der 54-Jährige über seine Karriere, Hollywood und Politik.

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Sean Penn spielt Terrier - elegant in der Öffentlichkeit..., (Bild: PD)

Sean Penn spielt Terrier - elegant in der Öffentlichkeit..., (Bild: PD)

Sean Penn ist einer der kantigsten, vielseitigsten und talentiertesten Charakterdarsteller seiner Generation. Zweimal hat er bereits den Oscar gewonnen. Nun versucht er sich auf seine alten Tage als Action-Darsteller. «Geri-Action» nennt man diesen Trend des Hollywood-Actionfilms, in der betagte Herren in Rambo-Manier die Welt oder wenigstens ihr eigenes oder das Leben ihrer Lieben retten. «The Gunman» heisst Penns erster echter Ausflug ins Action-Genre. Darin spielt er einen ehemaligen Söldner, der wieder zur Waffe greifen muss.

APERO: «The Gunman» ist Ihr erster klassischer Actionfilm. Wollen Sie auf Ihre alten Tage noch ein Actionstar werden?

Sean Penn: Nein, ich bin eher der Typ, der von Film zu Film schaut. Ich schätze, im Moment bin ich in der sogenannten «Geri-Action»-Phase. Damit bezeichnet man Actionfilme mit alten Männern («Geri-Action» ist ein Kompositum aus den Wörtern «geriatric», betagt, und Action; Red.).

Woran liegt es, dass die Actionszenen hier anders wirken als in anderen Filmen des Genres?

Ich mochte das Kämpfen im Stil von Krav Maga (israelische Selbstverteidigungs-Kampfmethode). Sie unterscheidet sich von anderen Kampfkünsten, da sie nicht auf sportlichen Grundlagen aufbaut. Ich wollte den taktischen Aspekt des Kämpfens zeigen.

Ist «The Gunman» ein Film mit einer politischen Botschaft?

Es ist kein politischer Film. Wir fanden es aber wichtig, ein Land zu zeigen, in dem ein Genozid stattfindet (das Attentat auf einen hochrangigen Minister wird im Film zum Auslöser für Völkermord und Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo). Das öffnet einigen Zuschauern vielleicht die Augen, selbst wenn das nur auf einer unterbewussten Ebene stattfindet. Wir reflektieren im Film über die Welt, wir versuchen nicht, sie zu ändern.

«The Gunman» spielt auch in Südafrika, wo Ihre Freundin Charlize Theron herkommt. Hat sie sich Ihnen vor den Dreharbeiten als Touristenführer angeboten?

Lassen Sie uns kurz annehmen, ich wäre nicht hier. Würde ich dann lesen wollen, wie jemandes Freundin ihn mit einem Land vertraut macht, wo er gerade einen Film dreht? Wir haben nicht viel in Südafrika gedreht. Die meisten Drehs fanden in Barcelona und London statt.

Glauben Sie, dass die vielen humanitären Krisen von Hollywood in naher Zukunft öfters thematisiert werden?

Wir befinden uns tatsächlich in einer der grössten humanitären Krisen aller Zeiten, und ich glaube, dass viele Drehbücher sich mit bestimmten Aspekten dieses Phänomens befassen werden.

Sie sind mit Rob Lowe und Charlie Sheen befreundet, mit denen Sie in der Filmbranche quasi gross geworden sind. Dennoch hat man bei Ihnen das Gefühl, dass Sie die Schauspielerei ernster nehmen.

Um eines klarzustellen: Rob Lowe kannte ich nicht. Charlie lernte ich durch meinen jüngeren Bruder kennen. Ich wusste, dass diese Jungs in meiner Nachbarschaft sind, und ich war fasziniert davon, was sie taten. Dann kam die grosse Welt, und ich fing mit der Schauspielerei an. Sie haben Recht, ich nahm den Beruf von Anfang an sehr ernst. Ich schätze, ich wollte nicht eine weitere Eintagsfliege sein.

Wie hat sich Ihr Selbstverständnis als Schauspieler in den Jahren entwickelt?

Ursprünglich war ich kein echter Schauspieler. Ich musste mich immer wieder innerhalb der Projekte, die mir angeboten wurden, erst befreien. Das war eine harte Arbeit. Je öfter man etwas tut, umso mehr wird es zu einem unbewussten Prozess. Ich mag das Gefühl, auf etwas Neues vorbereitet zu sein. Ich denke oft an Clint Eastwood, der wie ein Jazzmusiker von jedem Einzelnen erwartet, dass er einfach anfängt zu spielen. Dafür muss jedoch jeder sein Werkzeug mitbringen.

Sind Sie als Regisseur genauso?

Bei mir ist der Arbeitsprozess bei jedem Film anders. Das hängt vom Erfahrungshorizont der Schauspieler ab.

Bei der Oscar-Verleihung sagten Sie, dass Filme, die keinen kommerziellen Erfolg haben, dennoch grossartig sein können.

Meistens mag ich populäre Filme nicht besonders. Diesbezüglich fühle ich mich wie ein Fremdkörper gegenüber dem Rest der Welt.

Wären Sie wieder an Bord, wenn «The Gunman» zu einer Franchise ausgebaut werden würde?

Ich schaue nie über die jeweiligen Filme hinaus. Ich wünsche diesem Film das Beste, viele Menschen haben sehr hart daran gearbeitet. Ich habe gerade einige Projekte angeboten bekommen, bei denen ich gerne Regie führen würde. Darauf konzentriere ich mich jetzt in erster Linie.

Können Sie etwas über Ihre karikative Arbeit sagen, über Ihre Hilfsorganisation JP/HRO?

Wir begannen mit 30 Amerikanern. Nach dem Erdbeben 2010 verteilten wir Morphium an die Menschen. Heute besteht die Organisation aus 350 Mitarbeitern, die meisten von ihnen sind Haitianer. Sie gliedert sich in mehrere Bereiche: Bildung, Umsiedlung, Gesundheit, Technik usw. Unser erstes Camp fasste 60 000 Menschen. Sie wurden alle umgesiedelt. Nach der Katastrophe waren es über 1,6 Millionen Menschen, die ein neues Zuhause brauchten! Heute sind es im ganzen Land noch zirka 65 000.

Sie gelten als Mensch, der sich auch politisch positioniert. Die Academy wurde dieses Jahr für ihren Mangel an Vielseitigkeit kritisiert. Wie stehen Sie dazu?

Es ist zu dumm, den Mangel an Vielseitigkeit zu kritisieren und nicht zu erkennen, dass wir keine Filme wie «Birdman» hätten, wenn wir tatsächlich ein Vielseitigkeitsproblem hätten.

Julia Manfredi/Ricore

Engagement vor, hinter und neben der Kamera


Die Medien wurden erstmals auf Sean Penn aufmerksam, als er sich an Madonnas Seite zeigte. Sie küssten und sie schlugen sich, die Scheidung folgte 1989 nach gerade mal vier Jahren Ehe. Madonna brauchte er fortan nicht mehr, um sich medienwirksam zu inszenieren. Sean Penn ist einer der talentiertesten Schauspieler seiner Generation. Für seine Leistungen in den Dramen «Mystic River» und «Milk» wurde er jeweils mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, darüber hinaus hat er drei weitere Nominierungen auf seinem Konto zu verbuchen.

Als Regisseur drehte Penn unter anderem das düstere Kriminaldrama «Das Versprechen» («The Pledge») nach dem gleichnamigen Roman von Friedrich Dürrenmatt und das hoch gelobte Drama «Into The Wild», zu dem er auch das Drehbuch verfasst hat.

Abseits des Filmsets wurde Penn wegen seiner umfangreichen Waffensammlung kritisiert. Seiner Freundin Charlize Theron zuliebe liess er sie zu einer Skulptur verarbeiten. Politisches Engagement zeigt er mit der Gründung der Non-Profit-Organisation JP/HRO, die sich um die Erdbebenopfer von 2010 in Haiti kümmert.

ricore

Sean Penn als muskelbepackter Ex-Söldner


Jim Terriers (Penn) bisherige Vita ist nicht eben rühmlich. Jahrelang hat er sich als Söldner auf dem Afrikanischen Kontinent verdingt, bis er, der auch ein geübter Scharfschütze ist, den Bergbauminister des Kongos ermorden soll.

Nach dieser Tat muss Terrier nicht nur Afrika, sondern auch seine Geliebte zurücklassen. Acht Jahre später baut Terrier, nun wieder im Kongo, Brunnen für eine Hilfsorganisation, wohl auch, um sich ein wenig reinzuwaschen von all seinen Sünden. Die Vergangenheit aber ist unbarmherzig. In Form eines Killerkommandos holt sie Terrier ein. Knapp nur kann er überleben. Und will mit Hilfe von alten Freunden herausfinden, wer ihm nach dem Leben trachtet.

Altmodisch
«The Gunman» ist ein durch und durch altmodisches Werk, vom Titel übers Filmposter («Armed with the truth») und einer eher altbackenen Story bis hin zum kuriosen Namen des Hauptdarstellers (Terrier!). Zwar gibt es politische Untertöne, die aber meist zu verschwinden drohen im Actiongewimmel; der Film nimmt sich ernster, als er vielleicht sollte, ein wenig mehr Ironie hätte sicher gut getan. Am besten funktioniert der Film als Star-Vehikel für Sean Penn.

dpa

...selbstzerstörerisch im Privaten (mit Ray Winstone als Stanley). (Bild: PD)

...selbstzerstörerisch im Privaten (mit Ray Winstone als Stanley). (Bild: PD)